Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

20. Mai 2026
von JvHS
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Aus dem Kosmos der Scheinheiligen – Hinterhältigkeit als neue Normalität

Der User hat’s gut: Er kann sich seine Internetseiten aussuchen, die ihn nicht gefangen nehmen und propagandistisch vereinnahmen.
Es gibt jedoch Leute, die wollen lieber einen Stehplatz im vollbesetzten Vorraum zur ersten Klasse als einen Sitzplatz in der dritten.
Und wenn nichts mehr hilft, bleibt noch: Die Basis einer gesunden Lebenseinstellung ist ein großer Papierkorb.

Kennen Sie das auch, dass immer wieder mal ein Mensch über mehrere Jahrzehnte den eigenen Lebensweg kreuzt und die Erinnerung an diesen Menschen mit positiven Bildern besetzt war? Dann lesen Sie einen Blogbeitrag dieser Person – sich selbst darstellend als „authentische“ Person linker Provenienz sowie durch und durch freiheitlich denkend – auf einer dubiosen Seite, die nicht selten Beiträge enthält mit islamophobem und rassistischem Zungenschlag, ergänzt vom neoliberalen Weltbild und der Zustimmung zur Privatisierung und dem Abbau des Sozialstaates. 

In einem privaten und persönlichen Brief bringt der Freund seine Besorgnis über die beobachtete Veränderung zur Sprache und hinterfragt die Einschätzung und Motivation für die Weltsichtveränderung. Als Freund durchaus legal und verständlich. Der geschichtliche Hintergrund, auf dem der Disput dann entstand, ist das Jahr 2016 und  die Merkel´sche Aussage: „Wir schaffen das“. Das Angebot zum Dialog und Diskurs ist freundlich und positiv formuliert und signalisiert Offenheit. Der Bezug zu einem Text von Albert Camus („Die Krise des Menschen“, 1946) soll einen Ansatz dazu ermöglichen. Die Inhalte des Bezugstextes lauten: Wir leben permanent in einer Krise. Das Gesprächsangebot mit dem Hinweis auf Camus erfolgte vor 10 Jahren und war, so wie heute – 2026 –  ebenso aktuell, wie es zur direkten Nachkriegszeit bei Albert Camus war. 

Die Symptome dafür sind folgende:
1) Kein Europäer ist heute mehr seiner unmittelbaren Zukunft sicher. Begleitet wird dies von der Tatsache, dass kaum noch ein Mensch beurteilt und honoriert wird, der die Menschenwürde als Kompass für sein Denken und Handeln beachtet. Die einzige Akzeptanz und der einzige Maßstab, positiv beurteilt zu werden, basiert nur noch auf wirtschaftlichen Erfolg und Reichtum – egal wie dieser erreicht wurde!
2) Heute sind zu viele Menschen nicht mehr von der Notwendigkeit der Menschenfreundlichkeit überzeugt. Wenn man miteinander kommuniziert, dann kann man nicht mehr sicher sein, dass die Erwartung zutrifft, tatsächlich auch menschlich eine gleichwertige Gegenreaktion zu erhalten. Die Pervertierung der Wertmaßstäbe schreitet dagegen voran und wird als neue „Normalität“ bejaht. Egomanen haben Dauer-Party-Stimmung.
3) Die Ausweitung der Bürokratie auf allen Ebenen bedeutet, dass die menschliche Wärme sich verflüchtigt hat und dass immer mehr Menschen in die Einsamkeit gestoßen werden.
4) Es geschieht fortlaufend, dass menschenfreundliches Miteinander durch das gesinnungsgleiche Handeln des „Recht des Stärkeren“ ersetzt wird. Es zählt nicht mehr die Vermeidung von Leid, sondern nur noch, ob der egoistischen Weltanschauung zum Sieg verholfen wird.
5) Der moderne Mensch kann sich nicht mehr verständigen, weil die gemeinsamen Wertbegriffe fehlen und weil die Wertschätzung für die Mitmenschen fehlt, die sich auf die Menschenwürde stützen. Übrig bleibt zu oft nur die Wahl: Opfer oder Täter zu sein.

Erwähnt wurde auch im Gesprächsangebot an den abgedrifteten Bekannten, dass Albert Camus als Autor die Lösung aus diesem Dilemma wie folgt sah – und dieser Ansatz ebenso wieder hoch aktuell ist: 

Wir Menschen müssen unsere Welt von der Angst befreien, die überall das Denken beherrscht, welches wiederum den bisher unsichtbaren Terror einführt, nämlich, dass die Inhaber der politischen Macht alles kontrollieren und das Denken überwachen wollen.
Deshalb muss die Politik zurückverwiesen werden auf ihren Platz in die 2. Reihe. Denn Politiker dürfen sich nicht anmaßen, uns mit einer kompletten Weltanschauung zu überziehen oder mit Gesetzen, die das Private reglementieren sollen, vom Liebesleben bis zum Rauchverbot! Regeln sind notwendig, damit das Zusammenleben organisiert werden kann.
Die Freiheit, die es zu gewinnen gilt, ist die Freiheit, Lügen aufzudecken, Verantwortung einzufordern von jenen, die den Staat zur Kontrolle und Überwachung einsetzen, blinden Gehorsam und Patriotismus verlangen und ihre Ideologien verbreiten. Denn diese sind die eigentlichen Feinde des würdevollen Daseins.

