Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

22. Mai 2026
von JvHS
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Aus der wunderbaren Welt von Politik und Wirtschaft zum „Wohle des Volkes“….

Discounter sind bemüht, ihr Image aufzupäppeln. Das betrifft die Qualität der Waren bis zur Dienstleistungsfähigkeit des Personals und nicht zuletzt auch die Präsentation des gesamten Verkaufsraums. Das ist mal mehr oder weniger gelungen und die Unterschiede zu den Mitbewerbern der Supermärkte sind bis auf die Diversifikation – sprich Verzettelung der Supermarkt-Ketten in ein breites Angebot aller möglichen Warengruppen – geschrumpft.

Das Image des „gut und günstig“ wird durch die Konzentration der Discounter auf eine gestraffte Warengruppe, bei der es absolute Minipreise und damit Schnäppchen zu ergattern gibt, noch gesteigert. Wer jedoch genauer hinschaut, erlebt so manchen schwarzen Flecken an diesem Image.

Ein exemplarisches Beispiel sei hier aufgezeigt.

Die „Frischfisch“-Angebote der Discounter wie Kabeljau- und Lachsfilet sind mit folgenden Fakten behaftet: Es gibt eine durchgehende Praxis, die bei den beiden Produkten eine Diskrepanz zur aufgedruckten und verkauften Menge erlaubt. So fehlen rund 15 % (=35-37g) bei 250g und es werden nur ca. 215g Fisch in der Verpackung geliefert. Der Kunde bezahlt aber 250g. 

Eine Nachfrage an den Discounter, der für den Käufer der Vertragspartner in diesem Geschäftsverhältnis ist, ergab von diesem ein Verweis auf den Lieferanten. Der rechtliche Hinweis, dass dieses Verweisen an den Lieferanten, zu dem der Kunde in keinem Vertragsverhältnis stehe, irritierend sei, wurde ignoriert. Selbst der Hinweis auf eine Mängellieferung und die Aufforderung, die Mängel zu beseitigen, wurden nicht zur Kenntnis genommen.

Die Antwort des Herstellers und Lieferanten des Discounters ist ebenso bestätigend wie erhellend, insofern, dass die gesetzlichen Grundlagen ein solches Verhalten im Lebensmittelhandel und in der Produktion nicht nur tolerieren, sondern zum Nachteil des Kunden erst ermöglichen. Der Verbraucher und Käufer hat auch für falsch deklarierte Mengenangaben und Minderlieferung, sprich für die „Schwundmenge“ zu zahlen. Das Mittel dafür sind die FertigPackV und die Lebensmittelinformationsverordnung „LMIV“. Der Kunde wird durch den Gesetzgeber benachteiligt und zahlt für nicht vorhandene Warenmengen. Das ist also unter „zum Wohle des Volkes“ zu verstehen, wenn die Abgeordneten im Bundestag und die Regierung Gesetze zum Vorteil der Wirtschaft und zum Nachteil der Verbraucher erlassen! 

Auszug aus der Antwort des Lieferanten: 

„…Mit der Verordnung über Fertigpackungen (Fertigpackungsverordnung – FertigPackV) und der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) hat der Gesetzgeber genau geregelt, dass Verkaufsverpackungen nur so hergestellt werden dürfen, dass die Füllmenge zum Zeitpunkt der Herstellung den gesetzlichen Forderungen entspricht.“ (*) 


(Anmerkung/Kommentar vom Blogautor: Die gesetzlichen Vorschriften lassen also ein Produkt zu, das so mit Wasser gesättigt ist, das es während des Verkaufszeitraum bis zu 15 % an Gewicht verlieren darf, und es – ohne Hinweis auf der Verpackung für diese Mindermengen – verkauft werden kann. (*) Jedoch sind die Differenzen begrenzt: siehe hier für die negativen Abweichungen bei der  Nennfüllmenge! )

„Aus der FertigPackV: Hersteller ganz bestimmter Produkte, die nicht offen, sondern vorverpackt verkauft werden, dürfen diese nur in bestimmten Gewichts-, Volumen- oder Stückeinheiten (sog. Nennfüllmengen) verpacken und entsprechend gekennzeichnet in den Verkehr bringen. Dabei haben die Hersteller abhängig von der jeweiligen Produktart einen gewissen Spielraum, was Abweichungen von Packungsinhalt und Angabe auf der Verpackung betrifft. Dies bedeutet, dass angegebene und tatsächliche Menge nicht zu Hundertprozent übereinstimmen müssen.“ Ende Anmerkung/Kommentar (Quelle

