Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

Die Zeichen der Schönheit und ihre Heimat in der Ästhetik

 

Sinnliche Erkenntnis setzt Wahrnehmung voraus. Anmut zu fotografieren ist der Versuch, Poesie bildnerisch festzuhalten.

Schiller beschäftigte sich in der literarischen Auseinandersetzung mit Anmut und Würde und definierte diese als „willkürliche Bewegung der schönen Seele“ und setzte Bewegung voraus. Fixiertes wie ein Gebäude konnte demnach nicht anmutig und würdevoll sein. Allenfalls in Posen oder festgehaltener Bewegung konnte Anmut erahnt werden. 

Wann aber wird aus dem natürlich Schönen jenes, was erhaben genannt wird? 

Kant definiert: „Schön ist das, was in bloßer Beurteilung (also nicht vermittelst der Empfindung des Sinnes nach einem Begriffe des Verstandes) gefällt. Hieraus folgt von selbst, dass es ohne alles Interesse gefallen müsse. Erhaben ist das, was durch seinen Widerstand gegen das Interesse der Sinne unmittelbar gefällt.“ 

Schiller schließt daran an und geht darüber hinaus:

Beim Erhabenen fühlen wir uns frei, „weil die sinnlichen Triebe auf die Gesetzgebung der Vernunft keinen Einfluss haben, weil der Geist hier handelt, als ob er unter keinen anderen als seinen eigenen Gesetzen stünde“.
Das Erhabene „verschafft uns einen Ausgang aus der sinnlichen Welt“ und sei gleichzeitig „ein gemischtes Gefühl. Es ist eine Zusammensetzung von Wehsein… und von Frohsein…“ – Beim Erhabenen „stimmen Vernunft und Sinnlichkeit nicht zusammen, und eben in diesem Widerspruch zwischen beiden liegt der Zauber, womit es unser Gemüth ergreift“: „Der erhabene Gegenstand ist von doppelter Art. Wir beziehen ihn entweder auf unsere Fassungskraft und erliegen bei dem Versuch, uns ein Bild oder einen Begriff von ihm zu bilden; oder wir beziehen ihn auf unsere Lebenskraft und betrachten ihn als eine Macht, gegen welche die unsrige in Nichts verschwindet. Aber ob wir gleich in dem einen wie in dem anderen Fall durch seine Veranlassung das peinliche Gefühl unserer Grenzen erhalten, so fliehen wir ihn doch nicht, sondern werden vielmehr mit unwiderstehlicher Gewalt von ihm angezogen. Würde dieses wohl möglich sein, wenn die Grenzen unsrer Phantasie zugleich die Grenzen unserer Fassungskraft wären?“

Adorno verhilft, den durch das Erhabene betroffenen Menschen vom Kopf wieder auf die Füße zu stellen: »Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!«

Die Heimat der Ästhetik ist nachkantig, nachschillernd nunmehr neu-neuronal der frontale Cortex sowie der Nucleus accumbens, das Belohnungssystem mit Sitz im Hirn.

 

Fotografie verschafft den Menschen die Lust, Zeit und Raum zu bannen und bewegte Schönheit, aber auch die Schönheit der Bewegung, sprich Anmut festzuhalten. Wer fotografiert, der belohnt sich selber.

 

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