Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

7. Mai 2026
von JvHS
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Vom Zeitraum 1960-1990 und dem Beginn der gesellschaftlichen Veränderung durch „Mehr Demokratie wagen“

Wer, wie der Autor und Blogbetreiber als Angehöriger der ersten Nachkriegs-Generation sich heute den Agenden der aktuellen politischen Jungendorganisationen ausgesetzt sieht, kommt nicht an der Notwendigkeit vorbei, einen Vergleich vorzunehmen, wie es in den Jahren 1960 – 1990 war.  Und welche dedizierten Unterschiede durch den Vergleich feststellbar sind.

Einerseits sind die ökonomischen wie gesellschaftlichen Realitäten der ersten Jahrzehnte nach dem Weltkrieg  zu beschreiben und anhand historischer Ereignisse zu kartieren. Dazu gehören Stichwort artig Begriffe wie ,´68er-Generation, Mehr Demokratie wagen durch den Politikwechsel von CDU/CSU zur Sozialliberalen Demokratie unter Brand und Schmidt,  RAF-Terror, Friedensbewegung in Zeiten des Kalten Krieges, das Ende der DDR und die Wende. Aber auch der Beginn des Neoliberalismus als Restauration des alten Wirtschaftssystems und Umkehrung der Kommunitarismus-Schwerpunkte durch Zerschlagung der Gewerkschaften.

Die drei Jahrzehnte des sich Freischwimmens von den weiterhin wirksamen Seilschaften und Netzwerke der Faschisten und Nazis in der Finanzwelt, in den Führungsetagen der Konzerne, in den Hochschulen und in den Bildungssystemen,  sowie in der Exekutive mit ihrer politischen Bürokratie und der Judikative war Ziel der Studentenbewegung und in den Abiturklassen der sechziger und siebziger Jahre.

Mit seinem Werk  „ Der lange Sommer der Theorie / Geschichte einer Revolte 1960 – 1990“ beschreibt Philipp Felsch diese Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs auch als eine „ geistige Revolte“ gegen den „Muff von 1000 Jahren, unter den Talaren!“.  Ein Zeitraum, in dem die Suche nach einer „Theorie“ für ein grundlegend anderes Lebensmodell eine ganze Generation faszinierte und verband.

Um Kants Fragen und seine Antworten:

  1. Was kann ich wissen?
  2. Was soll ich tun?
  3. Was darf ich hoffen? und
  4. Was ist der Mensch?

ging es mit der Suche nach neuen Theorien der Nachkriegsgeneration nicht mehr. Es wurde gelesen und debattiert, als sei diese Tätigkeit die neue Erotik im Erlebens- und Erkenntnisraum der studentischen Jugendlichen und des gesellschaftlichen Nachwuchses der `68er.

In der Differenzierung zu den aktuellen Erpressungsversuchen der heutigen Nachwuchsgenerationen á la Junge Union in Sachen Rentenreform – wohl deren einziges Kerngeschäft, in das sich, Macht demonstrierend, verbissen wird, mit dem für neoliberalistisch wichtigen Ziel der Privatisierung der Alterssicherung – war nach Felsch der Zeitraum der dreißig Jahre von 1960 – 1990  eine „Epoche, in der das Denken noch geholfen hat!“, um  mit selbstbewusstem Elan den Diskurs voranzutreiben zu neuen soziologischen, philosophischen und kulturellen Erkenntnissen. Zumindest erschien es der damaligen Studentenbewegung als eine intellektuell fruchtbare Periode, noch nicht abschätzend, in welche Abgründe es Teile dieser Generation führen würde in den 1970er Jahren (RAF-Terror).  Neue Formen und Methoden der Debatten versprühten ein Aufbruchsgefühl, das sich widerspiegelte in der Politik einer neuen sozialliberalen Regierungskoalition  aus SPD und FDP unter dem Bundeskanzler Willy Brandt mit dem Motto „Mehr Demokratie wagen!“

Ergebnis offen zeichnete sich die damalige Jugend durch Hoffnungen, aber auch Irrwege aus, während die eindimensionale Debatte der heutigen politischen Nachwuchsgeneration sich um die Maximierung und unwiderrufliche Festschreibung von Privilegien und Entscheidungsmachterhalt in der Umgebung der neoliberalen Finanzwirtschaft dreht.

Die – mit der neuen sich entwickelnden offenen Gesellschaftsform einhergehenden – Freiheit  versprach eine gerechtere, sozialere und solidarischere  Gestaltung der Lebensentwürfe, die vor allem den Widerstand der ewig Gestrigen und Machtverlust fürchtenden erzkonservativen Schichten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft auf den Plan riefen. Unterstützt durch Verlagshäuser und ihre Medienmacht der Printerzeugnisse (Bild, Welt) wie zum Beispiel aus dem Hause Axel Springer und Co.

Während mit diffamierenden Methoden die um Machtverlust fürchtenden alten Eliten Vorurteile wie Jauche verteilten – goutiert von den Menschen, die den alten Methoden des  Obrigkeitsdenkens kaum aufgeklärtes und selbst erkennendes Selbstbewusstsein entgegenstellten, sondern stattdessen von „aufhängen an den langen Haaren“ oder „an die Wand stellen und schießen“ lamentierten – begleiteten neue Verlage mit ihren Buch-Programmen die Verbreitung der kritischen Literatur und wissenschaftlicher Gesellschaftstheorien.

Neben dem Suhrkamp-Verlag waren vor allem kleinere Verlage (Verve) beeinflussend beteiligt, wie Felsch in seinem Werk „Der lange Sommer der Theorie“ betont.  So gelangten aus den Archiven und Bibliotheken  der Universitäten Adornos Werk „Minima Moralia“, ebenso Erich Fromms „Haben und Sein“ und die Schriften der Frankfurter Schule als „Kritische Theorie“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adornos „Dialektik der Aufklärung“, sowie Jürgen Habermas „Erkenntnistheorie“ oder Hannah Arendts Werke zur Aufarbeitung der Hitler-Diktatur „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ ; „Wahrheit und Politik“  und „Vita activa oder Vom tätigen Leben“ als Taschenbuchformate in eine breitere Öffentlichkeit für die interessierten Teile der Gesellschaft.