„Um sicherzustellen, dass diese Anforderungen in der Produktionsstätte erfüllt werden, ist die Verpackungsanlage der Fischfilets so eingestellt, dass diejenigen Schalen, welche kein ausreichendes Gewicht aufweisen, nicht etikettiert und aussortiert werden.
Selbstverständlich verlässt sich die Produktion nicht nur auf die technische Kontrolle, sondern führt regelmäßig manuelle Kontrollwiegungen durch, sodass zum Zeitpunkt der Herstellung sichergestellt ist, dass den gesetzlichen Anforderungen an die Füllmenge Folge geleistet wird.“

„Bei der Prüfung des Wiegeprotokolls der Charge mit dem von Ihnen angegebenen Verbrauchsdatum (06.04.2017) konnten keine Abweichungen festgestellt werden .“ 

(Anmerkung/Kommentar vom Blogautor: Obwohl unten die festgestellte Mindermenge bestätigt wurde, die auch dem Laborergebnis entspräche, hat die Kontrolle keine Abweichung feststellen können.)

„Abschließend möchten wir anmerken, dass im Laufe der Lagerung die Filets jedoch naturbedingt Gewebeflüssigkeit an ihre Umgebung abgeben, dies ist nie zu 100% vermeidbar und von Fisch zu Fisch unterschiedlich. Die Gewebeflüssigkeit wird von dem Saugpad aufgenommen.“ 

(Anmerkung/Kommentar: Das mag ja nicht vermeidbar sein, aber dann sollte die Füllmenge so erhöht werden, dass nach Abgabe der „Gewebeflüssigkeit“ >ist das dann schon ein Verwesungsprozess?< das aufgedruckte Verkaufsgewicht mindestens dem auch bezahlten entspricht!)

„In der Vergangenheit haben wir selbstverständlich von einem unabhängigen akkreditierten Fischfachlabor überprüfen lassen, welche natürlichen Gewebswasserübergänge für den Kabeljau vorkommen können. Die von Ihnen ermittelte Differenz liegt in dem Bereich, den auch das Labor ermittelt hatte.“

(Anmerkung/Kommentar: Das Fischlabor wird jedoch nicht namentlich erwähnt! Ist schon fast wie in der Religion: man kann es glauben oder nicht.
Der Verlust wird also bestätigt, der Unternehmer fühlt sich aber durch die gesetzliche Regelung abgesichert, um auch die Schwundmenge „Gewebewasser“ teuer verkaufen zu können. Der Algorithmus dazu liegt im Merkmal: statistisches Mittel, sprich in der Optimierung, die möglichst größte negative Füllmenge zu generieren, ohne sich strafbar zu machen!
Der Discounter als eigentlicher Vertragspartner, der die Gewährleistung für die verkaufte Ware zu tragen hat, will sich raushalten aus der Mängelrüge. Auch ein klarer Verstoß gegen das Bürgerliche Gesetzbuch. Damit in Verbindung gebracht zu werden, schadet ja dem Image!)

Na, wenn´s denn wieder so ist, dann ist die heile Welt der neoliberalen Weltsicht wieder ins Lot gebracht!
Bei den bevorstehenden Wahlen kann jedoch wieder jeder Kandidat befragt werden, was er gedenkt, diese Ungerechtigkeit zu beseitigen und – im Falle einer solchen für Verbraucher benachteiligenden Gesetzgebung – diese zu berichtigen.

Textversion vom 26. April 2017  – wieder eingestellt!

21. Mai 2026
von JvHS
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Aufklärung – von Kant über Adorno/Horkheimer bis Foucault

Entmythologisierung als Ziel der Aufklärung 

Aufklärung – ein vordergründig eher harmloser Begriff, der uns im Alltag des Öfteren begegnet. Wer Kinder hat, erlebt eine bestimmte Lebenszeit nicht immer stressfrei. In der Schule gehörte die damit verbundene Aufgabe für den Lehrer zu seinen Lehrplanpflichten. Im politischen Leben erfolgt Aufklärung institutionalisiert in Untersuchungsausschüssen und bedeutet für manchen Betroffenen nicht immer humorvolles Aufeinandertreffen. Geschichtlich wird eine ganze Epoche mit dem Begriff gekennzeichnet. 

