Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

17. Mai 2026
von JvHS
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Heimat V – vom 19. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert

Im Raum Aachen lebend und somit auch  „Kind des Rheinlands“,  erlebte meine Großmutter noch den Einfluss von Napoleon auf die Verwaltungs-Neuordnung im Rheinland und dem Rheinbund. Ein Einfluss der ebenso wirksam für die Sprache war. So gehörten zum alltäglichen Sprachgebrauch meiner Großmutter französische Vokabeln wie Parapluie, Plafond de chambre, Trottoir, Le plaisir oder Fourneau. Dass der Widerstand gegen Napoleons Herrschaft sich sprachlich auch widerspiegelte, lässt sich an folgender  Erzählung über den Besuch Napoleons in Aachen nachvollziehen:

Die Bevölkerung Aachens wurde von den Stadträten sprachlich vorbereitet, in dem sie beim Vorbeiritt Napoleons „Vive l’empereur“ rufen sollten. Der Aachener Slang/das Plattdeutsch für die Straßenbeleuchtung klang ähnlich. So riefen die Aachener Bürger lauthals „Fies Lamperöhr“ (hässliche Lampenbirne)! 

Aporismen zum Thema Geschichte 

„Die Geschichte eines Hauses ist die Geschichte seiner Bewohner, die Geschichte seiner Bewohner ist die Geschichte der Zeit, in welcher sie lebten und leben, die Geschichte der Zeiten ist die Geschichte der Menschheit.“ – Wilhelm Raabe (1831 – 1910)

„Der Mensch hat einen Sinn für das, was recht ist, und einen Sinn für das, was unrecht ist. Die Geschichte lehrt uns, daß er den ersteren gebraucht, um dem rechten aus dem Wege zu gehen, und den letzteren, um aus dem Unrechten Nutzen zu ziehen.“ – Mark Twain

„Wer die Enge seiner Heimat ermessen will, reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.“ – Kurt Tucholsky

 „Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ ( Ernst Bloch – Prinzip Hoffnung) 

„Heimat, das ist der verlässliche Lebenspartner, und das ist die Sicherheit und Geborgenheit der Wohnung. Heimat, das ist Zufriedenheit mit der selbst geschaffenen, problemgelösten und freien Lebensgestaltung im respektvollen Umgang mit den Mitmenschen. Heimat, das ist Existenzsicherung ohne Entfremdung und Ausbeutung durch selbständige oder angestellte Arbeit in der Demokratie. Heimat, das ist Freude an der Kooperation mit Familie, Freunde und Kollegen zur Gestaltung friedlicher Lebensumstände in globaler Freiheit. Heimat, das ist die lebendige  Sprachvielfalt der Dialekte einer Region in den Alltag einbinden zu können. “ 

Zukunft braucht Herkunft – Philosophische Betrachtungen über Modernität und Menschlichkeit (Odo Marquard):

„Je schneller die Modernisierungen werden, desto unausweichlicher nötig und wichtig werden die langsamen Menschen. Denn die neue Welt kann nicht sein ohne die alten Fertigkeiten (des Humanismus und der Menschenrechte d.V.). Menschlichkeit ohne Modernität ist lahm (und ohne Einfluss d.V.); Modernität ohne Menschlichkeit ist kalt. Modernität baucht Menschlichkeit, denn Zukunft braucht Herkunft.“ – Odo Marquard

Dazu hat Adorno mit seinem Werk „Minima Moralia“ eine Alternative ermöglicht. Ergänzt durch Paul Sailer-Wlasits` Streitschrift „Minimale Moral“, um das „beredte Schweigen in der Gesellschaft“ zu überwinden. Für eine reale Demokratie und eine Arbeit, die ohne Entäußerung und Entfremdung (Bloch) möglich ist, dafür muss jeder sich engagieren und jeder Einzelne hat dafür auch die Verantwortung.

Der Rest ist Schweigen (Artem Zolotarov)

 Ergebenheit in milden Zügen
Verloren-Sein im Lebenstraum
Die Tage streifen grell vorüber
Die Klänge flüstern scharfe Klingen.

Vergebung, Nachsicht, Offenheit
Rastlose Wärme – augenscheinlich
Das Warten wundet freundlich kühl
Der Schmerz wird wertvoll mit der Zeit.

So faszinierend diese Welt ist
Sie scheint so uferlos entgleist
Unsäglich fern in Beinahworten
Und doch so nah, wenn sie nur schweigt

17. Mai 2026
von JvHS
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Heimat IV – real/irreal

Bilder aus einer Zeit, in der die Langsamkeit noch nicht entdeckt werden musste, sie realer Bestandteil war, das Leben sofort spürbar, weil Grundbedürfnisse der Natur abgerungen wurden; heute aus der sicheren Wärme des Wohlbehagens gerne Fantasien der “guten alten Zeit” hervorrufen bis hin zum Mythos: Früher war immer besser?  

„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ ( Ernst Bloch – Prinzip Hoffnung)

17. Mai 2026
von JvHS
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Heimat III: Annettes Spuren – Burg Hülshoff und das Rüschhaus

Weiher –  (Burg Hülshoff)

Der Weiher (Annette von Droste Hülshoff)

Er liegt so still im Morgenlicht,
So friedlich, wie ein fromm Gewissen;
Wenn Weste seinen Spiegel küssen,
Des Ufers Blume fühlt es nicht;
Libellen zittern über ihn,
Blaugoldne Stäbchen und Karmin,
Und auf des Sonnenbildes Glanz
Die Wasserspinne führt den Tanz;
Schwertlilienkranz am Ufer steht
Und horcht des Schilfes Schlummerliede;
Ein lindes Säuseln kommt und geht,
Als flüstre’s: Friede! Friede! Friede! –

Das Rüschhaus 

Rüschhaus mit Gartenanlage und Rundweg

Rüschhaus – Gartenseite

 

17. Mai 2026
von JvHS
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Heimat II

Heimat – wer sich damit beschäftigt, wird Erinnerungen auslösen, die wiederum die Gefühlsglocke in uns anstimmen. Heimat – ein Begriff, der zwar auch aber oft für mehr steht als nur ein Ort, Rückzugsgebiet und Sicherheitshort zu sein. Heimat steht für ein Grundbedürfnis nach Geborgenheit und ist gleichzeitig die Geschichte eines jeden Menschen. “Homeland” und “roots” sind zwar Bestandteile, aber längst kein Synonym für dieses urdeutsche Wort.