Statt einer erhofften Antwort wird der Dialog verweigert, und auf den Bezugstext als Ausgangsebene wird nicht eingegangen.
Stattdessen wird in Texthülsen wie „stümperhafte Laienpredigt“, „unwürdig eines wanderpredigenden Schlangenölverkäufers im Wilden Westen“, „triefend vor besserwisserischem Anspruch auf moralische Überlegenheit“ geantwortet. Dieses Feedback sei
eine einmalige Antwort und damit für den sich verweigernden Angesprochen endgültig erledigt. 

Die Selbsttäuschung ist jedoch bei der Person aktiv, weil jenes „endgültig erledigt“ nicht eingehalten wird. Stattdessen wird die Öffentlichkeit jener dubiosen Plattform genutzt und das private und persönliche Schreiben in Auszügen zitiert. In aller Scheinheiligkeit wird an die  Narrative der Bloggesinnung und der menschenfeindlichen Weltsicht appelliert, welche ihn und die Mitglieder der Plattform durch das Gesprächsangebot „gefährden“ würden. 

Die Bloggesinnung (der AfD) immunisiert sich nicht nur gegen berechtigte Kritik und Diskursangebote, sie assimiliert sie, verschluckt sie unverarbeitet und speit sie – verkehrt in ihr Gegenteil – wieder aus

Im scheinbar warmen Nestchen einer verblendeten Beifallsrunde auf der Blogplattform sitzen der „Verweigerer“ und seine Spätzchen und piepen vor häuslicher Blog-Zufriedenheit, weil er sich als „Platzhirsch“ bewiesen habe. Anti-depressiv medikamentiert sowie vom eigenen Weltbild komatös verblendet, feiern sich die arme Person und seine Follower selbst. Mögen sie sich weiterhin in Selbsttäuschung versenken. Wenn´s denn hilft in ihrer Not und gemeinsamen Unfähigkeit! 

Zwar staunend, aber dennoch temporär irritiert ob dieser Selbst-Täuschungspotentiale, bleibt dem Gesprächsanbieter nur die Erkenntnis: die Anti-Demokraten haben sich wieder aufs hohe Pferd gesetzt und treiben wieder ihr altes Schmutzhandwerk der Vorurteile und Menschenfeindlichkeit, nicht erkennend, dass sie der Propaganda der AfD-Eselei aufgesessen sind.

Manchmal ist der Mensch geneigt nach dem Motto zu verfahren: De mortuis nil nisi bene“ – nicht nur von den Toten „gut“ zu reden, manchmal auch auf die Lebenden anzuwenden, wenn „Hopfen und Malz“ verloren sind.  Die Lebensweisheit rät in solchem Fall, nicht mehr weiter zu insistieren, weil: jedes Wort ist vergebliche Liebesmüh. 

Doch das gilt nur, wenn diese Lebenden nicht die Demokratie gefährden! Dann ist es Pflicht, Verhalten und Denken der Anti-Demokraten kritisch prüfend zu analysieren und darüber aufklärend zu reden. (in Anlehnung an Heinrich Heine)

20. Mai 2026
von JvHS
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Sterben die Bienen, stirbt dann auch der Mensch?

„Fleißige Bestäuber unterwegs…“ – Tim Kochs, Autor des Buches: Herr Bien und seine Feinde (Westend Verlag) beschäftigte sich mit der Symbiose von Mensch und Bienen/Hummeln als Bestäuber der Fürchte und Blumen (hier Saugrüssel einer Hummel im Flug zu sehen!)

Heute am 20. Mai 2026 ist „Weltbienentag“- Anlass für den Verweis auf Tim Koch und sein Buch, das beim Westend Verlag noch als E-Book erhältlich ist. (Anmerkung: Ich, der Autor dieses Textes stehe in keiner Beziehung zum Verlag!)