Philosophen beschäftigten sich mit der Bedeutung der Aufklärung für die Gesellschaft. Da wird niemand an dem Text von Immanuel Kant „Was ist Aufklärung?“ vorbeikommen, der aus: Immanuel Kants Werke. Band IV. Schriften von 1783-1788 stammt und in diesem Blog schon mehr zitiert wurde. Die einleitenden Sätze dürfen an dieser Stelle nochmals zitiert werden: 

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich einer ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“   

Kant ist nicht der einzige Philosoph, der sich mit der Bedeutung der Aufklärung – auch im Sinne seiner Frage nach, welche Erkenntnis über Erkenntnis möglich ist und welche Grenzen die Erkenntnis hat – beschäftigte. Was Adorno und Horkheimer mit ihrem Werk „Dialektik der Aufklärung“ facettenreich erweiterten endet auch mit Michel Foucaults Kommentar zu Kant in „Qu’est-ce que les Lumières?“ nicht. Für Foucault ist Aufklärung die Frage der Vernunft im Rahmen ihrer geschichtlichen Entwicklung. Nach seinem Verständnis ist jede Doktrin ein Widerspruch zum Wesen von Aufklärung, dagegen ist die Haltung, ständige Bereitschaft zu Kritik an der Entwicklung der Gesellschaft zuzulassen, ein essentieller Bestandteil von Aufklärung.

Adorno und Horkheimer haben angesichts der faschistischen Diktaturen in den 1930er Jahren ihre „Dialektik der Aufklärung“ als radikale Kritik entwickelt und den Vernunftbegriff der Aufklärung in den Mittelpunkt ihrer kritischen Begutachtung gestellt. Monopolistischer Kapitalismus und Faschismus sind Herrschaftsformen, denen die Menschen nichts mehr entgegen zu setzen hatten. Ihre Analyse beruht auf der These, dass in der Menschheitsgeschichte die Selbstbehauptung des Subjekts eine „instrumentelle Vernunft“ herausgebildet hat, die sich als Herrschaft über innere und äußere Natur artikuliere. Aufgrund dieses Charakters der Vernunft – wo bleibt da allerdings der kategorische Imperativ Kants als moralisch-ethischer Lösungsweg der Aufklärung? – verliere Aufklärung ihre befreiende Kraft. Selbstbesinnung und Selbstkritik setzen Adorno und Horkheimer gegen die zerstörerische Auflösung der Aufklärung als Korrektiv. 

Die Aktualität der Erkenntnisse von Adorno und Horkheimer sowie von Foucault ist wieder gegeben, wer die verfassungsbrüchige Zielsetzung der „Armseligkeit für Deutschland“ (AfD) in ihrem Programm betrachtet. Wer Religionsfreiheit gegen das in der Verfassung gegebene Recht einschränken will und diese Einschränkung nur auf den Islam bezieht, hat eindeutig rassistisch- faschistische Ziele und Verhaltensweisen. Denn zur Durchsetzung dieser Ziele gehören dann wohl auch die Ausgrenzung, die Ausweisung und die Mythologisierung von undemokratischer Haltung und Gesinnung. Ob Frau von Storch (AfD) auch für die  Umsetzung dieser Ziele den Schießbefehl geben würde, bleibt nicht nur eine rhetorische Frage. Zur Aufklärung gehört auch die Aufmerksamkeit. Sie ist gleichsam die Haltung einer aufgeklärten Gesellschaft und eines aufgeklärten Individuums. Warum Aufmerksamkeit und Skepsis zu den kulturellen Fertigkeiten gehört, die zugleich demokratieerhaltend sind, soll in einem weiteren Text nachfolgend erläutert werden. 

21. Mai 2026
von JvHS
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Ansicht – Einsicht – Umsicht – Durchsicht

Zeichen und Zeichnen – vom Eindruck zum Ausdruck oder die Untrennbarkeit von Zeichen und ästhetischer Erfahrung (In Memoriam Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.)

21. Mai 2026
von JvHS
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Bild und fotografisches Abbild – ist das Kunst oder kann das weg?