Edgar Reitz, Regisseur, hat in der Film-Trilogie “Heimat- Eine deutsche Chronik” – eine Annäherung versucht. Das 20. Jahrhundert und die Menschen des Hunsrück in mehr als 3300 Filmminuten. Heimat als filmisches Geschichtsbuch mit den Zeitabschnitten, die bis heutezu ihre Auswirkungen auf das Denken, das Fühlen und das Handeln der Menschen in Deutschland haben. Verstrickungen und Schuld, Ausbruch und Loslösung, Tradition und Moderne, Widerspruch und Vereinnahmung und die jeweiligen Utopien und Realitäten der 20er , 30-40er, der 50, 60 und 70er Jahre in Westdeutschland,  Dorfleben und Stadtleben bis hin zum “Aufbruch nach Wild-Ost”, ausgelöst durch den Herbst 1989 und fortgesetzt mit  dem folgenden Jahrzehnt.

Ein opulentes bildnerisches Angebot an “Ja, so war es; kenne ich auch so…” Solange Heimat vorhanden ist, wird sie nicht vermisst, ja nicht einmal hinterfragt. Erst durch den Verlust aufgrund von Emigration, erst aus der Ferne wird daraus eine Krankheit: Heimweh. Wie Theodor Fontane schrieb: “Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen”. Vor allem fehlt dann die Sprache, der Dialekt, die sprachliche Sicherheit. Wer versteht schon Witze in fremder Sprache? Erst wer in der Sprache träumt, ist zuhause. Denn die Heimat der Sprache ist die Muttersprache. 

Ist Heimat Existenz oder Essenz (Kierkegaard), Wille der Vorstellung (Nietzsche) oder einfach nur Begierde (Schopenhauer)? Vielleicht hilft dem jetzigen Menschen eher das Verständnis von “Heimat” als “ein kümmern um uns selber zu sein” (Jaspers), sozusagen die Fähigkeit zur Achtsamkeit für das eigene Leben wie das der Mitmenschen.” 

 

Heimat ist die Fähigkeit, jeden Augenblick wahrzunehmen und für sich wertschätzend zu gestalten. Zum Beispiel einen Sommerabend an einem Tisch draußen zu verbringen unter der Wieder- Entdeckung der Langsamkeit. 

 

17. Mai 2026
von JvHS
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Transformation ertragen und Kipp-Punkte beim Weltklima durch grüne Dächer und klimaneutralen Strom bewirken?

Leben auf kleinstem Raum und Klimawende

Im Beitrag der FAZ online vom  09. Dezember 2025 wird auf das Prinzip Hoffnung durch positive Grundstimmung und den weltweit noch zahlenmäßig viel zu wenigen erfolgreichen Transformationsprojekten gesetzt. Mag sein, dass die Haltung, ein bis zur Hälfte gefülltes Glas mit Wasser eine positivere Grundstimmung erzeugt, wenn diese halbe Füllung als voll, statt als leer betrachtet wird. Aber in FAZ-Beitrag fehlt die Beschreibung des faktischen Zustandes. Da scheint die Debatte noch zu führen notwendig sein, ob die Transformation in der Klimawende durch positives Denken alleine gelingen kann!

Stimmen die persönlichen Freiheiten – gestützt durch ein gesichertes Einkommen, durch Selbstbestimmung und wenig eingeschränkt durch Verpflichtungen – dann mag auf dieser individuellen Grundlage eine Glücksrealisierung gelingen, aufgrund des nachhaltigen Umgangs mit der Natur und aufgrund der Bereitschaft des Lebens in natürlicher Umgebung gestaltend wirksam zu werden, so dass dadurch eine individuelle und persönliche Kreislaufwirtschaft realisiert werden kann.

Dazu gehört auch, die eigene Kreativität in Gang zu setzen und durch Sammeln von entsorgten oder angeschwemmten Materialien Kunstwerke – von Collagen bis zu Skulpturen – zu erschaffen. Eine Kultur, die auf der individuellen und persönlichen Ebene Transformation im Sinne des Klimaschutzes ermöglicht.

Doch die Frage bleibt, ob dieser Weg nicht nur eine Insellösung ist, in der zwar Willkür und  die „Ungeheuerlichkeiten der Politik“  seitens der Autokraten und Tyrannen á la Trump, Putin, Erdogan und Konsorten ferngehalten werden und nicht lähmend und deprimierend auf den so agierenden Menschen wirksam werden kann? Aber reicht diese persönliche Abwesenheit des direkten Erlebens von Unheil, um ohne schlechtes Gewissen „Genuss und irdische Freuden“ genießen zu können?

Um zu differenzieren und auch Toleranz zu praktizieren, lautet die Antwort auf diese Fragen mit einem grundsätzlichen „Ja, weil das Gestalten des eigenen Lebens im beschriebenen Umfeld dann sowohl legitim wie auch legal ist, wenn die Umsetzung nicht auf Kosten der Mitmenschen erfolgt!“

Es ist darüber hinaus ein Weg, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Dieselbe wieder positiver zu denken, stärkt die so notwendige geistige und seelische Kraft, um die Zeit der Einschränkungen von Freiheit, Menschenfreundlichkeit und friedlicher Kooperation durch Tyrannen und Egomanen überstehen zu können!

Dennoch gehört auch der Widerstand in Form von Kritik, Transparenz, Proteste und Nutzung von Gerichtsbarkeiten, die Urteile erlassen gegen das Verhalten von Regierungen und Konzerne, die demokratische Strukturen abbauen, Angriffskriege führen, finanzielle Macht nutzen, um das System von Börse, Gewinnmaximierung und Machtkonzentration zu stoppen und die Akteure dieser menschenfeindlichen Welt zur Verantwortung zu ziehen.

Jeder weitere Zuwachs des Rechtsextremismus als Aktionsbühne für das Agieren des neoliberalen Finanzkapitalismus ist deshalb mit allem Engagement der freien und offenen Gesellschaftsteile zu verhindern! Die Verantwortung für das Gelingen der Verteidigung der Freiheit kann keinem Menschen abgenommen werden!