Auch der Blogbetreiber nutzte die täglichen Fahrten vom Land in die Stadt zum ehrwürdigen humanistischen Gymnasium KKG für das Studium der neuen Sichtweisen ermöglichenden Bücher. Mit „Sit-ins“  und der Forderung nach neuen Formen der Schülermitbestimmung sahen sich das Lehrer-Kollegium und die Schulleitung unter dem von Schülern „Zeus“ genannten Schulleitern einem neuen Selbstverständnis der Abiturienten entgegengestellt. Einer Energie, die das intellektuelle Gelernte für den Diskurs praktisch anwendete, und dem die überforderten Lehrpersonen aufgrund ihrer fehlenden Flexibilität nichts entgegen zu setzen hatte. Auch weil keine Bereitschaft bestand, die zwar bequemen, aber völlig überholten Abläufe zu überdenken und Demokratie – als Lehrinhalt beauftragt – nun endlich zu praktizieren. Mit dem ´68er Selbstbewusstsein begann der Abbau des Auf das Denken der Menschen  nahmen Philosophie, Soziologie und Psychologie Einfluss und ihre Erkenntnisse und Theorien standen in großer Bandbreite zur Verfügung.

Philipp Felsch stellt mit seinem Buch einen roten Faden durch dreißig Jahre Bundesrepublik zur Verfügung. Die Gewohnheiten des Campus als Spielfeld der Professoren, die wie im Bereich der Philosophie „… sich darauf beschränkten, den Sinn des Seins (Heidegger: Das Nichts nichtet…) und die Texte der Klassiker auszulegen, hatte das neue Denken der ´68er nichts zu tun“, wie Felsch formulierte.

Statt auf ewige Wahrheiten zielte es auf die Kritik der Verhältnisse ab …“ (Felsch).

Die alltäglichen Vorgänge begannen im Bewusstsein ihrer Relevanz für das Leben in der Gesellschaft hinterfragt zu werden. Das bedeutete, dass das Handeln und Denken der bisherigen Elite aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik kritisch in Augenschein genommen wurden. Die Demokratie wurde nicht mehr nur von der zuvor genannten Gruppe bestimmt, sondern begann von weiteren Teilen der Gesellschaft praktisch gelebt zu werden.

Wer wie daran beteiligt war und mit welchen Folgen, wird in weiteren Beiträgen und aus den Erinnerungen des Blogautors beschrieben werden.

Ursprüngliche Version vom November 2025 (Autor: JvHS) – reloaded nach Serverumzug

6. Mai 2026
von JvHS
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Miteinander statt spalten – aufklären statt hetzen – Poppers Kommunikationsregeln helfen!

„Fanatismus und Extremismus sind die Totfeinde der Vernunft!“ – JWB

Egal ob “Runder Tisch” oder eckiges Tischchen, ein fruchtbarer Austausch ist nur machbar, wenn auch für die Gespräche und die Diskussionsrunden ein paar Regeln gelten! Karl Poppers Kommunikationsregeln sind hilfreich!

Gleich zum Anfang und ebenso kurz wie bündig, folgt hier die Wiedergabe der 12 Kommunikationsregeln Karl Poppers:

1)Jeder Mensch hat das Recht auf die wohlwollende Auslegung seiner Worte.
2) Wer andere zu verstehen sucht, dem soll niemand unterstellen, er billige schon deshalb ihr Verhalten.
3)Zum Recht ausreden zu dürfen, gehört die Pflicht, sich kurz zu fassen.
4)Jeder soll im Voraus sagen, unter welchen Umständen er bereit wäre, sich überzeugen zu lassen.
5)Wie immer man die Worte wählt, ist nicht sehr wichtig. Es kommt darauf an, verstanden zu werden.
6)Man soll niemanden beim Wort nehmen, wohl aber das ernst nehmen, was er gemeint hat.
7)Es soll nie um Worte gestritten werden, sondern um die Probleme, die dahinterstehen.
8)Kritik muss immer konkret sein.
9)Niemand ist ernst zu nehmen, der sich gegen Kritik immunisiert hat.
10)Man soll einen Unterschied machen zwischen Polemik, die das Gesagte umdeutet, und Kritik, die den anderen zu
verstehen sucht.
11)Kritik soll man nicht ablehnen, auch nicht nur ertragen, sondern man soll sie suchen.
12)Jede Kritik ist ernst zu nehmen, selbst die in böser Absicht vorgebrachte: Denn die Entdeckung eines Fehlers
kann uns nur nützlich sein.

  • Quelle: Veröffentlicht wurden sie 1994 von Hans-Joachim Niemann in der Zeitschrift „Aufklärung und Kritik“. 

6. Mai 2026
von JvHS
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Zwischen optimistischer Utopie und Verdrängung der Fakten als Dystopie relativer Realitäten

Das „Schwarze Loch“ der Politik in der Parteien-Demokratie

„Wer gesinnungsethisch denkt und handelt, neigt dazu, einseitig die sichtbar neoliberalen Aspekte der Wirklichkeit zu betonen oder diesen die größte Bedeutung beizumessen, da er alles andere verkennt.“ – JWB

Es hat sich im Wesentlichen nichts an den Fehlverhalten und den Fehlentwicklungen geändert! (Text ist aus dem Jahr 2022 und belegt, dass auch die neue Koalition nichts aus alten Fehlern vorheriger Regierungen gelernt hat!)