„Die Ideen stehen wie Urbilder in voller Wirklichkeit da. Die anderen Dingen gleichen ihnen und sind Abbilder, und die Teilhabe der anderen Dinge an den Ideen besteht in nichts anderem als darin, dass sie ihnen nachgebildet sind.“ (Platon_ Parmenides 132D) 

„Die Zertrümmerung der Aura ist die Signatur einer Wahrnehmung, deren Sinn für alles Gleichartige auf der Welt so gewachsen ist, daß sie es mittels der Reproduktion auch dem Einmaligen abgewinnt.“ (Walter Benjamin) 

Die Seelenlosigkeit der Reproduktion ohne künstlerische Fertigkeiten des Malens und Zeichnens, nur auf die Technologie der Bildbearbeitung zurückgreifend, spiegelt sich in der Nutzung der KI-Apps als neue Form der „Aneignung“ von Natur und Kultur. 

Wahrnehmung erfolgt auf geliehener Basis, wird zur Pseudowahrnehmung und zur Selbsttäuschung. Ästhetik wird degradiert und entwertet als Pausenfüller innerhalb menschlicher Tätigkeiten, oder als Moment des flüchtigen Zeigens im Meer der  Bildübersättigung. 

20. Mai 2026
von JvHS
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Aus dem Kosmos der Scheinheiligen – Hinterhältigkeit als neue Normalität

Der User hat’s gut: Er kann sich seine Internetseiten aussuchen, die ihn nicht gefangen nehmen und propagandistisch vereinnahmen.
Es gibt jedoch Leute, die wollen lieber einen Stehplatz im vollbesetzten Vorraum zur ersten Klasse als einen Sitzplatz in der dritten.
Und wenn nichts mehr hilft, bleibt noch: Die Basis einer gesunden Lebenseinstellung ist ein großer Papierkorb.

Kennen Sie das auch, dass immer wieder mal ein Mensch über mehrere Jahrzehnte den eigenen Lebensweg kreuzt und die Erinnerung an diesen Menschen mit positiven Bildern besetzt war? Dann lesen Sie einen Blogbeitrag dieser Person – sich selbst darstellend als „authentische“ Person linker Provenienz sowie durch und durch freiheitlich denkend – auf einer dubiosen Seite, die nicht selten Beiträge enthält mit islamophobem und rassistischem Zungenschlag, ergänzt vom neoliberalen Weltbild und der Zustimmung zur Privatisierung und dem Abbau des Sozialstaates. 

In einem privaten und persönlichen Brief bringt der Freund seine Besorgnis über die beobachtete Veränderung zur Sprache und hinterfragt die Einschätzung und Motivation für die Weltsichtveränderung. Als Freund durchaus legal und verständlich. Der geschichtliche Hintergrund, auf dem der Disput dann entstand, ist das Jahr 2016 und  die Merkel´sche Aussage: „Wir schaffen das“. Das Angebot zum Dialog und Diskurs ist freundlich und positiv formuliert und signalisiert Offenheit. Der Bezug zu einem Text von Albert Camus („Die Krise des Menschen“, 1946) soll einen Ansatz dazu ermöglichen. Die Inhalte des Bezugstextes lauten: Wir leben permanent in einer Krise. Das Gesprächsangebot mit dem Hinweis auf Camus erfolgte vor 10 Jahren und war, so wie heute – 2026 –  ebenso aktuell, wie es zur direkten Nachkriegszeit bei Albert Camus war. 