Denn nach Karl Popper kann es nur unter einer Bedingung Freiheit geben:

“Denn es gibt keine Freiheit, wenn sie nicht vom Staat geschützt wird; und umgekehrt: nur ein Staat, der von freien Bürgern überwacht wird, kann diesen überhaupt ein vernünftiges Ausmaß an Sicherheit gewähren.” – Karl Raimund Popper

Nur ist die Menschheit auf dem besten Weg, dass selbst die Staaten in der Hand von wenigen Konzernen sind, welche durch das „System der Datenkontrolle durch Clouds als Datensammelspeicher“ und des Besitzes der KI-Technologie und Algorithmen und der Serverfarmen sind,  so dass sie die unter ihrer Kontrolle befindlichen Online-Ressourcen wie Feudalherren ausbeuten können und den Mehrwert vereinnahmen, ohne in einen einzigen Produktionsvorgang investieren zu müssen oder Steuerzahlungen durchgesetzt werden.

Trump spielt mit seiner Entourage bei dieser Restauration eines neuen Feudalismus mit und versteht sich als „Sonnenkönig“ im MAGA-Land!

In Abwandlung von Poppers Freiheitsbedingung ist noch die neue Formel der Freiheitsbewahrung im Zeitalter der Clouds zu formulieren. Wen müssen die Bürger mit Hilfe ihrer Staaten kontrollieren und einhegen? Das sind wohl die Datensammler mit ihren Clouds und KI-Technologien!

Version vom 09. Dezember 2025 – neu eingestellt nach Serverumzug

 

 

17. Mai 2026
von JvHS
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Trauerverarbeitung

Der Tod eines Freundes oder eines Familienmitglieds erinnert uns an die Endlichkeit des eigenen Lebens. Das ist uns hinreichend bekannt. Im Abstand zu dem, was uns der Tod in direkter Nähe (ob Familienmitglied oder Freund) emotional abverlangt, ist die Betrachtung aus dem Blickwinkel der Vernunft und des Handelns anderer Menschen. 

Um die emotionale Betroffenheit zu verarbeiten, dient die Trauer, die Menschen empfinden und vor allem zulassen dürfen.

Die Unfähigkeit zu trauern ( ) ist leider oft verbreitet, weil das Thema tabuisiert ist. Das führt gleichzeitig nicht selten zu psychischen Belastungen, die nicht nur den Einzelnen verändert, sondern ganze Gesellschaften. Das galt für Deutschland und viele Deutsche hinsichtlich der Schuld am WW 2  und des Holocaust. Die Verdrängung der Mittäterschaft und die sogenannte „Entnazifizierung“ waren eine unselige Entwicklung, die wahrscheinlich im privaten Bereich zu Traumata einerseits führten, und andererseits bis heute wirken und eine mögliche  Ursache sind für die hohen  Zustimmungszahlen zur AfD und den Zielen, die Demokratie abschaffen zu wollen. 

Den Themenbereich der Endlichkeit des eigenen Lebens und den Umgang mit dem natürlichen Tod (nicht den durch Kriege und Verbrechen) Vernunft orientiert zu verarbeiten, bedeutet, sich der Frage nach dem „Sinn des Lebens“ zu stellen. Als Lebewesen haben die Menschen die Freiheit der Entscheidung, welches Leben sie führen wollen und auf welcher Grundlage sie sich ihren Sinn des Lebens geben. Es bleibt aber immer, dass jeder einzelne Mensch auch dafür Verantwortung trägt, soweit die Bedingungen des „Seins“ den Rahmen dafür geben.  

Das haben Menschen schon immer gemacht. Daraus sind wohl auch Religionen entstanden. Es fängt mit dem Gilgamesch-Epos an, auf das die Bibel mit Alten und Neuen Testament als auch der Koran beruhen.

Philosophie-Entwürfe sind eine alternative Form, die Sinnfrage zu beantworten. Einige Philosophen sollen hier kurz angeführt werden, weil sie einen Ansatz für die eigene Beschäftigung mit dem Sinn des Lebens sein können. 

Platon hat als Antwort darauf formuliert, dass des Sinn des Lebens darin bestehe, „Wahrheit“ erkennen zu können. Letztlich meint er damit, Erkenntnisfähigkeit zu entwickeln, um das, was wir mit den Sinnen aufnehmen, zu hinterfragen, zu prüfen und für die beste Formen des Zusammenlebens in der Gesellschaft zu wählen. (Das ist als Prinzip sinnvoll bis heute; seine konkreten Entscheidungen aber sind vom Erkenntnisstand damals zu betrachten.) Das Höhlengleichnis (durch sein Alter Ego
Sokrates erzählt) belegt, warum das Hinterfragen und das Erkennen können eine der wichtigsten Fähigkeiten des Menschen sind. 

Höhlengleichnis Platons / frei nutzbar

Aristoteles stellt als Sinn des Lebens das „Glück“ in das Zentrum seiner Philosophie. Glück empfinden aufgrund der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Gestaltung der Lebenskonzepte.
Die Kategorien seiner Erkenntnisfähigkeiten und Wissenschaft sind gleichzeitig auch die bis heute angewandten Philosophieschwerpunkte: praktische Philosophie (die Politik, Rhetorik und Ethik umfassen), sowie die theoretische Philosophie (Logik, Mathematik, Naturwissenschaften, Erkenntnistheorie). Grundlegende Ethiken, die bis heute gelten, dazu gehört auch die Nikomachische Ethik!

Kant dagegen entwickelt mit seinen Kategorien eine Philosophie der „Pflicht“. Seine wichtigsten Werke sind dagegen: Kritik der reinen Vernunft; Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft. Sein kategorischer Imperativ gibt den Kern seines Verständnisses wider, was der Sinn des Lebens sein soll. Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“ 

Hans Jonas legte den Schwerpunkt seiner Philosophie (Das Prinzip Verantwortung ) auf die Übernahme der Verantwortung für das eigene Handeln. Jonas erweiterte Kants kategorischen Imperativ mit dem Einbezug der Ökonomie/Wirtschaft und einer Ethik, die sich aus den neuen Herausforderungen für die menschliche Zivilisation und den modernen Technologien ergab:

„Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ – Das Prinzip Verantwortung 

Der Dalai Lama und sein Freund Erzbischof (anglikanische Kirche) Desmond Tutu sind praktische Vorbilder für die Menschen, weil sie ihre Erkenntnisse was der Sinn des Leben sein kann, gemeinsam in einem Buch (Das Buch der Freude, Heyne Verlag) vorgestellt haben. Sie sehen den Sinn des Lebens in der Freude am Leben, egal wie schwierig die Umstände sind. Es ist ein lesenswertes Buch, wie ich meine. Sie, die beiden Friedensnobelpreisträger, benennen dabei einen Weg für die Umsetzung:

 1. Hindernisse auf dem Weg zur Freude 
1.1 Ängste und Stress
1.2 Wut und Ärger
1.3 Traurigkeit und Kummer
1.4 Verzweiflung
1.5 Einsamkeit
1.6 Neid
1.7 Leid
1.8 Krankheit + Todesfurcht 

2. Acht Säulen der Freude
2.1 Blickwinkel und Sichtweisen auf die Einflüsse durch die Welt
2.2 Bescheidenheit und Demut
2.3 Humor – Lachen und miteinander Scherzen
2.4 Akzeptanz: Die einzige Form, mit der Veränderung beginnen kann
2.5 Vergebung: Sich von der Vergangenheit befreien (durchaus auch mit professioneller
Hilfe)
2.6 Dankbarkeit: Ich habe ein Leben, das ist Glück, das ich selber füllen kann
2.7 Mitgefühl: Empathie und soziales Engagement
2.8 Großzügigkeit: eine praktische Umsetzung von Freude 

3. Es ist die innere Freude, die dem Dasein Sinn verleiht und dabei ein Weg ist, Frieden in die
unsichere Welt zu bringen.

16. Mai 2026
von JvHS
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Ueber die Frage: was heißt aufklären? – Moses Mendelssohn

Ueber die Frage: was heißt aufklären? (Ein Text der Uni-Bielefeld als Gegenstand für den Diskurs)

Die Worte Aufklärung, Kultur, Bildung sind in unsrer Sprache noch neue Ankömmlinge. Sie gehören vor der Hand bloß zur Büchersprache. Der gemeine Haufe verstehet sie kaum. Sollte dieses ein Beweis sein, daß auch die Sache bei uns noch neu sei? Ich glaube nicht. Man sagt von einem gewissen Volke, daß es kein bestimmtes Wort für Tugend, keines für Aberglauben habe; ob man ihm gleich ein nicht geringes Maaß von beiden mit Recht zuschreiben darf.

Indessen hat der Sprachgebrauch, der zwischen diesen gleichbedeutenden Wörtern einen Unterschied angeben zu wollen scheint, noch nicht Zeit gehabt, die Grenzen derselben festzusetzen. Bildung, Kultur [194] und Aufklärung sind Modifikationen des geselligen Lebens; Wirkungen des Fleißes und der Bemühungen der Menschen ihren geselligen Zustand zu verbessern.

Je mehr der gesellige Zustand eines Volks durch Kunst und Fleiß mit der Bestimmung des Menschen in Harmonie gebracht worden; desto mehr Bildung hat dieses Volk.

Bildung zerfällt in Kultur und Aufklärung. Jene scheint mehr auf das Praktische zu gehen: auf Güte Feinheit und Schönheit in Handwerken Künsten und Geselligkeitssitten (objektive); auf Fertigkeit, Fleiß und Geschiklichkeit in jenen, Neigungen Triebe und Gewohnheit in diesen (subjektive). Je mehr diese bei einem Volke der Bestimmung des Menschen entsprechen, desto mehr Kultur wird demselben beigelegt; so wie einem Grundstükke desto mehr Kultur und Anbau zugeschrieben wird, je mehr es durch den Fleiß der Menschen in den Stand gesetzt worden, dem Menschen nützliche Dinge hervorzubringen. – Aufklärung hingegen scheinet sich mehr auf das Theoretische zu beziehen. Auf vernünftige Erkenntniß (objekt.) und Fertigkeit (subj.) zum vernünftigen Nachdenken, über Dinge des menschlichen Lebens, nach Maaßgebung ihrer Wichtigkeit und ihres Einflusses in die Bestimmung des Menschen.

Ich setze allezeit die Bestimmung des Menschen als Maaß und Ziel aller unserer Bestrebungen und [195] Bemühungen, als einen Punkt, worauf wir unsere Augen richten müssen, wenn wir uns nicht verlieren wollen.

Eine Sprache erlanget Aufklärung durch die Wissenschaften, und erlanget Kultur durch gesellschaftlichen Umgang, Poesie und Beredsamkeit. Durch jene wird sie geschikter zu theoretischem, durch diese zu praktischem Gebrauche. Beides zusammen giebt einer Sprache die Bildung.

Kultur im äußerlichen heißt Politur. Heil der Nation, deren Politur Wirkung der Kultur und Aufklärung ist; deren äußerliche Glanz und Geschliffenheit innerliche, gediegene Aechtheit zum Grunde hat!

Aufklärung verhält sich zur Kultur, wie überhaupt Theorie zur Praxis; wie Erkenntniß zur Sittlichkeit; wie Kritik zur Virtuosität. An und für sich betrachtet, (objektive) stehen sie in dem genauesten Zusammenhange; ob sie gleich subjektive sehr oft getrennt sein können.

Man kann sagen: die Nürnberger haben mehr Kultur, die Berliner mehr Aufklärung; die Franzosen mehr Kultur, die Engländer mehr Aufklärung; die Sineser viel Kultur und wenig Aufklärung. Die Griechen hatten beides, Kultur und Aufklärung. Sie waren eine gebildete Nation, so wie ihre Sprache eine gebildete Sprache ist. – Ueberhaupt ist die Sprache eines Volks die beste Anzeige seiner [196] Bildung, der Kultur sowohl als der Aufklärung, der Ausdehnung sowohl als der Stärke nach.

Ferner läßt sich die Bestimmung des Menschen eintheilen, in 1) Bestimmung des Menschen als Mensch, und 2) Bestimmung des Menschen als Bürger betrachtet.

In Ansehung der Kultur fallen diese Betrachtungen zusammen; indem alle praktische Vollkommenheiten bloß in Beziehung auf das gesellschaftliche Leben einen Werth haben, also einzig und allein der Bestimmung des Menschen, als Mitglieder der Gesellschaft, entsprechen müssen. Der Mensch als Mensch bedarf keiner Kultur: aber er bedarf Aufklärung.

Stand und Beruf im bürgerlichen Leben bestimmen eines jeden Mitgliedes Pflichten und Rechte, erfordern nach Maaßgebung derselben andere Geschiklichkeit und Fertigkeit, andere Neigungen, Triebe, Geselligkeitssitten und Gewohnheiten, eine andere Kultur und Politur. Je mehr diese durch alle Stände mit ihrem Berufe, d. i. mit ihren respektiven Bestimmungen als Glieder der Gesellschaft übereinstimmen; desto mehr Kultur hat die Nation.