Das Verdrängen von Fakten ist ein Schutzmechanismus der Menschen in Zeiten der Herausforderung und Ungewissheiten und dem Ausgeliefertsein in Form existenzieller Bedrohungen. Bei Veränderungen der Sozialgefüge durch nicht persönlich lösbare Beeinflussungen wie Pandemie, Krieg und autokratische Entwicklungen im Staat entstehen Unsicherheiten, die den gewohnten Ablauf des Lebens stören, verändern und Leidensdruck erzeugen. 

In autokratischen und diktatorischen Staatssystemen werden Freiheit, Meinungsäußerungen und der Diskurs um eine gemeinsame und tragbare Veränderungsnotwendigkeit unterdrückt und mit gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Gewalt eingedämmt. Die Realitätsveränderungen sind durch strukturelle Existenznot, Unterdrückung, Freiheitsberaubung und Bedrohung des Lebens gekennzeichnet. Putins Krieg gegen die Ukraine und der vorherige gegen Tschetschenien, Erdogans Krieg gegen die Kurden und Orbáns Ausschaltung der Rechtsstaatlichkeit sind Beispiele für die oben genannten Entwicklungen. (Und auch die neuen Kriege ab Okt. 2023 (Terroranschlag der Hamas auf Israel oder der aktuelle Krieg Trump-USA gegen den Iran zeigt die gleichen Fehler!) 

In rechtsstaatlich-demokratischen Staatsstrukturen ist die Bewältigung der veränderten Bedingungen deutlich uneinheitlicher. Die Verschiebung ethischer Grundsätze hin zu einer gesinnungsideologischen Ausrichtung der Politik in einer Lobbyismus-Republik spaltet die Gesellschaft sowie die Parlamente. Anstatt die Stärkung der Problemlösungsfähigkeiten zu unterstützen und in konzertierten Aktionen zu organisieren, zerfleischen sich Opposition und Regierungskoalitionen in den Parlamenten. Trump und sein negatives Verhalten als Ausformung des Trumpismus sind dafür ebenso Beispiel wie die egomanische Selbstdarstellungstour des „BlackRock-Adepten“ Friedrich Merz als CDU-Fraktionsvorsitzender (in 2022) im Bundestag. (Neu: Seit rund einem Jahr als Kanzler! 2025) 

Obwohl Handlungsanleitungen für Pandemien/Epidemien in den Schubladen lagen, wurden die dort vorgegebenen Vereinbarungen nach Ausbruch der Corona-Pandemie auf vielen Ebenen nicht umgesetzt. (Bevorratung von Schutzmittel etc.) Ebenso wenig wurden Katastrophen – und Verteidigungskonzepte auf EU-Ebene bereitgehalten, um den gemeinsamen Verteidigungsfall zur organisieren. Immer wurden die Interessen des neoliberalen Finanzkapitals – gesteuert durch einen überbordenden Lobbyismus – an die erste Stelle gesetzt. Die Verpflichtungen der EU und der nationalen Staaten für das Gemeinwohl und die Daseinsfürsorge wurden und werden immer weiter vernachlässigt. (Durch die Mehrheitsfraktion der Merz-Kanzlerschaft sogar aktiv verhindert!) Gerade in diesem Bereich ließen und lassen in der Parteien-Demokratie die neoliberalen Parteien der CDU/CSU und FDP (vor dem Rauswurf aus dem Bundestag) zu, dass durch Privatisierungen vieler Lebensbereiche die Störungen und der Abbau des Sozialauftrages zugenommen haben. (Wohnen, Gesundheit, Bildung, Energieversorgung, Altersversorgung werden dadurch einzig der Renditesteigerung unterworfen und verschlechtern so die Lebens-Bedingungen für große Anteile der Bevölkerung).

Was sich auf politisch-staatlicher Ebene wie zuvor geschildert in dystopischer Form entwickelt, geschieht auf gesellschaftlicher Ebene für das private und persönliche Umfeld. Der Wunsch des „Weiter-so-wie-bisher“-Lebens mit der Verdrängung der Bedrohungen des Lebensalltags bei großen Teilen der  Bevölkerung lässt diese  auf persönlicher und privater Ebene erkranken! Angeschlagen ist auch das demokratische System. Vertrauen in die Politik geht immer mehr verloren, genauso wie das Selbstvertrauen bei den Menschen. Angststörungen nehmen zu, ebenso wie die Gewalt gegen Mitmenschen. Verdrängung und Vermeidungsverhalten breiten sich aus – gestützt durch unsägliche TV-Formate wie GNTM bei den Privatsendern oder Politik-Talk á la Lanz bei den öffentlich-rechtlichen Sendern –und betäuben die Wahrnehmung sowie das evidenzorientierte Denken. 

Was ist zu tun?

1. Kein „Weiter-so-wie-bisher“ auf allen Ebenen! Das heißt, dass das Denken und Verhalten der Politiker untereinander nicht mehr in den jahrzehntelang eingesetzten Formen des diskriminierenden und auf Ansehensgewinn ausgerichteten Angriffen à la Merz-Reden
erfolgen darf, sondern ein parteiübergreifendes Miteinander (als konzertierte Aktionen und durch das Volk in Form von Bürgerräten beteiligtes Mitwirken) ermöglicht wird, um alle Kraft auf die Problemlösungen zu fokussieren.
2. Die Verfälschung und Verwässerung der dringendsten
Probleme durch den Lobbyismus und die Einflussnahme zum Zwecke der rein ökonomischen Interessensvertretung ist zu beenden und komplett auszuschalten.
3. Beteiligung und Mitbestimmung durch Volksentscheide –wie zum Beispiel aktuell in Dänemark (2022!) – für alle wichtigen Themen der Gesellschaft, vor allem die Themen der Gemeinwohl- und Daseinsfürsorgebereiche sind sofort zu realisieren.
4. Transparente und mediengestützte Aufklärung sowie die Entwicklung einer Diskurskultur, die positiv und frei von gruppenbezogener Hass- und Gewaltbereitschaft, im Rahmen eines respektvollen und würdeorientierten Umgangs erfolgt, muss sofort und nachhaltig praktiziert werden.
5. Die Regeln Poppers für eine Kommunikation sollen beachtet und praktiziert werden im
Miteinander: statt spalten – aufklären/ statt hetzen – gemeinsam Probleme lösen!