Die Symptome dafür sind folgende:
1) Kein Europäer ist heute mehr seiner unmittelbaren Zukunft sicher. Begleitet wird dies von der Tatsache, dass kaum noch ein Mensch beurteilt und honoriert wird, der die Menschenwürde als Kompass für sein Denken und Handeln beachtet. Die einzige Akzeptanz und der einzige Maßstab, positiv beurteilt zu werden, basiert nur noch auf wirtschaftlichen Erfolg und Reichtum – egal wie dieser erreicht wurde!
2) Heute sind zu viele Menschen nicht mehr von der Notwendigkeit der Menschenfreundlichkeit überzeugt. Wenn man miteinander kommuniziert, dann kann man nicht mehr sicher sein, dass die Erwartung zutrifft, tatsächlich auch menschlich eine gleichwertige Gegenreaktion zu erhalten. Die Pervertierung der Wertmaßstäbe schreitet dagegen voran und wird als neue „Normalität“ bejaht. Egomanen haben Dauer-Party-Stimmung.
3) Die Ausweitung der Bürokratie auf allen Ebenen bedeutet, dass die menschliche Wärme sich verflüchtigt hat und dass immer mehr Menschen in die Einsamkeit gestoßen werden.
4) Es geschieht fortlaufend, dass menschenfreundliches Miteinander durch das gesinnungsgleiche Handeln des „Recht des Stärkeren“ ersetzt wird. Es zählt nicht mehr die Vermeidung von Leid, sondern nur noch, ob der egoistischen Weltanschauung zum Sieg verholfen wird.
5) Der moderne Mensch kann sich nicht mehr verständigen, weil die gemeinsamen Wertbegriffe fehlen und weil die Wertschätzung für die Mitmenschen fehlt, die sich auf die Menschenwürde stützen. Übrig bleibt zu oft nur die Wahl: Opfer oder Täter zu sein.

Erwähnt wurde auch im Gesprächsangebot an den abgedrifteten Bekannten, dass Albert Camus als Autor die Lösung aus diesem Dilemma wie folgt sah – und dieser Ansatz ebenso wieder hoch aktuell ist: 

Wir Menschen müssen unsere Welt von der Angst befreien, die überall das Denken beherrscht, welches wiederum den bisher unsichtbaren Terror einführt, nämlich, dass die Inhaber der politischen Macht alles kontrollieren und das Denken überwachen wollen.
Deshalb muss die Politik zurückverwiesen werden auf ihren Platz in die 2. Reihe. Denn Politiker dürfen sich nicht anmaßen, uns mit einer kompletten Weltanschauung zu überziehen oder mit Gesetzen, die das Private reglementieren sollen, vom Liebesleben bis zum Rauchverbot! Regeln sind notwendig, damit das Zusammenleben organisiert werden kann.
Die Freiheit, die es zu gewinnen gilt, ist die Freiheit, Lügen aufzudecken, Verantwortung einzufordern von jenen, die den Staat zur Kontrolle und Überwachung einsetzen, blinden Gehorsam und Patriotismus verlangen und ihre Ideologien verbreiten. Denn diese sind die eigentlichen Feinde des würdevollen Daseins.

Statt einer erhofften Antwort wird der Dialog verweigert, und auf den Bezugstext als Ausgangsebene wird nicht eingegangen.
Stattdessen wird in Texthülsen wie „stümperhafte Laienpredigt“, „unwürdig eines wanderpredigenden Schlangenölverkäufers im Wilden Westen“, „triefend vor besserwisserischem Anspruch auf moralische Überlegenheit“ geantwortet. Dieses Feedback sei
eine einmalige Antwort und damit für den sich verweigernden Angesprochen endgültig erledigt. 

Die Selbsttäuschung ist jedoch bei der Person aktiv, weil jenes „endgültig erledigt“ nicht eingehalten wird. Stattdessen wird die Öffentlichkeit jener dubiosen Plattform genutzt und das private und persönliche Schreiben in Auszügen zitiert. In aller Scheinheiligkeit wird an die  Narrative der Bloggesinnung und der menschenfeindlichen Weltsicht appelliert, welche ihn und die Mitglieder der Plattform durch das Gesprächsangebot „gefährden“ würden. 

Die Bloggesinnung (der AfD) immunisiert sich nicht nur gegen berechtigte Kritik und Diskursangebote, sie assimiliert sie, verschluckt sie unverarbeitet und speit sie – verkehrt in ihr Gegenteil – wieder aus

Im scheinbar warmen Nestchen einer verblendeten Beifallsrunde auf der Blogplattform sitzen der „Verweigerer“ und seine Spätzchen und piepen vor häuslicher Blog-Zufriedenheit, weil er sich als „Platzhirsch“ bewiesen habe. Anti-depressiv medikamentiert sowie vom eigenen Weltbild komatös verblendet, feiern sich die arme Person und seine Follower selbst. Mögen sie sich weiterhin in Selbsttäuschung versenken. Wenn´s denn hilft in ihrer Not und gemeinsamen Unfähigkeit! 