Tim Koch kommentiert in seinem Blog die weiter schleichende Verschlechterung der Existenzbedingungen der so wichtigen Lebewesen aus die Insektenwelt für die Menschen. Zur Produktinformation seines Buches formulierte der Verlag (Erscheinungsstart: 01.03.2018) vor acht Jahren:

Seit über 100 Millionen Jahren prägt der Bien – also das Bienenvolk mit seinem Stock – das Leben auf unserer Erde, weil er einer riesigen Pflanzengruppe als Bestäuber dient. Ohne Biene keine Äpfel – wenn es nach dem Willen der Agrochemie-Konzerne geht, soll dies jedoch anders werden. Ihnen schwebt eine Zukunft der Roboterbienen vor. Bestäubt wird nur noch, was Kasse bringt. Willkommen in einem der folgenschwersten Auswüchse des menschengemachten Ökozids. Timm Koch führt uns in seinem Buch in die wundersame Welt der Bienen und zeigt: Noch funktioniert die Mensch-Bien-Symbiose, noch stemmt sich die Herrschaft des Biens gegen die vollkommen ungezügelte Vergiftung unserer Landschaften durch Bayer, Monsanto und Co. Aber wir sind in einer kritischen Phase angelangt.“ 

In seinem Kommentar knüpft Tim Koch an diese Aussage wieder an und aktualisiert seine Sicht auf die Natur zum Weltbienentag wie folgt am 17.05.2026: Sterben die Bienen, sterben die Menschen!

Zitat “ Ich schließe mich denen an, die Jean-Jacques Rousseaus Wahlspruch »Zurück zur Natur!« ernstnehmen. Ich möchte ihn sogar ein wenig weiterdenken. …Viele betrachten nun die Natur als ein Ding, das der Mensch »schützen« sollte. Ganz im Sinne des Bürokratismus wurde hierfür in Deutschland das Amt für Naturschutz geschaffen.

Warum aber geht es der Natur trotzdem immer schlechter? Warum sterben die Arten aus? Warum verschwinden die Regenwälder? Warum sind die Ozeane voller Plastik, die Äcker voller Gift? Die Antwort ist simpel: Der Mensch will nicht begreifen, dass Naturschutz Selbstschutz bedeutet. … Wer die Natur zerstört, zerstört damit am Ende sich selbst.

Wer die Natur schützt, betreibt Selbstschutz. Trotz aller zivilisatorischen Errungenschaften bleibt der Mensch ein Teil der Natur. Egal, ob er in den Hochhausschluchten Tokios oder im schrumpfenden Amazonas-Regenwald lebt: Der Mensch ist Natur! …

Was essen wir? …Also essen wir vor allem die Vertreter der Tier- und Pflanzenarten, mit denen wir in Symbiose leben, beziehungsweise deren Produkte. Einer der Höhepunkte in der Geschichte der Zivilisierung des Säugetiers Mensch war sicherlich der Zeitpunkt, als er sich auf eine Symbiose mit dem Bien einließ.  … Nun wird diese Symbiose vom Menschen in Frage gestellt. Gigantische Chemiekonzerne bestimmen, was in der Landwirtschaft geschieht. “ (Quelle: Tim Koch

Sterben die Bienen, stirbt dann auch der Mensch? Dieser These steht Tim Koch nahe. Durch die globalisierte Ökonomie verändern sich auch Bedingungen des symbiotischen Zusammenlebens.  Die Gefährdung der Bienen (Imker und Wildbienen) und weiterer Bestäuber (Hummeln) erfolgt  auf vielfältige Weise: Varroamilbe  bedingt Erkrankungen und breitet sich ebenso aus, wie Bienenvölker aus Afrika (aggressiver als europäische Bienen) oder die asiatische Hornisse, die als invasive Art den Imkerbienen zu schaffen macht.

Pestizide schwächen und töten die Bestäuber, ebenso wie Spinnen, die als ganz normale und natürliche Gefährdung der Bienen und Hummeln vorhanden sind.

19. Mai 2026
von JvHS
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Achtsamkeit – auf der Durchreise?

Hört! Hört!

Die Obrigkeit, sie hört uns nicht,
nicht die Lauten, nicht die Leisen,
nicht die Dummen, nicht die Weisen…
Sie hört nur
ihre Resonanz,
hoffend auf
unsere Hörigkeit
und subalterne Toleranz.

aus: H.-Jochen Jung Auf der Durchreise“ – Gedichte

18. Mai 2026
von JvHS
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Alltagsschnipsel – von Mythen der Freiheit, kulturellen Unterschieden und globalen Einflüssen zur Einebnung

„Freiheit ist sowohl Befreiung von etwas, sowie eine Freiheit zu etwas, wenn dabei das Recht auf Freiheit der Mitmenschen mitgedacht wird!“ – JWB

Von der Freiheit und den Lebensumständen in der Ruhrgebiets-Idylle

Enkel: Oma, ich will Schriftsteller werden! Oma: Ich erzähle dir mal was. Pass auf, vergiss nie, dir die Zähne zu putzen! Weiß du, wie man Kartoffeln und Möhren schält?! Schriftsteller: Klar weiß ich, wie die zu schälen sind. Ich weiß allerdings bis heute nicht, was sie mir damit sagen wollte!