Poppers Kommunikationsregeln helfen!

Miteinander statt spalten – aufklären statt hetzen – Poppers Kommunikationsregeln helfen!

Version vom 02.06.2022 – ergänzt um aktuelle Fakten – reloaded

6. Mai 2026
von JvHS
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Prinzip Hoffnung – oder die Möglichkeiten der Verantwortungsübernahme für Frieden, Freiheit, Menschenfreundlichkeit

„Der Mensch sollte am Gelingen sich orientieren, nicht am Scheitern. Die Natur lebt das Prinzip vor!“ – JWB

„Hoffnung ist eben nicht Optimismus, es ist nicht der Glaube, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat ohne Rücksicht darauf, wie es ausgeht.“ – Václav Havel

„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in der Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ – E. Bloch, Das Prinzip Hoffnung, Bd. 3

„Unmündigkeit und Gewaltbereitschaft ist ein explosives Gemisch, das sich im Pöbel zeigt. Ist er käuflich, wird er zugleich sinnlos gefährlich; folglich kann er von denen, die die Mittel haben und die an den faschistischen Denkmustern, Unterdrückungsverhalten und geopolitischen Angriffskriegen egomanisch interessiert sind, verblendet und gebraucht werden.“ JWB (in Anlehnung an E. Bloch, Das Prinzip Hoffnung, Bd. 1)

„Wo Eigensinn bei Dummen ficht, wird durch Vernunft nichts ausgericht‘.“ – Deutsches Sprichwort 

„Fanatismus und Extremismus sind die Todfeinde der Vernunft.“ – JWB

Jürgen Habermas ist tot! Er hinterlässt die Botschaft: Am Anfang der Kommunikation steht das Gespräch, nicht Gewalt oder Krieg!

 

6. Mai 2026
von JvHS
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Den Blick werfen auf das Handeln des pervertierten Konservatismus

In der Erzählung,  „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry,  verweist der Autor auf die Notwendigkeit, die Unbeschwertheit der Kindheit erleben zu dürfen als einer der wichtigsten Erfahrungen und Bausteine auf dem Weg, erwachsen zu werden! Und zwar zu einem stabilen, lebensbejahenden, menschenfreundlichen und in Empathie handelnden Menschen!

Unbeschwertheit erfahren zu dürfen, heißt, in Sicherheit und Geborgenheit die Welt erkunden zu können, Fähigkeiten durch Ausprobieren zu entwickeln und Probleme gemeinsam lösen zu können, aber auch kreativ sein zu dürfen in Begleitung wohlwollender Mentoren und Vorbildern, von deren Fertigkeiten zu lernen, sowie Freiheit zu erleben, in der die Freiheit des Mitmenschen mitgedacht wird.

Eine positive Kindheit zu erleben – ohne physische und psychische Gewalt – darf nicht als Schicksal oder Luxus gewertet werden, sondern als Recht der Menschen, in der das positive Denken und Handeln aller Beteiligten im Mittelpunkt des Zusammenlebens stehen.

Um eine negative Kindheit zu verhindern und die Weiterentwicklung hin zum Erwachsenen zu ermöglichen – der in menschenfreundlicher, mitfühlender und konstruktiver Weise als Mitglied der  Gesellschaft am gelingenden Leben mitwirkt – besteht die verpflichtende Aufgabe der Menschen darin, auf allen Ebenen des Zusammenlebens die Ausgestaltung des Gesellschaftsvertrages vorzunehmen, wie sie in der direkten Demokratie durch echte Gewaltenteilung und als Sozialstaat vorgesehen ist, der die Menschenrechte umsetzt und notfalls verteidigt.

Zu den Aufgaben der Regierungen in der direkten Demokratie gehören die politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen die Begleitung der Kinder und Jugendlichen hin zu Erwachsenen mit Hilfe des Sozialstaates und seiner ausgleichenden Verteilung der Belastungen notwendig und hinreichend erfolgt.

Dass dieses Ziel zu erreichen – durch vielfältigen Widerstand und Blockade – verhindert wird, zieht sich durch die Geschichte der Menschheit wie ein roter Faden der Destruktion und Reaktion.

Aktuell erlebt Deutschland den Abbau der sozialstaatlichen Verantwortung durch eine Regierung, in der sich ein Konservatismus übelster Art ausbreitet und in dem die Restauration traditioneller Vorstellung der Staatsräson versucht wird, das ist exemplarisch nachvollziehbar am Beispiel des Handelns der Wirtschaftsministerin Reiche, welches gekennzeichnet ist von  lobbyistisch-affiner Agitation.

Desgleichen ist in der Person Wolfgang Weimer nachvollziehbar – aktuell Staatsminister des Bundeskanzler Friedrich Merz für Kultur und Medien und ehemaliger Chefredakteur der Springer-Zeitung „Die Welt“ und Gründer der Zeitschrift „Cicero“ – der ganz nach Helmut Kohls Agenda „der geistig-moralischen Wende“ den Kulturbetrieb in Deutschland fundamentalistisch rechtskonservativ durcheinander wirbelt.

Ebenfalls sichtbar beim – in jungen Jahren schon nostalgiesüchtigen – Philipp Amthor in Sachen „Wertekommission“-Handeln, der mit der Umsetzung der erzkonservativen Machtvorstellung  von Politik hausieren geht.  Denn Aufklärung und Transparenz sind weder bei der CDU/CSU noch bei der AfD erwünscht.