Zwar staunend, aber dennoch temporär irritiert ob dieser Selbst-Täuschungspotentiale, bleibt dem Gesprächsanbieter nur die Erkenntnis: die Anti-Demokraten haben sich wieder aufs hohe Pferd gesetzt und treiben wieder ihr altes Schmutzhandwerk der Vorurteile und Menschenfeindlichkeit, nicht erkennend, dass sie der Propaganda der AfD-Eselei aufgesessen sind.

Manchmal ist der Mensch geneigt nach dem Motto zu verfahren: De mortuis nil nisi bene“ – nicht nur von den Toten „gut“ zu reden, manchmal auch auf die Lebenden anzuwenden, wenn „Hopfen und Malz“ verloren sind.  Die Lebensweisheit rät in solchem Fall, nicht mehr weiter zu insistieren, weil: jedes Wort ist vergebliche Liebesmüh. 

Doch das gilt nur, wenn diese Lebenden nicht die Demokratie gefährden! Dann ist es Pflicht, Verhalten und Denken der Anti-Demokraten kritisch prüfend zu analysieren und darüber aufklärend zu reden. (in Anlehnung an Heinrich Heine)

20. Mai 2026
von JvHS
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Sterben die Bienen, stirbt dann auch der Mensch?

„Fleißige Bestäuber unterwegs…“ – Tim Kochs, Autor des Buches: Herr Bien und seine Feinde (Westend Verlag) beschäftigte sich mit der Symbiose von Mensch und Bienen/Hummeln als Bestäuber der Fürchte und Blumen (hier Saugrüssel einer Hummel im Flug zu sehen!)

Heute am 20. Mai 2026 ist „Weltbienentag“- Anlass für den Verweis auf Tim Koch und sein Buch, das beim Westend Verlag noch als E-Book erhältlich ist. (Anmerkung: Ich, der Autor dieses Textes stehe in keiner Beziehung zum Verlag!)

Tim Koch kommentiert in seinem Blog die weiter schleichende Verschlechterung der Existenzbedingungen der so wichtigen Lebewesen aus die Insektenwelt für die Menschen. Zur Produktinformation seines Buches formulierte der Verlag (Erscheinungsstart: 01.03.2018) vor acht Jahren:

Seit über 100 Millionen Jahren prägt der Bien – also das Bienenvolk mit seinem Stock – das Leben auf unserer Erde, weil er einer riesigen Pflanzengruppe als Bestäuber dient. Ohne Biene keine Äpfel – wenn es nach dem Willen der Agrochemie-Konzerne geht, soll dies jedoch anders werden. Ihnen schwebt eine Zukunft der Roboterbienen vor. Bestäubt wird nur noch, was Kasse bringt. Willkommen in einem der folgenschwersten Auswüchse des menschengemachten Ökozids. Timm Koch führt uns in seinem Buch in die wundersame Welt der Bienen und zeigt: Noch funktioniert die Mensch-Bien-Symbiose, noch stemmt sich die Herrschaft des Biens gegen die vollkommen ungezügelte Vergiftung unserer Landschaften durch Bayer, Monsanto und Co. Aber wir sind in einer kritischen Phase angelangt.“ 

In seinem Kommentar knüpft Tim Koch an diese Aussage wieder an und aktualisiert seine Sicht auf die Natur zum Weltbienentag wie folgt am 17.05.2026: Sterben die Bienen, sterben die Menschen!

Zitat “ Ich schließe mich denen an, die Jean-Jacques Rousseaus Wahlspruch »Zurück zur Natur!« ernstnehmen. Ich möchte ihn sogar ein wenig weiterdenken. …Viele betrachten nun die Natur als ein Ding, das der Mensch »schützen« sollte. Ganz im Sinne des Bürokratismus wurde hierfür in Deutschland das Amt für Naturschutz geschaffen.

Warum aber geht es der Natur trotzdem immer schlechter? Warum sterben die Arten aus? Warum verschwinden die Regenwälder? Warum sind die Ozeane voller Plastik, die Äcker voller Gift? Die Antwort ist simpel: Der Mensch will nicht begreifen, dass Naturschutz Selbstschutz bedeutet. … Wer die Natur zerstört, zerstört damit am Ende sich selbst.