Ermahnung  von Oma: Zähne putzen, nur nach der Kai-Methode! Erst die Kauflächen, dann die Außenflächen,  zuletzt die Innenflächen.  Enkel: Oma, was passiert denn, wenn ich das nicht mache? Oma: Hör zu, wenn du von Gelsenkirchen nach Dortmund fährst, was ist da? Enkel: Wat is` denn da? Oma: Essen, da findest und siehst du Essen!

Pause: Tu mir mal ´nen Kaffee!

Überall in Deutschland

Das Auto und die Bedeutung für die Nachkriegsgeneration von 1945-1959 und die Boomer: Es stand für das unterschiedliche Verständnis von Freiheit: für wenige Erwachsene mit Vorkriegssozialisation stand das Auto als Prestigegewinn, für mutigere Jugendliche der Nachkriegsgeneration als: weg aus der Dorf-Idylle und die würdelosen „Kämpfe“ zwischen Unter- und Oberdorf, um diese nicht mehr erleben zu müssen! Vorurteile – ausgetragen aufgrund des zufälligen Standortes der Wohnung – zwischen Armut aufgrund der Zugehörigkeit zum Proletariat einerseits und andererseits der Selbsttäuschung der katholischen Armen, was Besseres sein zu wollen. Realisierte Ergebnisse der elterlichen Mahnungen: „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern!“

Vor der Altersgrenze zur Führerscheinprüfung kam das Freiheitsgefühl zur Geltung mit dem Besitz eines Kreidler  K 50-Mopeds, natürlich aufgemotzt. Und wenn dafür kein Geld in der Familie zur Verfügung stand, weil das bisschen Geld – was der Teenager beim Rüben-Einzeln auf den Feldern der Bauern im Dorf  oder beim Austragen der Kirchen-Zeitung verdiente – den Weg ins Haushaltsgeldkästchen der Mutter fand, der war dennoch König, weil die Bus- und Straßenbahn-Jahreskarte für Vaters Mitarbeiter-Stellung bei den Kreisverkehrsbetrieben auch für die Familienmitglieder ausgestellt wurde. Mit Passbild, versteht sich und gültig auf allen Linien im Kreisgebiet und darüber hinaus!

Das Auto aber war die Krönung für die Freiheit als Student, sich aus der dörflichen und kleinstädtischen Not- und Zwangsgemeinschaft zu verabschieden. Die Gene fanden ebenso eine größere Ausbreitungsfläche, weit über die Dorf-, Stadt- und Kreisgrenzen hinaus! Und den Blick über den Tellerrand hinaus hat dieser ermöglichte Freiheitsdrang auch gefördert!

Zur gänzlichen Freiheit gelangte ein solches – wie alt auch immer – Gefährt, wenn es oft zum Wohn-, Schlaf- und Erlebnisraum mutierte. Egal, ob als „Käfer“ aus der Volkswagen-Familie oder als „Ente“ aus dem neu verbündeten Frankreich stammend.

Noch bezeichnender, was das deutsche Mittel zum Zweck der Freiheit – mit der Bezeichnung „des Deutschen liebstes Kind“ – betrifft, ist allerdings die Wertung aus der Sicht der indischen Kultur: Es sei typisch für Deutsche, wenn sie in die Rentnerjahre gekommen seien, dass beim Blick auf und beim Gespräch über den Mythos „Auto gleich Freiheit“ noch immer versonnen gesprochen werde und oft an erster Stelle stehe, formulierte ein bekannter Wissenschaftsmoderator mit indischem Migrationshintergrund in einer Talkrunde. In Indien würden dagegen die Gespräche der Rentnergeneration über Probleme mit „dem Magen und Darm“ der Hauptgesprächsgegenstand sein! Kulturelle Unterschiede, weil das Sein das Bewusstsein bestimmt.

Dennoch scheint die globale Gleichmacherei und Einebnung der kulturellen Unterschiede voranzuschreiten. Vor allem im Zeitalter der Pedelecs, die bei fortscheitendem Alter zum neuesten „Lieblingskind“ der Deutschen geworden zu sein scheinen. So finden denn auch die Themen „Magen-Darm, Prostata, Zahnersatz, Übergewicht und Verstopfung“  vermehrten Eingang in die Gesprächsrunden bei den Deutschen.  Üblicher Alltag eben! Solange dieser in Frieden erfolgt, muss sich niemand darüber ereifern! Denn die Zeiten des „auf sie mit Idyll“ sind längst vorbei!

Allerdings lassen sich Missverständnisse nur selten vermeiden, weil die Suche nach dem „Sinn des Lebens“ den Interpretationen ausgeliefert ist. Die Bandbreite der Umsetzung reicht von Egomanentum, Despotismus und Unterdrückung bis zur Demokratie und  der Erkenntnis, dass „Freiheit – ohne die Freiheit der anderen mitzudenken  – nicht möglich ist!