Das lässt sich am besten durch Streichung der Fördergelder bei NGOs (wie Demokratie-Stärkung), in den Fördergeld-Verteilungen für die Kultureinrichtungen (durch Weimer) oder in der Ablehnung der Kraftstoff-Preisdeckelung und des Einzugs von Übergewinne bei den Ölkonzernen, sowie der Ablehnung der Energiewende durch die Wirtschaftsministerin Reiche nachvollziehen.

Mit dem Rückbau des Sozialstaates und der Umverteilung der Bundeshaushaltsfinanzen zu Lasten der Zivilgesellschaft mit gleichzeitigem Zwang in prekäre Verschlechterungsbedingen (Jobcenter-Sanktionen, obwohl auf dem Arbeitsmarkt keine äquivalenten Angebote bei steigender Arbeitslosigkeit bestehen!), werden „Einsparungen“ im ALG I und ALG II installiert.

Wirkliche Entlastungen durch Mietpreis-Deckelung respektive Korrektur der alle drei Jahre gesetzlich erlaubten Miet-Erhöhungen bis 15%, durch staatliche Investitionen in den Wohnungsbau für kostengünstige und bezahlbare Mietwohnungen (und nicht für Investmentgesellschaften mit ihren Renditeabsichten) gesetzlich zu verankern, sowie die Belastungsverteilung durch Vermögenssteuern bei den Superreichen (Multimillionäre und Milliardäre) zur Verbesserung und gerechteren Belastungsverteilung einzuführen, wird bei Kindern in prekären und von Armut bedrohten Familien die Erfahrung einer unbeschwerten Kindheit verhindert!

Die feststellbare Spaltung der Gesellschaft ist multi-ursächlich. Die Mehrheit der Gesellschaft ist zu hohen Anteilen in prekären und armutsgefährdenden Situationen. Die Hälfte der Bevölkerung lebt ohne Immobilieneigentum. Diejenigen, die Eigentum in Form von selbstbewohnten aber kreditfinanzierten Immobilien haben, sind durch Konjunktur-Einbruch gefährdet. Die Rücklagen dieser Menschen sind kaum nennenswert und werden durch die steigende Arbeitslosigkeit in belastenden Bedingungen versetzt.

Ein weiteres Drittel der Bevölkerung lebt in „gutsituiertem Wohlstand (auch durch Erbschaften)“ und glaubt durch Abbau des Sozialstaates an die „Pseudo-Sicherheit“ durch die konservativen Parteien á la CDU/CSU, an den Eigentumsschutz, sowie an die Hoffnung, durch Vermögensanlage auch von dem System der leistungslosen Vermögensvermehrung zu profitieren. Sie unterstützen damit weiterhin die Umverteilung zugunsten der wirklich reichsten 10% der Gesellschaft. Diese haben jedoch zum vorgenannten Drittel tatsächlichen Einfluss und Macht und dynamisieren ihre Vermögensvermehrung. Ihr organisierter Lobbyismus und ihre Meinungsmacht reichen bis in die Gesetzgebung zu ihrem Vorteil. Die politische Macht ist längst in die Hände der Finanz- und Vermögensverwaltungen gewechselt.

Hannah Arendt hat die Entwicklung der Ideologie des Konservatismus mit Affinität zum totalen Umbau der Wertevorstellungen von Freiheit und Gleichheit durch den geopolitischen Neoliberalismus schon elementar in ihrem Werk „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“ beschrieben.

Arendts These lautet: „Jede Weltanschauung (Ideologie) kann durch eine fundamentalistische  Bewegung übernommen und mittels Gewalteinsatz durch Terror gegen die Bevölkerung in einen Totalitarismus und eine Diktatur gewandelt werden!“

Auf diesen Weg scheint die USA unter Donald Trump zu sein. China hat diesen Weg schon längst etabliert. Iran seit 1979 durch das System der Revolutionären Garden und dem Scharia-Terror, Korea durch das Terrorsystem stalinistischer Provenienz und die Türkei unter Erdogan sowie Ungarn durch Orban durch die Ausschaltung der Gewaltenteilung und personellen Besetzungsmethoden der Gerichtsbarkeit und der Legislativen mit Gefolgsleuten.

Der Erfolg der AfD und der Einfluss des rechtsextremistischen Flügels unter Höcke und Co. scheint nachvollziehbar verständlich, wenn die Zustimmung vieler Menschen – die in Ostdeutschland fast sieben Jahrzehnte in einem despotischen Unrechtsstaat gelebt haben (1933-1945 dem Totalitarismus der Naziherrschaft und von 1949-1989 der Stasiherrschaft)  – zu antidemokratischen Extremisten verstanden werden als Zustimmung für die Installation einer Diktatur mit Führer-Modell!

„Was moderne Menschen so leicht in die totalitären Bewegungen jagt, … ist die allenthalben zunehmende Verlassenheit. Es ist, als breche alles, was Menschen miteinander verbindet in der Krise zusammen. … Das eiserne Band des Terrors, mit dem der totalitäre Herrschaftsapparat die von ihm organisierten Massen in eine »entfesselte« Bewegung reißt, erscheint so als ein letzter Halt …“ Hannah Arendt

Da wird das Handeln von Funktionsfanatikern in der Mehrheitsfraktion der CDU/CSU zum Katalysator der Machtübernahme-Möglichkeiten durch Anti-Demokraten.