Wer die Natur schützt, betreibt Selbstschutz. Trotz aller zivilisatorischen Errungenschaften bleibt der Mensch ein Teil der Natur. Egal, ob er in den Hochhausschluchten Tokios oder im schrumpfenden Amazonas-Regenwald lebt: Der Mensch ist Natur! …

Was essen wir? …Also essen wir vor allem die Vertreter der Tier- und Pflanzenarten, mit denen wir in Symbiose leben, beziehungsweise deren Produkte. Einer der Höhepunkte in der Geschichte der Zivilisierung des Säugetiers Mensch war sicherlich der Zeitpunkt, als er sich auf eine Symbiose mit dem Bien einließ.  … Nun wird diese Symbiose vom Menschen in Frage gestellt. Gigantische Chemiekonzerne bestimmen, was in der Landwirtschaft geschieht. “ (Quelle: Tim Koch

Sterben die Bienen, stirbt dann auch der Mensch? Dieser These steht Tim Koch nahe. Durch die globalisierte Ökonomie verändern sich auch Bedingungen des symbiotischen Zusammenlebens.  Die Gefährdung der Bienen (Imker und Wildbienen) und weiterer Bestäuber (Hummeln) erfolgt  auf vielfältige Weise: Varroamilbe  bedingt Erkrankungen und breitet sich ebenso aus, wie Bienenvölker aus Afrika (aggressiver als europäische Bienen) oder die asiatische Hornisse, die als invasive Art den Imkerbienen zu schaffen macht.

Pestizide schwächen und töten die Bestäuber, ebenso wie Spinnen, die als ganz normale und natürliche Gefährdung der Bienen und Hummeln vorhanden sind.

19. Mai 2026
von JvHS
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Achtsamkeit – auf der Durchreise?

Hört! Hört!

Die Obrigkeit, sie hört uns nicht,
nicht die Lauten, nicht die Leisen,
nicht die Dummen, nicht die Weisen…
Sie hört nur
ihre Resonanz,
hoffend auf
unsere Hörigkeit
und subalterne Toleranz.

aus: H.-Jochen Jung Auf der Durchreise“ – Gedichte

18. Mai 2026
von JvHS
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Alltagsschnipsel – von Mythen der Freiheit, kulturellen Unterschieden und globalen Einflüssen zur Einebnung

„Freiheit ist sowohl Befreiung von etwas, sowie eine Freiheit zu etwas, wenn dabei das Recht auf Freiheit der Mitmenschen mitgedacht wird!“ – JWB

Von der Freiheit und den Lebensumständen in der Ruhrgebiets-Idylle

Enkel: Oma, ich will Schriftsteller werden! Oma: Ich erzähle dir mal was. Pass auf, vergiss nie, dir die Zähne zu putzen! Weiß du, wie man Kartoffeln und Möhren schält?! Schriftsteller: Klar weiß ich, wie die zu schälen sind. Ich weiß allerdings bis heute nicht, was sie mir damit sagen wollte!

Ermahnung  von Oma: Zähne putzen, nur nach der Kai-Methode! Erst die Kauflächen, dann die Außenflächen,  zuletzt die Innenflächen.  Enkel: Oma, was passiert denn, wenn ich das nicht mache? Oma: Hör zu, wenn du von Gelsenkirchen nach Dortmund fährst, was ist da? Enkel: Wat is` denn da? Oma: Essen, da findest und siehst du Essen!

Pause: Tu mir mal ´nen Kaffee!

Überall in Deutschland

Das Auto und die Bedeutung für die Nachkriegsgeneration von 1945-1959 und die Boomer: Es stand für das unterschiedliche Verständnis von Freiheit: für wenige Erwachsene mit Vorkriegssozialisation stand das Auto als Prestigegewinn, für mutigere Jugendliche der Nachkriegsgeneration als: weg aus der Dorf-Idylle und die würdelosen „Kämpfe“ zwischen Unter- und Oberdorf, um diese nicht mehr erleben zu müssen! Vorurteile – ausgetragen aufgrund des zufälligen Standortes der Wohnung – zwischen Armut aufgrund der Zugehörigkeit zum Proletariat einerseits und andererseits der Selbsttäuschung der katholischen Armen, was Besseres sein zu wollen. Realisierte Ergebnisse der elterlichen Mahnungen: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!“