„Zum Glück brauchst du Freiheit, zur Freiheit brauchst du Mut. – Perikles“

Version vom  23.08.2025 – wieder eingestellt.

18. Mai 2026
von JvHS
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Natur Gestaltung – Wasser

Nur die Natur ist redlich! Sie allein
Liegt an dem ewgen Ankergrunde fest,
Wenn alles andre auf den sturmbewegten Wellen
Des Lebens unstet treibt. 

Friedrich Schiller

Jene Hand, die gern und milde
Sich bewegte, wohlzutun,
Das gegliederte Gebilde,
Alles ist ein andres nun.
Und was sich an jener Stelle
Nun mit deinem Namen nennt,
Kam herbei wie eine Welle,
Und so eilt’s zum Element.

Johann Wolfgang von Goethe

18. Mai 2026
von JvHS
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Politik und Machtgier und ein Märchen aus uralten Zeiten … Ungleichzeitigkeit und Vergesslichkeit

Blaue Blume – das Symbol der Romantik und die Flucht aus der Realität in die Traumwelten… früher und heute

Nehmen Kriege und Krisen und die Konzentration der Macht bei Despoten durch Unterdrückung und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit überhand, neigen die Menschen zur Flucht in Traumwelten. Gleichzeitig sprießen wie giftige Pilze die Egomanen mit ihren autoritären, gewaltaffinen und skrupellosen Vorgehensweisen aus dem Boden einer kalten Realität. Wieder und wieder vergessen die jeweils neuen Generationen, was die Despoten der Menschheit angetan haben. Auch welche leidvollen Wege gegangen werden mussten, die Unterdrücker, Despoten und ihre Menschenfeindlichkeit zu bezwingen.

Die Methoden der Despoten zur Sicherung ihrer Macht gleichen sich strukturell. Unterschiedlich sind nur die Technologien, die sich weiterentwickelt haben. Ohne die Unterstützung durch Helfer und Täter würden weder die historisch benannten Despoten wie Napoleon Bonaparte und ihre Staatsformen (Monarchie, Diktatur) , noch die aktuellen wie Trump, Putin und Konsorten sowie ihre Nachfolger ihren Despotismus nicht ausüben können.

Die „Blaue Blume“ steht als Symbol für die Zeit des Wechsels vom 18. Jahrhundert ins neunzehnte Jahrhundert. Novalis, oder  Friedrich von Hardenberg, wie sein Geburtsname lautete, steht für die Flucht in die Traumwelt der Poesie des Gefühls und einer verklärten und vergangenen Welt und der Mixtur aus  mittelalterlich romantisierten Minnesängers und des Kreuzzugritters. Der Protagonist in Novalis Roman ist „Heinrich von Ofterdingen“.  In einem Traum, den Heinrich hatte, erscheint ihm eine „Blaue Blume“ und darin das Gesicht eines Mädchens, welches eine tiefe Sehnsucht in Heinrich erweckt. Seine Mutter nimmt ihn mit auf eine Reise nach Augsburg, um ihn auf andere Gedanken zu bringen.

Auf dieser Reise hört er von den Dichtungen der Minnesänger, lernt das Leben der Kaufleute kennen und als Gast auf einer fränkischen Ritterburg erfährt er Geschichten über die Kriege der Kreuzzugritter. In diesem Umfeld macht er Bekanntschaft mit einem gefangenen Mädchen aus dem Morgenland. Wie so oft im Leben von Heranwachsenden prägen die Begegnungen mit verschiedenen Menschen das Verständnis von der Welt, wie sie zeitgeistig sich darstellt. Dazu gehören noch die Begegnungen mit einem Bergmann, der ihm Kenntnisse über den Bergbau vermittelt, sowie die mit einem Einsiedler, der ihn in die „Geheimnisse und Geschichte der Menschheit“ einweiht. Die Bandbreite des zeitgeistigen Seins zeigt sich auch in der Romantik und lässt auch dort die “ blendende Faszination der Esoterik“ nicht aus. Und auch der Romanheld und Prototyp der Romantik „Heinrich von Ofterdingen“ lässt sich vom Musiker „Klingsohr“ ein Märchen erzählen, in dem die „Blaue Blume“ vorkommt. Und wie später in den Hollywood-Bildermärchen hat der Musiker eine Tochter, Mathilde, zu der sich Heinrich hingezogen fühlt. Und wieder hilft einer weiterer Traum zu vermitteln, dass Mathilde das Mädchen war, das er in der „Blauen Blume“ erkannt hatte.