Version vom 12.04.2026 – reloaded am 06.05.2026

 

 

6. Mai 2026
von JvHS
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Selbst- und Fremdtäuschungen in der Politik und Parteien-Demokratie – Friedrich Merz und Katherina Reiche (CDU)

Statt auf ewig falsche „Wahrheiten“ zielt der Kommentar und Blog-Text auf die Kritik der politischen Verhältnisse ab …“

„Wer nur im Kreis Gleichgesinnter verkehrt, übersieht die Ecken und Kanten seiner Weltanschauung und seiner Ideologie.“

 »Wenn die meisten sich schon armseliger Kleider und Möbel schämen, wieviel mehr sollten wir uns da erst armseliger Ideen und Weltanschauungen schämen.« – Albert Einstein

Der „Markt“ soll alle ökonomischen Probleme und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft in Deutschland regeln. Das ist das ideologische Denken und Handeln von Kanzler  Friedrich Merz (aktueller Kanzler) und Katherina Reiche (Wirtschaftsministerin und lobbyistisch-affine Interessensvertreterin der Öl- und Gasindustrie), beide CDU und neoliberal verbohrte Anhänger einer Klientel-Politik, die den Mythos, dass die beteiligten Teilnehmer am „Markt“  eine selbstregulierende Wirtschaft betreiben würden. Der Staat solle sich komplett raushalten, besagte diese antiquierte Wirtschaftstheorie!

Mit dem Begriff „Markt“ wird vom Neoliberalismus (ein anderes Wort für den ungeregelten Finanzkapitalismus) die Vorstellung vertreten, dass die „freie Marktwirtschaft“ im fairen Wettbewerb für Wohlstand und Fortschritt sorgen werde. Ergänzt durch das ähnliche selbst- und fremdtäuschende „Märchen“, dass es den Lohnabhängigen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um ihre Existenz zu sichern, besser gehen werden, wenn es den Unternehmen in der „freien Marktwirtschaft“ gut gehe!

Doch eine „freie Marktwirtschaft“ gibt es im globalen Verdrängungskampf schon lange nicht mehr, wenn es sie denn mal gegeben hat. Von fairem Wettbewerb ganz zu schweigen. Die Konzentration auf wenige Konzerne in den Branchen (IT-Tech und Banken) ist das Ergebnis des neoliberalen Kapitalismus und des Finanzkapitals (Banken und Vermögensverwalter), welche das Kapital in Börsenprodukte festlegt, anstatt Industrie und Handel mit Krediten auszustatten, die für reale Investitionen genutzt werden könnten. So entstehen über lange Zeit sowohl Investitionsstau durch ausbleibende Investitionen in neue Produktionsunternehmen, welche dann den Wettbewerb beginnen könnten. Stattdessen wird die Konzentration auf wenige Big Player ermöglicht, die jeden Wettbewerb behindern.

Wer wie Reiche und Merz diese Entwicklungen einem nicht existierenden „Markt“ überlassen will, handelt entweder bewusst klientelorientiert, oder naiv und in völliger ideologischer Verbohrtheit und gegenüber der Mehrheit der Bevölkerung völlig verantwortungslos! (Nina Warken – CDU Gesundheitsministerin) (Beide Verhaltensweisen sind in höchstem Maße schädlich für das ganze Land!

Wenn dann egomanisch-despotische Machtkonzentration bei wenigen Regierungsspitzen (Trump (USA), Putin(Russland), Xi Jinping (China) u.a. zu einem Wechsel der Staatsformen führt, die zudem die geopolitische Landschaft mit imperialistischen Zielen und gewaltorientierten Methoden neu aufteilen, dann gleiten die unterschiedlichsten Gesellschaften ins politisches, arbeitsmarktbetroffenes und zivilgesellschaftliches Chaos.

Nicht nur in Krisen- und Kriegszeiten, da aber besonders angebracht, ist jede einseitige Klientelpolitik für Unternehmen zu beenden. Grenzübergreifende Solidarität und konzertierte Eingriffe in das ökonomische Treiben der Unternehmen sind existenziell notwendig! Wo Regellosigkeit herrscht, sind Regelwerke und Kontrolle angesagt. [Preisgrenzen und Gewinnbeschränkungen bei Kraftstoff- und  Energie-Konzernen; Mietpreisdeckelung, Laufzeiten und prozentualer Erhöhungsautomatismus sind zu überarbeiten (3 % Mieterhöhung alle 5-6 Jahre statt 5% alle 3 Jahre)! Vermögenssteuern sind zur Finanzierung des Gemeinwohl-Haushalts zu erheben und wieder einzuführen. Begleitend dazu die Einführung einer Transaktionssteuer für Börsengeschäfte.

Begleitend dazu ist die Haftbarkeit mit dem eigenen Vermögen im Falle des fahrlässigen Schadens für Land und Bevölkerung durch Funktionsträger in der Politik gesetzlich zu installieren. Die Umsetzung ist durch eine Volksabstimmung zu legitimieren.

„Denn es gibt keine Freiheit, wenn sie nicht vom Staat geschützt wird; und umgekehrt: nur ein Staat, der von freien Bürgern überwacht wird, kann diesen überhaupt ein vernünftiges Ausmaß an Sicherheit gewähren.“ – Karl Popper

Version vom 20.04.2026 – reloaded am 06.05.2026

5. Mai 2026
von JvHS
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Konservatismus-Spielarten oder trügerische Hoffnungen

Zukunft braucht Herkunft formulierte Odo Marquard in seinem Essay „Philosophische Betrachtungen über Modernität und Menschlichkeit“. Wer sich heute alles als konservativ bezeichnet, verlangt dem Gegenüber ab, sich intensiv mit diesem selbst angehängten Etikett zu beschäftigen, um die Wurzeln und Verortungen erstmal sortieren zu können.

Da ist es nicht verwunderlich, dass Abgrenzungen definiert werden müssen, um wesentliche Unterschiede klar benennen zu können. Abgrenzungen schaffen Klarheit, so dass die Sicht auf die Welt zum Indiz kommen kann, dass die Bandbreite von konservativ über reaktionär bis zu rechtsextremistisch reicht!