Sie erfordern aber auch für jedes Individuum, nach Maaßgebung seines Standes und Berufs andere theoretische Einsichten, und andere Fertigkeit dieselben zu erlangen, einen andern Grad der Aufklärung. Die Aufklärung, die den Menschen als Mensch interessirt, ist allgemein ohne Unterschied [197] der Stände; die Aufklärung des Menschen als Bürger betrachtet, modificirt sich nach Stand und Beruf. Die Bestimmung des Menschen setzet hier abermals seiner Bestrebung Maaß und Ziel.

Diesem nach würde die Aufklärung einer Nation sich verhalten, 1) wie die Masse der Erkenntniß, 2) deren Wichtigkeit, d. i. Verhältniß zur Bestimmung a) des Menschen und b) des Bürgers, 3) deren Verbreitung durch alle Stände, 4) nach Maaßgabe ihres Berufs; und also wäre der Grad der Volksaufklärung nach einem wenigstens vierfach zusammengesetzten Verhältnisse zu bestimmen, dessen Glieder zum Theile selbst wiederum aus einfachern Verhältnißgliedern zusammengesetzt sind.

Menschenaufklärung kann mit Bürgeraufklärung in Streit kommen. Gewisse Wahrheiten, die dem Menschen, als Mensch, nützlich sind, können ihm als Bürger zuweilen schaden. Hier ist folgendes in Erwegung zu ziehen. Die Kollision kann entstehen zwischen 1) wesentlichen, oder 2) zufälligen Bestimmungen des Menschen, mit 3) wesentlichen, oder 4) mit außerwesentlichen zufälligen Bestimmungen des Bürgers.

Ohne die wesentlichen Bestimmungen des Menschen sinkt der Mensch zum Vieh herab; ohne die außerwesentlichen ist er kein so gutes herrliches Geschöpf. Ohne die wesentlichen Bestimmungen des Menschen als Bürgers, hört die Staatsverfassung aus zu sein; ohne die außerwesentlichen bleibt [198] sie in einigen Nebenverhältnissen nicht mehr dieselbe.

Unglükselig ist der Staat, der sich gestehen muß, daß in ihm die wesentliche Bestimmung des Menschen mit der wesentlichen des Bürgers nicht harmoniren, daß die Aufklärung, die der Menschheit unentbehrlich ist, sich nicht über alle Stände des Reichs ausbreiten könne; ohne daß die Verfassung in Gefahr sei, zu Grunde zu gehen. Hier lege die Philosophie die Hand auf den Mund! Die Nothwendigkeit mag hier Gesetze vorschreiben, oder vielmehr die Fesseln schmieden, die der Menschheit anzulegen sind, um sie nieder zu beugen, und beständig unterm Drukke zu halten!

Aber wenn die außerwesentlichen Bestimmungen des Menschen mit den wesentlichen oder außerwesentlichen des Bürgers in Streit kommen; so müssen Regeln festgesetzt werden, nach welchen die Ausnahmen geschehen, und die Kollisionsfälle entschieden werden sollen.

Wenn die wesentlichen Bestimmungen des Menschen unglüklicherweise mit seinen außerwesentlichen Bestimmungen selbst in Gegenstreit gebracht worden sind; wenn man gewisse nützliche und den Menschen zierende Wahrheit nicht verbreiten darf, ohne die ihm nun einmal beiwohnenden Grundsätze der Religion und Sittlichkeit niederzureißen; so wird der tugendliebende Aufklärer mit Vorsicht und Behutsamkeit verfahren, und lieber das Vorurtheil dulden, [199] als die mit ihm so fest verschlungene Wahrheit zugleich mit vertreiben. Freilich ist diese Maxime von je her Schutzwehr der Heuchelei geworden, und wir haben ihr so manche Jahrhunderte von Barbarei und Aberglauben zu verdanken. So oft man das Verbrechen greifen wollte, rettete es sich ins Heiligthum. Allein dem ungeachtet wird der Menschenfreund, in den aufgeklärtesten Zeiten selbst noch immer auf diese Betrachtung Rüksicht nehmen müssen. Schwer, aber nicht unmöglich ist es, die Grenzlinie zu finden, die auch hier Gebrauch von Misbrauch scheidet. –

Je edler ein Ding in seiner Vollkommenheit, sagt ein hebräischer Schriftsteller, desto gräßlicher in seiner Verwesung. Ein verfaultes Holz ist so scheußlich nicht, als eine verwesete Blume; diese nicht so ekelhaft, als ein verfaultes Thier; und dieses so gräßlich nicht, als der Mensch in seiner Verwesung. So auch mit Kultur und Aufklärung. Je edler in ihrer Blüte: desto abscheulicher in ihrer Verwesung und Verderbtheit.

Mißbrauch der Aufklärung schwächt das moralische Gefühl, führt zu Hartsinn, Egoismus, Irreligion, und Anarchie. Misbrauch der Kultur erzeuget Ueppigkeit, Gleißnerei, Weichlichkeit, Aberglauben, und Sklaverei.

Wo Aufklärung und Kultur mit gleichen Schritten fortgehen; da sind sie sich einander die besten Verwahrungsmittel wider die Korruption. Ihre [200] Art zu verderben ist sich einander schnurstraks entgegengesetzt.

Die Bildung einer Nation, welche nach obiger Worterklärung aus Kultur und Aufklärung zusammengesetzt ist, wird also weit weniger der Korruption unterworfen sein.

Eine gebildete Nation kennet in sich keine andere Gefahr, als das Uebermaaß ihrer Nationalglükseligkeit; welches, wie die vollkommenste Gesundheit des menschlichen Körpers, schon an und für sich eine Krankheit, oder der Uebergang zur Krankheit genennt werden kann. Eine Nation, die durch die Bildung auf den höchsten Gipfel der Nationalglükseligkeit gekommen, ist eben dadurch in Gefahr zu stürzen, weil sie nicht höher steigen kann. – Jedoch dieses führt zu weit ab von der vorliegenden Frage!

Moses Mendelssohn.