Das Rezept der Romantik – bis heute wirksam für alle Träumer und Visionäre – enthält als Mittel der Erkenntnis den Traum und die Träumerei. Dort ist die Welt wohl noch in Ordnung. Sie wird allerdings immer wieder – je nach Ideologie und Ziel der Märchenerzähler – angepasst an den Zeitgeist. Das wissen die „Märchenonkel“ aus dem Kreis der Egomanen und Despoten nur zu gut zu nutzen. Das ist beim „MAGA-Märchen“ Trumps nicht anders, als bei  Putins „Märchen von großen Vaterlands-Kriegen“ und ebenso bei den „Märchen von den 72 Jungfrauen“ des religiösen Fanatismus der IS- und Hamas-/Hisbollah-Terroristen zutreffend.

Nicht zuletzt sind auch die sektenartigen Versprechungen der Ökonomie-Spielarten und ihren neoliberalen Märchen von „reich zu werden“ zu erwähnen. Systemimmanent stehen dort die Märchen exemplarisch „vom Tellerwäscher zum Millionär“, über „jeder ist seines Glückes Schmied“ bis zu Scientology-Modelle mit pseudo-religiösen Strukturen Pate!

Heinrich Heine kritisierte zurecht die „Falle der Romantiker“ mit ihren Rückzugsmarotten bis hin zum Biedermeier als Ausprägung und Folge der damaligen staatlichen Überwachung. Da sollten die Versuche der konservativ-fundamentalistischen Kreise in den politischen Parteien, die Software Palantir und damit die Möglichkeit der Totalüberwachung der gesamten Bevölkerung, hinterfragt und abgewehrt werden!

Deutschland – immer wieder ein politisches Wintermärchen 

CAPUT I – Heinrich Heine

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen

Version vom 8. August 2025 – wieder eingestellt 

18. Mai 2026
von JvHS
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Lust auf Kunst? -Maler-Handwerk zwischen Ästhetik, Kunst und Kommerz – Werbung für den Besuch im Begas Haus 27

Wer die Entstehung des Werbe-Werks verfolgen konnte, wurde zunächst mit der Rasterung der zuvor farbgrundierten Fläche konfrontiert. In jedem der vielen Felder und Kacheln sprießten Zahl- und Buchstaben Codexes hervor. Weder Schachfelder noch Buchstaben-Rätselkästchen schienen zu passen. Näher dran an der versteckten Wahrheit war die Vermutung: das wird Malen nach Zahlen! 

Nach und nach entstand innerhalb der nächsten Tage dann ein Bild. Die Flächen wohl aufgeteilt nach hell-dunklen Grautönen für das spanungsgeladene Gegensatz-Paar von Landschaft und Portrait, sowie die goldfarbigen Buchstaben als farbiger Gegenpol zur Schwarz-Weiß-Palette des Portraits des abgebildeten Künstlers aus dem Hause Begas

Ein Bild, das auffällt als vielschichtiger Bedeutungsträger. Zunächst ist der Bildträger eine Hauswand. Hauswände werden nicht selten als Werbeflächen zur Verfügung gestellt, so wie hier auch. Nur prangen weder Sexmodels, noch Luxusgegenstände als Anreize des Habenwollens von der Wand. Sondern der Bezug zur Künstlerfamilie Begas in Heinsberg wird nachvollziehbar, die im 18. und 19. Jahrhundert mit Carl Joseph Begas d. Ä. und seinen Söhnen eine mehr als 100 Jahre dauernde Erfolgsgeschichte aufbauen konnte. Sie sind auch die Namensgeber des Begas Haus, dem Museum für Kunst und Regionalgeschichte in Heinsberg.

Vor-Bild im wahren Sinne des Wortes für das Bild an der Hauswand, dass in Stil und Mal-Motiv der Kunstepoche „zwischen Aufklärung, Romantik und Biedermeier bis zum Denkmalskult der Wilhelminischen Kaiserzeit“ erinnert. (Zitat-Quelle: Sammlung Begas im Begas Haus)

Als Werbung für das Museum für Kunst und Regionalgeschichte ragt die Botschaft aus dem „Werbealltag“ der Konsum- und Shopping-Werbung wohltuend heraus.

Kommunalwahlen 2025

Weder an das kurzlebige Plakat aus Pappe – das während der Vorwahl-Zeiten die politischen Wahlkandidaten von den Masten in monotoner Gleichheit herab grinsen lässt und beim ersten Regenguss die virtuellen Flügel hängen lässt, um dann irgendwann in der Gosse zu landen – wird der Betrachter innert. 

Noch hätten die wildwuchernden Billigmaterialien-Zettel und Aufhänger der unzähligen Tanz-, Volksfest- und Kirmesveranstaltungen, die an jeder Ecke des städtischen Lebensumfelds auftauchen, den Hauch einer Chance mit dem machtvollen und angenehm zurückhaltenden Hausfassaden-Bild assoziiert zu werden. 