Vor der Altersgrenze zur Führerscheinprüfung kam das Freiheitsgefühl zur Geltung mit dem Besitz eines Kreidler  K 50-Mopeds, natürlich aufgemotzt. Und wenn dafür kein Geld in der Familie zur Verfügung stand, weil das bisschen Geld – was der Teenager beim Rüben-Einzeln auf den Feldern der Bauern im Dorf  oder beim Austragen der Kirchen-Zeitung verdiente – den Weg ins Haushaltsgeldkästchen der Mutter fand, der war dennoch König, weil die Bus- und Straßenbahn-Jahreskarte für Vaters Mitarbeiter-Stellung bei den Kreisverkehrsbetrieben auch für die Familienmitglieder ausgestellt wurde. Mit Passbild, versteht sich und gültig auf allen Linien im Kreisgebiet und darüber hinaus!

Das Auto aber war die Krönung für die Freiheit als Student, sich aus der dörflichen und kleinstädtischen Not- und Zwangsgemeinschaft zu verabschieden. Die Gene fanden ebenso eine größere Ausbreitungsfläche, weit über die Dorf-, Stadt- und Kreisgrenzen hinaus! Und den Blick über den Tellerrand hinaus hat dieser ermöglichte Freiheitsdrang auch gefördert!

Zur gänzlichen Freiheit gelangte ein solches – wie alt auch immer – Gefährt, wenn es oft zum Wohn-, Schlaf- und Erlebnisraum mutierte. Egal, ob als „Käfer“ aus der Volkswagen-Familie oder als „Ente“ aus dem neu verbündeten Frankreich stammend.

Noch bezeichnender, was das deutsche Mittel zum Zweck der Freiheit – mit der Bezeichnung „des Deutschen liebstes Kind“ – betrifft, ist allerdings die Wertung aus der Sicht der indischen Kultur: Es sei typisch für Deutsche, wenn sie in die Rentnerjahre gekommen seien, dass beim Blick auf und beim Gespräch über den Mythos „Auto gleich Freiheit“ noch immer versonnen gesprochen werde und oft an erster Stelle stehe, formulierte ein bekannter Wissenschaftsmoderator mit indischem Migrationshintergrund in einer Talkrunde. In Indien würden dagegen die Gespräche der Rentnergeneration über Probleme mit „dem Magen und Darm“ der Hauptgesprächsgegenstand sein! Kulturelle Unterschiede, weil das Sein das Bewusstsein bestimmt.

Dennoch scheint die globale Gleichmacherei und Einebnung der kulturellen Unterschiede voranzuschreiten. Vor allem im Zeitalter der Pedelecs, die bei fortscheitendem Alter zum neuesten „Lieblingskind“ der Deutschen geworden zu sein scheinen. So finden denn auch die Themen „Magen-Darm, Prostata, Zahnersatz, Übergewicht und Verstopfung“  vermehrten Eingang in die Gesprächsrunden bei den Deutschen.  Üblicher Alltag eben! Solange dieser in Frieden erfolgt, muss sich niemand darüber ereifern! Denn die Zeiten des „auf sie mit Idyll“ sind längst vorbei!

Allerdings lassen sich Missverständnisse nur selten vermeiden, weil die Suche nach dem „Sinn des Lebens“ den Interpretationen ausgeliefert ist. Die Bandbreite der Umsetzung reicht von Egomanentum, Despotismus und Unterdrückung bis zur Demokratie und  der Erkenntnis, dass „Freiheit – ohne die Freiheit der anderen mitzudenken  – nicht möglich ist!

„Zum Glück brauchst du Freiheit, zur Freiheit brauchst du Mut. – Perikles“

Version vom  23.08.2025 – wieder eingestellt.

18. Mai 2026
von JvHS
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Natur Gestaltung – Wasser

Nur die Natur ist redlich! Sie allein
Liegt an dem ewgen Ankergrunde fest,
Wenn alles andre auf den sturmbewegten Wellen
Des Lebens unstet treibt. 

Friedrich Schiller

Jene Hand, die gern und milde
Sich bewegte, wohlzutun,
Das gegliederte Gebilde,
Alles ist ein andres nun.
Und was sich an jener Stelle
Nun mit deinem Namen nennt,
Kam herbei wie eine Welle,
Und so eilt’s zum Element.

Johann Wolfgang von Goethe