16. Mai 2026
von JvHS
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Nonkonformismus als konstruktives Mittel zur Stärkung der Demokratie und zur Abwehr der Antidemokraten

Zeitungsmuseum Aachen – Pressekodex/ the press codex

Ja-Nicker und Nein-Sager 

Nein“ zu sagen im Sinne von Widerspruch respektive Einspruch bedeutet, lebendige Demokratie zu praktizieren. Widerspruch und Einspruch sind immer begründet und basieren auf Argumente und Fakten. Wer den Einspruch wagt, handelt dann positiv, wenn seine Einwände konstruktiv, mitmenschlich und frei von ausgrenzenden, verfolgenden, unterdrückenden, rachsüchtigen und übervorteilenden Absichten sind. Ein Einspruch erfolgt dann zu recht, wenn despotische Ziele, verfassungsignorierende und die Gewaltenteilung umgehende Absichten erkennbar sind.

Mitläuferpositionen verwandeln ihre Ablehnung dieser Erklärung  – aufgrund der Übernahme von Papageien-Nach-Geplappere der gesellschaftlichen Brandstifter – in die Bekämpfung der  „Nein-Sager“ und Einspruch-Akteure mit ihrer berechtigten Kritik. Sie nutzen Unterdrückung, Hass und Gewalt als Mittel ihrer Zielerreichung. Was sie nicht bedenken, das ist die Verantwortung, die sie dennoch tragen und eines Tages eingefordert werden wird. Mitläufer praktizieren damit lediglich blindes und gedankenloses Befolgen.

Das aber ist das Gegenteil von Nonkonformismus im Sinne von selbstbestimmten Denken und Handeln. Auch weil Machtinhaber den Diskurs ablehnen, sowie die Absicht realisieren wollen, nicht die beste Lösung für Probleme finden zu wollen, sondern lediglich ihre Ideologie durchsetzen zu wollen. Das selbst- und fremdtäuschende „Verhalten“ gibt vor, über den Rand schauen zu können! Real wird allerdings die Zerstörung der Demokratie – mit ihrer Essenz von Freiheit, Gleichheit und Solidarität – zum „Endziel“ der „ selbsternannten Patrioten“ erklärt. 

Mit dem Stromschwimmen bei den Rechtsextremisten/Faschisten als zeitgeistige Verantwortungslosigkeit 

Mit dem Strom der Rechtsextremisten und Faschisten zu schwimmen, ist aktuell „en Vogue“! Es vermittelt ein verqueres Gefühl von Macht, real aber liefern diese Menschen sich einer manipulierten und von Despoten gelenkten Masse aus. Das Selbstdenken wird vermisst. Die Übernahme des Vor- und Fremd-Gedachten wird zur „Normalität“ und erfolgt bald nur noch als Reflex – suchtmäßig durch die Flut der TikTok, WhatsApp und Co. -Info-Häppchen bestimmt.

Das „Schubladen-Denken“ als vereinfachende Ordnungskategorie hat dann wieder Konjunktur. Darin passen aber nur die „Ergebnisse“ von Vorurteile, Ressentiments und Hetze, die ohne Reflexion produziert werden und schablonenhaft dem Anderen übergestülpt werden. Die Eindimensionalität hält wieder Einzug im Umgang mit den „Neinsagern“. Nur die Vorstellungen der Machtinhaber werden durchgesetzt.

Entscheidungsfähigkeit im Spannungsfeld von Subjektivität und Objektivität

Ausstellung-Exponat zur Kunsttour in Aachen vom 27.09. – 28.09.2025 (Aula Carolina)

Unsere Entscheidungen werden oft im Spannungsfeld von Subjektivität und Objektivität hin- und hergerissen, und nicht selten wird die Entscheidung vertagt. Das Resultat ist Schweigen, nichts tun und Handlungen geschehen lassen, mit den schrecklichsten
Folgen für alle.

Was ist der Sinn des Lebens? Welches Verhalten ist gültig für alle Menschen, dass dazu führt, um ein Leben in Freiheit und selbst bestimmt zu ermöglichen? 

Das Prinzip des „Kopf in den Sand stecken“ verhilft allerdings denen, die nur eines verfolgen: alles auszunutzen, um die eigenen Vorteile zu erreichen – egal ob durch kriminelle, korrupte oder gewaltbereite Mitteln. Die subjektiven Ziele und die dafür erfolgreichsten Handlungen stehen als einziges Interesse im Mittelpunkt. Das gilt für Unternehmen, wie für die Politik und ebenso für organisiertes Verbrechen gleichermaßen. Wenn der Sinn des Lebens nur darin besteht, dann werden alle Menschen verlieren. Denn die wachsende Verwahrlosigkeit im Bereich der ethisch-moralischen Grundlagen ist eine der Ursachen dafür, dass Empathie (Mitgefühl für den anderen Menschen, dem Gewalt und hasserfülltes oder gleichgültiges Unrecht angetan wird) sowie Verantwortung für eine gerechtere Welt in Freiheit verloren gehen. 

Selbst – und Fremdtäuschungen erkennen 

Zu klären bleibt auch, wie die subjektiven Perspektiven, wie die Welt erscheint, durch objektive Sicht auf die Welt korrigierbar respektive ergänzbar verbunden werden können? Anders formuliert: wie lassen sich Selbst- und Fremdtäuschungen erkennen und reduzieren, damit diese nicht über die Maßen wirksam werden? Dafür ist Informationsfreiheit einerseits notwendig. Sowie andererseits die Fähigkeit zu erhalten, Informationen unterscheiden zu können von Lügen und Manipulation. 

Ausstellungs-Exponat der Kunsttour in Aachen vom 27.09. – 28.09.2025 (Aula Carolina)

Staaten mit Machtinhabern – die die Informationsfreiheit einschränken, die Pressefreiheit untergräbt, Journalisten mit Orientierung am Pressecodex wegsperrt, die gesellschaftliche Opposition droht, unterdrückt und konsequent mundtot macht durch Diskriminierung und finanzielle Erpressung, die die Gewaltenteilung ignoriert und umgeht, dabei die Justiz mit Gesinnungstätern besetzt und die Verfassung missachtet – sind weltweit auf dem Weg in allen Teilen der Welt, diese der totalen Kontrolle und subjektiven Willkür zu unterwerfen. Als aktuellstes Beispiel steht dafür die USA unter Trump.

Der Abbau der Demokratie als Gewähr für ein Leben in Freiheit, Gerechtigkeit und Gemeinsamkeit ist „Öl ins Feuer der despotischen Staaten zu schütten“, die die USA als Bollwerk der Freiheit nicht mehr zu fürchten brauchen. Zugleich stellt die USA in ihrem aktuellen Zustand der Zerstörung der Demokratie eine Blaupause für die rechtsextremistischen Parteien á la AfD in der EU!