Es hängt nun – wie für lange Zeit wirkend gedacht – in seiner inneren Würde durch die sparsame Bildsprache und Konzentration auf die kulturellen Inhalte , um überzeugend wirksam zu werden. Und das Bild ist ein exemplarisches Beispiel für eine gelungene Symbiose aus handwerklicher Fähigkeit, stilsicher gewähltem Motiv des Auftraggebers und vorbildlichem Werbe-Medium. Eine überzeugende Form für den stillen Diskurs durch Werbung für die Lust auf Kunst und Kultur!
Ich schaue gerne hin und denke, dass diese Bildbotschaft eindringlich, ohne aufdringlich zu sein, zurecht sagt:
Geht doch mal (wieder) ins Museum! 

Die vielen Angebote von Workshops bis Führungen wahrzunehmen und sich inter-aktiv und teilnehmend im Museum und Begas Haus in Heinsberg umzuschauen und mitzumachen, verspricht einen wohltuenden Mehrwert für das eigene, gelingende Gefühl zu leben.

Version vom  September 2025 – wieder eingestellt nach Serverumzug

18. Mai 2026
von JvHS
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36.000 Jahre moderne Kunst

Miro und Höhlenmalerei: Prähistorische Graffiti und Transformation bei Miró

Anlässlich der Ausstellung „Préhistoire, une énigme moderne“  (2018) im Pariser Centre Pompidou:

Manuelle Blancs Dokumentation zeigt, wie etwa jahrtausendealte Höhlenmalereien einige der größten Künstler des 20. Jahrhunderts inspirierten. Außerdem ging sie der Frage nach, aus welchen Gründen auch zeitgenössische Künstler wieder urgeschichtliche Werke in der Gegenwartskunst aufgreifen.

Das frühe 20. Jahrhundert zählt gleich zwei Meilensteine der Kunstgeschichte: „den Beginn der Moderne und die Entdeckung der prähistorischen Kunst. Picasso, Soulages, Miró, Brassaï, De Staël und Penck waren von Höhlenmalereien und anderen künstlerischen Ausdrucksformen der Urgeschichte fasziniert. Die Dokumentation zeigt, wie jahrtausendealte Zeichnungen einige der größten Künstler der Moderne inspirierten. Das künstlerische Talent der ersten Menschen begeistert Künstler bis heute, wie den italienischen Bildhauer Giuseppe Penone, den spanischen Maler Miquel Barceló oder den französischen Fotografen Raphaël Dallaporta. Die Dokumentation offenbart überraschende Zusammenhänge zwischen prähistorischer, moderner und zeitgenössischer Kunst. Zum einen lässt sie die jahrtausendealten Höhlenmalereien in ganz neuem Licht erscheinen, zum anderen bietet sie eine neue Lesart der Gegenwartskunst.“

Regie : Manuelle Blanc
Land : Frankreich
Jahr : 2018
Herkunft : ARTE TV

Nachfolgende Filme auf ARTE-TV bereiteten die Ergebnisse der Ausstellung von 2018 auf in den unten aufgeführten Fimbeiträgen.

Filme:

  1. Die Höhle von Lascaux  (Frankreich – rund 18.000 Jahre alt)  „Die Serie spinnt die Fäden zwischen großen Meisterwerken und deren Aneignungen durch andere Künstler quer durch die Jahrhunderte. Künstler von heute sind Meister im Kopieren, Bezugnehmen, Zitieren und Verfremden. Klassische Werke, die zu Meilensteinen im unaufhörlichen Fluss des künstlerischen Schaffens geworden sind, erlangen so den Status von Ikonen. Doch um sie herum ändern sich im Laufe der Zeit und mit den Künstlern, die sie aufgreifen, ästhetische Positionen, neue bildliche Umsetzungen und politische Diskurse.“ 
  2. Chauvet-Höhle im südfranzösischen Ardèche-Tal  (Frankreich – etwa 36.000 Jahre alt)  „Mit Hilfe aller wissenschaftlichen Ansätze zeigt die Dokumentation die Chauvet-Höhle nicht nur als Stätte künstlerischen Schaffens, sondern auch als Ort des Zusammenlebens, an dem Mythen und Rituale gepflegt wurden.“
  3. Sulawesi Am Anfang war die Höhlenmalerei  (Indonesien – mindestens 67.800 ) „Lange ging die Wissenschaft davon aus, dass die ersten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte vor etwa 40.000 Jahren in Europa entstanden. Neuerdings stellen jedoch auf der indonesischen Insel Sulawesi entdeckte Höhlenmalereien diese Annahme infrage. Dank einer neuen Datierungsmethode zeigte sich: Eines der Felsbilder ist mindestens 67.800 Jahre alt.“
  4. Abenteuer Archäologie – Die Felsmalereien des San-Volkes (Südafrika – ca.30.000 Jahre)  „Im Südosten Südafrikas haben Archäolog*innen die weltweit größte Ansammlung von Felsbildern entdeckt: 35.000 Zeichnungen! Angefertigt wurden die Bilder, deren älteste Exemplare vor etwa 30.000 Jahren und die letzten im 19. Jahrhundert entstanden, von den San, einem Volk von Jägern und Sammlern.“ 