Das Motto: Zukunft braucht Herkunft   verlangt, die Herkunft des Einzelnen und das Umfeld seines Netzwerkes zu verorten, um zu verstehen, wohin der Weg zukünftig führen wird. Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Die Sozialisation bestimmt Denken und Handeln. Verantwortlich bleibt der Mensch dennoch für seine Taten. Veränderungen sind Bestandteile jedes menschlichen Lebens. Wenn die im Gesellschaftsvertrag festgelegten Vereinbarungen – in der Demokratie als rechtstaatliche Gewaltenteilung in Grundrechte und Menschenrechte verankert – nicht eingehalten werden, weil Egomanen in Machtpositionen sie nicht einhalten und autokratisch bis despotisch Macht missbrauchen, dann wird „konservativ“ zum Rückfall in Rechtsextremismus und Faschismus transformiert.

Im Wortschatz konservativer Herkunft taucht oft der Begriff „Tradition“ auf. Gleichbedeutend mit: „Das haben wir immer schon so gemacht.“ Und wenn es einmal eine Zeit lang anders gemacht wurde, ist das dann auch Tradition zu nennen? Welche ist dann die echte Tradition? Beim politischen Handeln in Deutschland war der Wechsel von der CDU/CSU mit Adenauer-Weltbild hin zur SPD-FDP-Koalition unter Willy Brandt als SPD-Kanzler mit dem Motto: „Mehr Demokratie wagen“ als ein Aufbruch zu einem moderneren Verständnis von mitbestimmender Demokratie zu verstehen.

Nur rund 13 Jahre später – nach dem Bruch der FDP mit der „sozial-liberalen Koalition“ im Jahr 1982 – gelang Helmut Kohl der Sprung an die Spitze des CDU/CSU-FDP-Bündnisses, einer „konservativ-neoliberalen Koalition“, neu ausgerichtet als überwiegende Wirtschaftspartei-Koalition. Kohls Motto der  „geistig-moralischen Wende“ bedeutete, das Regierungshandeln wieder auf die Klientelpolitik der Adenauer-Ära auszurichten. Die Zielverfolgung des „neoliberalen Wirtschaftssystems“ stand im Mittelpunkt: Die Gewerkschaften zu schwächen, die Privatisierungen vieler Bereiche voranzutreiben, [Gemeinwohl, Gesundheit, Medien, Infrastruktur (Post, Bahn, Verkehr) u.a] und den Finanzkapitalismus auf die Schienen zu setzen.

Nur allzu gerne interpretierten die konservativen Kräfte der alten Garden aus dem Adenauer-Kosmos dieses Motto als Rückkehr zu alten Werten, die gestärkt werden sollten. Wie sich nach 16 Jahren Kohl-Regentschaft rückblickend feststellen ließ, war weder „geistig, noch moralisch“ eine Wende – oder wie Kohl später korrigierend formulierte –  von „geistig herausfordernder“ Wende etwas zu vernehmen. Stattdessen funktionierte das Netzwerk der lobbyistischen Einflussnahme der führenden Unternehmen mit der Kohl-Autokratie hervorragend. Belege dafür sind die Flick-Affäre mit der „Pflege der politischen Landschaft (von Brauchitsch als Flick-Manager)“ sowie die Parteispenden-Affäre! Korruptionsaffine Netzwerke scheinen allem Anschein nach bis heute zu existieren, obwohl Kohls Äußerung, die Bundesrepublik sei nicht käuflich, bei den aufgedeckten Affären bis heute eher als hohle Phrase gewertet werden kann.

Nach der Wiedervereinigung durften dann auch die Menschen in den neuen Bundesländern die Erfahrung machen, dass der Wert „konservativ“ oft genug das Gegenteil von „moralisch und menschenfreundlich“ vermittelte. Und zurück zu alten Traditionen auch unmoralisches Denken und Handeln mit ethischem Anklang zur Menschenfeindlichkeit bedeuten kann. Diese Bedeutungsvariante von „konservativ im Sinne von bewahren“ wird pervertiert und lässt dann eher die Wertung „reaktionär“ im Sinne von „zurück zur Ungerechtigkeit und den Privilegien für wenige“ passend erscheinen. Konservatismus als „Restauration“ der alten Ordnung. Diesen Gedanken versuchen auch heute ein Großteil der CDU/CSU-Fraktion und der CDU/CSU geführten Ministerien in der Merz-Kanzlerschaft zu realisieren.

Reaktionär ist deshalb auch die Aussage von Friedrich Merz und XY, wenn der Bevölkerung und den vielen Arbeitssuchenden entgegnet wird, „mehr zu arbeiten“! Da mag eventuell in den – aber das in nur wenigen – Köpfen die Versuche Thomas Mann nach dem Weltkrieg 1914-1918, seine konservative gestützte Kriegshaltung und Begeisterung vor 1914 zu korrigieren, in den Sinn gekommen sein, der einerseits ebenfalls reaktionär den damaligen Arbeitslosen „das Arbeiten“ empfahl, doch zugleich kritisch dem aufkommenden  völkischen Antisemitismus gegenüberstand!

Der selbstkritische Wandel des Thomas Mann vom ehemals rechtskonservativen Denker hin zur Ablehnung des völkischen Rechtsextremismus beschreibt der Autor Herwig Finkeldey in seinem Essay „Wider die Verhunzung des Konservatismus“ im  Internet-Magazin „tell“.

„In konservativer Tradition begreift Thomas Mann Politik weiterhin als Schaumschlägerei. Eine Schaumschlägerei allerdings, die ihn in allen Fasern des Daseins treffen wird – und die auf frappierende Weise an heutige Facebook-Schlachten erinnert.“

 

5. Mai 2026
von JvHS
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Liberaler Konservatismus als Alternative gegen die anachronistische Verortung von: links oder rechts!