Alternative Informationsfreiheit

Vielleicht sind die satirisch-kabarettistischen Beiträge von Christoph Sieber und Tobias Mann eine unterhaltsamere Art der Einsprüche gegen den Abbau der Demokratie, als mein Blogbeitrag zum Tag der Informationsfreiheit am 28.09.2025

Beitrag „Weitermachen“ von Christoph Sieber auf 3Sat
Beitrag „Real/Fake“ von Tobias Mann auf 3Sat

Version vom 29. September 2025 von JvHS  – wieder eingestellt nach Serverumzug

 

 

16. Mai 2026
von JvHS
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Die Zeichen der Schönheit und ihre Heimat in der Ästhetik

 

Sinnliche Erkenntnis setzt Wahrnehmung voraus. Anmut zu fotografieren ist der Versuch, Poesie bildnerisch festzuhalten.

Schiller beschäftigte sich in der literarischen Auseinandersetzung mit Anmut und Würde und definierte diese als „willkürliche Bewegung der schönen Seele“ und setzte Bewegung voraus. Fixiertes wie ein Gebäude konnte demnach nicht anmutig und würdevoll sein. Allenfalls in Posen oder festgehaltener Bewegung konnte Anmut erahnt werden. 

Wann aber wird aus dem natürlich Schönen jenes, was erhaben genannt wird? 

Kant definiert: „Schön ist das, was in bloßer Beurteilung (also nicht vermittelst der Empfindung des Sinnes nach einem Begriffe des Verstandes) gefällt. Hieraus folgt von selbst, dass es ohne alles Interesse gefallen müsse. Erhaben ist das, was durch seinen Widerstand gegen das Interesse der Sinne unmittelbar gefällt.“ 

Schiller schließt daran an und geht darüber hinaus:

Beim Erhabenen fühlen wir uns frei, „weil die sinnlichen Triebe auf die Gesetzgebung der Vernunft keinen Einfluss haben, weil der Geist hier handelt, als ob er unter keinen anderen als seinen eigenen Gesetzen stünde“.
Das Erhabene „verschafft uns einen Ausgang aus der sinnlichen Welt“ und sei gleichzeitig „ein gemischtes Gefühl. Es ist eine Zusammensetzung von Wehsein… und von Frohsein…“ – Beim Erhabenen „stimmen Vernunft und Sinnlichkeit nicht zusammen, und eben in diesem Widerspruch zwischen beiden liegt der Zauber, womit es unser Gemüth ergreift“: „Der erhabene Gegenstand ist von doppelter Art. Wir beziehen ihn entweder auf unsere Fassungskraft und erliegen bei dem Versuch, uns ein Bild oder einen Begriff von ihm zu bilden; oder wir beziehen ihn auf unsere Lebenskraft und betrachten ihn als eine Macht, gegen welche die unsrige in Nichts verschwindet. Aber ob wir gleich in dem einen wie in dem anderen Fall durch seine Veranlassung das peinliche Gefühl unserer Grenzen erhalten, so fliehen wir ihn doch nicht, sondern werden vielmehr mit unwiderstehlicher Gewalt von ihm angezogen. Würde dieses wohl möglich sein, wenn die Grenzen unsrer Phantasie zugleich die Grenzen unserer Fassungskraft wären?“

Adorno verhilft, den durch das Erhabene betroffenen Menschen vom Kopf wieder auf die Füße zu stellen: »Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!«

Die Heimat der Ästhetik ist nachkantig, nachschillernd nunmehr neu-neuronal der frontale Cortex sowie der Nucleus accumbens, das Belohnungssystem mit Sitz im Hirn.

 

Fotografie verschafft den Menschen die Lust, Zeit und Raum zu bannen und bewegte Schönheit, aber auch die Schönheit der Bewegung, sprich Anmut festzuhalten. Wer fotografiert, der belohnt sich selber.

 

16. Mai 2026
von JvHS
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Gelungenes Leben – Ergebnis von Gerechtigkeit oder Glück?

“Das Glück, das im Auge des Denkenden aufgeht, ist das Glück der Menschheit.” – Theodor W. Adorno, Resignation, 1969

“Den Guten nenne ich glücklich. Wer aber Unrecht tut, den nenne ich unglücklich. (Sokrates)” – Platon, Gorgias

“Ohne Rechtschaffenheit ist es nicht leicht, in äußerem Glück die Bescheidenheit zu wahren.” – Aristoteles, Nikomachische Ethik 

Ein glückliches Leben führen, das wünschen sich die meisten Menschen. Und Glück war bei den antiken Philosophen schon ein Thema und Gegenstand ihres Denkens. Das hat sich bis zum heutigen Tag bei den Menschen nicht geändert. Da werden dann Glücksorte in den Kommunen festgelegt und die „Woche des Glücks“ ausgerufen. Das mag man bewerten wie man will, es ist Ausdruck eines Bedürfnisses und damit nicht frei von Verwertungsabsichten. 

Vor allem aber ist Glück immer ein sehr subjektives Empfinden. Wer ständig unter Schmerzen leidet und kaum durchschlafen kann, was dann zur Folge hat, beruflich den Anforderungen kaum mehr standzuhalten, der ist glücklich, wenn ein Mittel – ohne große Nebenwirkungen zu entfalten – die Schmerzen erträglich macht.
Glücklich wäre er ebenso, wenn die Ursachen für die Schmerzen erkannt und behandelt werden könnten. Während der schmerzfreie Mensch seinen Zustand kaum zu würdigen weiß und dies selten als Glück empfinden würde, sondern seine Vorstellung von Glück darauf kapriziert, durch Lottospielen seine materiellen Wünsche durch den erhofften Gewinn realisieren zu können, so ist der nächste Mensch glücklich, wenn er per Zufall nicht in ein Flugzeug eingestiegen ist, das abstürzte und alle Insassen mit in den Tod riss. Für bestimmte Zustände nutzen verschiedene Sprachen auch mehrere Wörter. In der englischen Sprache wird unterschieden nach „ to be a lucky man“ und „ to get a lot of happiness“ – Sein und Haben des Glücks – oder Glück per Zufall und Glück als Schicksal. 

Und ein glückliches Leben zu führen, dazu führen viele Wege nach Rom – ein Rezept dazu gibt es nicht. Zuvor soll aber das Griechenland des Platon, Aristoteles und Epikurs in den Blick genommen werden. 

Platon lässt seinen Sokrates in seiner Schrift „Der Staat“ den Zusammenhang von Gut/Böse und gerechtem Handeln als Form des wirklichen Glücks entwickeln und zum Fazit kommen, dass nur der Gerechte auch ein wirklich glückliches Leben führen kann. Und ein gerechter Mensch ist jemand, der sein Seelenleben im Gleichgewicht hält. Dieser Zustand ist dann auch Glück. Wie stellt Platon dies dar? Er beschreibt die Seele als aus drei Teilen bestehend. So ist ein Teil der Sitz der Begierden und Wünsche nach Bequemlichkeit, der Genuss und das extensiven Ausleben von Sex, Spaß und Völlerei jeglicher Art. Das Leben ist nur Party!

Im zweiten Teil seien Mut, Ehrempfinden und Liebe beheimatet. Aber auch diese könnten in der ganzen Bandbreite der Emotionen von angemessenem Verhalten bis Raserei und damit von Hingabe bis Manipulation und Unterdrückung schwanken.

Im dritten Teil der Seele sei die Vernunft, Einsicht, Abwägung und Erforschung beheimatet. Die widerstreitenden Teile des Menschen müssen wie zwei gegensätzliche Pferde in einem Gespann durch die Vernunft als Lenker auf die richtige Bahn geführt werden. Platons Vorstellung eines gelungenen Lebens sei dann möglich, wenn die Vernunft das Handeln leitet, der Mut und die Liebe zur Umsetzung beitragen und die Emotionen und Begierden mit Mäßigung in Zaum gehalten werden. Die Seele somit in Harmonie sich befindet und Glück nur in diesem Zustand vorhanden ist. 

In der „Nikomachischen Ethik“ bezeichnete Aristoteles „das Glück als höchstes Gut“ sowie als „die für den Menschen spezifische Tätigkeit“. Ethik wird in diesem Sinne zur Vereinbarung, das Leben in der Gemeinschaft zu regeln und allen ein glückliches Leben zu ermöglichen. Ein glückliches Leben besteht aber nicht in der Erreichung dieses Ziels durch einzelne Facetten (ich will reich sein, ich will Präsident werden, ich will berühmt werden etc.), sondern in der Meisterung des Lebens selber. 

Zu einem gelungenen und damit gleichzeitig glücklichen Leben gehört nach Aristoteles die Entwicklung von Fähigkeiten und indem der Mensch seinen Anlagen gemäß lebt (capability approach). Wer gerne handwerklich tätig ist, aber zur Existenzsicherung einen Bürojob annimmt, den er hasst, kann kein erfülltes Leben führen. Dieser Ansatz realisiert sich auch in Adornos Aphorismus „Es gibt kein richtiges Leben im falschen!“ (Quelle: Minima Moralia) 

Ein Staat, der im Neoliberalismus nur eine bestimmte Klientel fördert, verhindert das erfüllte Leben und damit ein glückliches Leben bei den meisten Bürgern. Und genau diese Seite des gemeinschaftlichen Lebens, die politische und soziale Dimension eines Staates ist nach Aristoteles zu beachten und die Rahmenbedingungen sind dafür zu gestalten. Für Aristoteles sind die ethischen Tugenden wie Mut, Menschlichkeit, Wahrhaftigkeit, Freundlichkeit jene Tugenden, die zu einem gelungenen Leben beitragen und Voraussetzung sind. Sie kristallisieren sich auch in den Menschenrechten – (https://www.amnesty.de/alle-30-artikel-der-allgemeinenerklaerung-der-menschenrechte ). Staatsformen und Wirtschaftssysteme, die diese außer acht lassen, verstoßen gegen die Menschenrechte.

Epikur wird zwar als Philosoph des Glücks bezeichnet, der vor allem der Lust, der Begierde und der Orgien fröne. Das wäre zu kurz gegriffen, wenn auch Epikurs Ansatz in sich eine Verkürzung der Aspekte und Merkmale darstellt, die Platon und Aristoteles zur Gestaltung eines gelungenen Lebens beschrieben. Dennoch scheint es zutreffend, wenn Epikur in seiner Vorstellung eines gelungenen Lebens sich im Wesentlichen auf die Abwesenheit von Unglück – frei von Leiden und sorgen – beschränkt. 

Die vielen Wege nach Rom als Wege zum Glück führen auch über den Philosophen Seneca, einem Römer und Lehrer Neros. Auch bei Seneca stehen Tugenden im Blickfeld der Beschreibung, wie der Mensch ein gelungenes, damit glückliches Leben führen kann. Ein Aspekt ist jener, der sich auch im Begriffsfeld „mit dem Strom schwimmen“ wiederfindet. Glücklich wird nach Seneca der Mensch, der in Übereinstimmung mit dem Zeitgeist sich befindet. Er braucht dazu nur die „passiven Tugenden“: Gleichgültigkeit und Gleichmut als eingeschränkte Gelassenheit. Am besten vermeidet der Mensch Sorgen und Leid, wenn er sich in die Welt einfügt, wie sie sich gerade zeigt und wie sie von anderen, stärkeren, skrupelloseren Mitmenschen geprägt wurde. Die Frage stellt sich aber, ob das Mitschwimmen im Strom des jeweiligen Zeitgeistes bei einem menschenfeindlichen System wie im Nationalsozialismus oder des IS überhaupt ein Glücksgefühl entstehen kann?

(Im Aphorismus von Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.findet sich Senecas Ansatz wieder.)

Gehörten zu den Ansätzen von Platon und Aristoteles, dass zu einem gelungenem Leben noch die aktive Beteiligung am politischen und gesellschaftlichen Leben, so sind für Epikur und den gegensätzlichen Ansätzen der Stoa und des Stoikers Seneca der Rückzug ins rein Private charakteristisch. Kurz gefasst, sich aus allem raushalten, wird vor allem in Zeiten der Unsicherheit und der Veränderungen zur Lebensmaxime vieler Menschen. (Dass dies nicht gelingen kann, wenn Zeiten und diktatorische Staatsformen wie bei den Nazis die Oberhand gewinnen, kann jeder qua Vernunft nachvollziehen!) 

“Da, wo du nicht bist, ist das Glück.” So mögen viele Menschen empfinden und ständig Reisen buchen oder sogar auswandern in ein anderes Land. Es ist anzunehmen, dass dies ein Beispiel dafür ist, wie der Mensch auf der ständigen Suche nach dem Glück und der Gier nach Abwechslung einem falschen Begriff von Glück hinter herläuft.

Version vom 09. März 2019 – wieder eingestellt.