Die Zeitschrift TAZ führte ein Interview mit dem promovierten Sozialwissenschaftler und ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter bei der Konrad-Adenauer-Stiftung,  Andreas Püttmann. 

Zur Sprache kam die mittlerweile überholte Standortbeschreibung politischer Verortungen. Statt weiterhin die anachronistische Einstufung von „links“ und „rechts“, sei durchaus sinnvoll, die Zuordnung zu „liberal“ als Verteidigung der Demokratie auf dem Boden des Grundgesetzes einerseits zu benennen und  „autoritär“ als die bevorzugte Methode der Anhänger rechtsextremistischer und rechtskonservativer Provenienz zu bezeichnen.

Zitat:

Püttmann: Links und rechts sind zwar durchaus noch relevante politische Kategorien, aber die heute entscheidende Kluft verläuft zwischen den Verteidigern der liberalen Demokratie und den autoritär Gestimmten unterschiedlicher Provenienz. Wer in der Union nicht kapiert hat, dass der „Hauptgegner“ die rechten Extremisten sind, und stattdessen fast ausschließlich auf demokratischen „Linksgrünen“ herumhackt, der ist aus der Zeit gefallen und läuft geradewegs in die Papen-Falle.

Soweit die Oberschicht da anfällig ist, hat sie meistens keine geisteswissenschaftliche Ausbildung, gehört, wenn überhaupt, eher der technischen Intelligenz an und leitet aus ökonomischem Erfolg politische Kompetenz ab. Das ist aber ein Irrtum, wie uns die Fälle Lucke, Henkel und andere zeigen, die sich superschlau wähnten und dann jammerten, sie hätten „ein richtiges Monster erschaffen“, wie Henkel sagte.

Zitatende

Deutlicher wäre die Grenzziehung zwischen „demokratisch auf dem Boden des rechtstaatlichen Grundgesetzes stehend“ versus „anti- demokratisch“ und  „autoritär-rechtsextremistisch“ zu sehen! Diese Zuordnung geht quer durch die Parteien und die Gesellschaft und präsentiert sich als Verantwortungslosigkeit machtgieriger und/oder rachsüchtiger Provenienz!

5. Mai 2026
von JvHS
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Innenminister Dobrindt verspricht Sicherheit, verkauft aber die Freiheit und unsere Identitätsdaten mit Hilfe der KI

Wir müssen für die Freiheit planen und nicht für die Sicherheit, wenn auch vielleicht aus keinem anderen Grund als dem, daß nur die Freiheit die Sicherheit sichern kann. “ ― Karl Popper –  Die offene Gesellschaft und ihre Feinde.

„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.“ – Benjamin Franklin – Mitverfasser der Unabhängigkeitserklärung der USA und der Verfassung

 

Je mehr Sicherheit uns jemand verspricht, desto mehr Freiheit nimmt er uns auch! 

„Denn es gibt keine Freiheit, wenn sie nicht vom Staat geschützt wird; und umgekehrt: nur ein Staat, der von freien Bürgern überwacht wird, kann diesen überhaupt ein vernünftiges Ausmaß an Sicherheit gewähren“, 

dürfte die Antwort auf das dubiose und geplante anti-demokratisch Gesetz des – mit Verlaub – mehr als fragwürdigen Ministers Dobrindt (CSU) sein! Um dies deutlich und mehrheitlich zu veröffentlichen, kann der Protest gegen den Verrat am Recht und der Hoheit über die eigenen individuellen Identitäts-Daten hilfreich sein!

Widerspruch durch Unterzeichnung der Petition hier. 

Das ist nicht das erste Mal, dass Dobrindt in der Funktion eines Ministers übers Ziel hinausschießt und gegen geltendes Recht (EU-Recht) bewusste verstößt. Als Verkehrsminister unter Angela Merkel (2013-2017) war er verantwortlich für die Maut-Affäre und war mitverantwortlich für den finanziellen Schaden in Höhe von 560 Mill. Euro Strafe, die sein Nachfolger als Verkehrsminister, Andreas Scheuer  (CSU), letztendlich realisierte!

Als Bundesinnenminister ist Alexander Dobrindt auf dem besten Weg Deutschland mit Hilfe der KI in einen „Überwachungsstaat“ umzuwandeln.

Version vom 27. April 2026 – reloaded am 06.05.2026 

5. Mai 2026
von JvHS
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Konservatismus als „Restauration“ der alten rechtsextremistisch-affinen Weltsicht

Konservatismus als „Restauration“ der alten rechtsextremistisch-affinen Weltsicht von hierarchischer  Macht und  Ordnung versuchen eine Reihe von Gruppierungen und Einrichtungen – und das teilweise sehr erfolgreich – wieder zu installieren. Dieses gedankliche Ziel versucht auch heute ein bedeutender Teil der CDU/CSU-Fraktion und der CDU/CSU geführten Ministerien in der Merz-Kanzlerschaft zu realisieren.

Die Bundespolizei, als einstellende Behörde dem Innenministerium unterstellt, hat vom „reaktionärem und restaurativem (fremdenfeindlichen)“  Denken und Handeln allen Aussagen nach ebenso wenig Kenntnisnahme wie das Amt für Verfassungsschutz bei der Sicherheitsüberprüfung. Und selbst das Urteil des Oberlandesgerichtes Köln lässt die Bundesregierung nicht tätig werden!

Ein Einfallstor zur Gefährdung der Demokratie stellen die Besetzungen von Funktionen durch Personen (wie im Fall der Professur für Sicherheitspolitik bei der Bundespolizei.)  mit fragwürdiger Vita und Beziehungen zu anti-demokratischen bis zu verbotenen rechtsextremistischen Vereinigungen und Parteien dar.

Der Recherche einer solchen Vita widmete sich der demokratie-verteidigende Verein Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. mit seiner Plattform FragDenStaat!

Version vom April 2026 – reloaded 05.05.2026