Abdrucke der menschlichen Hand finden sich weltweit als Motiv bei den entdeckten Höhlen-Malerereien

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Hoehlenmalerei-Abdruck-der-Hand-Inspiration-moderne-Kunst2-Pierre-Talcoat

Picasso

Version von 2018 – wieder eingestellt nach Serverumzug

17. Mai 2026
von JvHS
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Heimat V – vom 19. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert

Im Raum Aachen lebend und somit auch  „Kind des Rheinlands“,  erlebte meine Großmutter noch den Einfluss von Napoleon auf die Verwaltungs-Neuordnung im Rheinland und dem Rheinbund. Ein Einfluss der ebenso wirksam für die Sprache war. So gehörten zum alltäglichen Sprachgebrauch meiner Großmutter französische Vokabeln wie Parapluie, Plafond de chambre, Trottoir, Le plaisir oder Fourneau. Dass der Widerstand gegen Napoleons Herrschaft sich sprachlich auch widerspiegelte, lässt sich an folgender  Erzählung über den Besuch Napoleons in Aachen nachvollziehen:

Die Bevölkerung Aachens wurde von den Stadträten sprachlich vorbereitet, in dem sie beim Vorbeiritt Napoleons „Vive l’empereur“ rufen sollten. Der Aachener Slang/das Plattdeutsch für die Straßenbeleuchtung klang ähnlich. So riefen die Aachener Bürger lauthals „Fies Lamperöhr“ (hässliche Lampenbirne)! 

Aporismen zum Thema Geschichte 

„Die Geschichte eines Hauses ist die Geschichte seiner Bewohner, die Geschichte seiner Bewohner ist die Geschichte der Zeit, in welcher sie lebten und leben, die Geschichte der Zeiten ist die Geschichte der Menschheit.“ – Wilhelm Raabe (1831 – 1910)

„Der Mensch hat einen Sinn für das, was recht ist, und einen Sinn für das, was unrecht ist. Die Geschichte lehrt uns, daß er den ersteren gebraucht, um dem rechten aus dem Wege zu gehen, und den letzteren, um aus dem Unrechten Nutzen zu ziehen.“ – Mark Twain

„Wer die Enge seiner Heimat ermessen will, reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.“ – Kurt Tucholsky

 „Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ ( Ernst Bloch – Prinzip Hoffnung) 

„Heimat, das ist der verlässliche Lebenspartner, und das ist die Sicherheit und Geborgenheit der Wohnung. Heimat, das ist Zufriedenheit mit der selbst geschaffenen, problemgelösten und freien Lebensgestaltung im respektvollen Umgang mit den Mitmenschen. Heimat, das ist Existenzsicherung ohne Entfremdung und Ausbeutung durch selbständige oder angestellte Arbeit in der Demokratie. Heimat, das ist Freude an der Kooperation mit Familie, Freunde und Kollegen zur Gestaltung friedlicher Lebensumstände in globaler Freiheit. Heimat, das ist die lebendige  Sprachvielfalt der Dialekte einer Region in den Alltag einbinden zu können. “ 

Zukunft braucht Herkunft – Philosophische Betrachtungen über Modernität und Menschlichkeit (Odo Marquard):

„Je schneller die Modernisierungen werden, desto unausweichlicher nötig und wichtig werden die langsamen Menschen. Denn die neue Welt kann nicht sein ohne die alten Fertigkeiten (des Humanismus und der Menschenrechte d.V.). Menschlichkeit ohne Modernität ist lahm (und ohne Einfluss d.V.); Modernität ohne Menschlichkeit ist kalt. Modernität baucht Menschlichkeit, denn Zukunft braucht Herkunft.“ – Odo Marquard

Dazu hat Adorno mit seinem Werk „Minima Moralia“ eine Alternative ermöglicht. Ergänzt durch Paul Sailer-Wlasits` Streitschrift „Minimale Moral“, um das „beredte Schweigen in der Gesellschaft“ zu überwinden. Für eine reale Demokratie und eine Arbeit, die ohne Entäußerung und Entfremdung (Bloch) möglich ist, dafür muss jeder sich engagieren und jeder Einzelne hat dafür auch die Verantwortung.

Der Rest ist Schweigen (Artem Zolotarov)

 Ergebenheit in milden Zügen
Verloren-Sein im Lebenstraum
Die Tage streifen grell vorüber
Die Klänge flüstern scharfe Klingen.

Vergebung, Nachsicht, Offenheit
Rastlose Wärme – augenscheinlich
Das Warten wundet freundlich kühl
Der Schmerz wird wertvoll mit der Zeit.

So faszinierend diese Welt ist
Sie scheint so uferlos entgleist
Unsäglich fern in Beinahworten
Und doch so nah, wenn sie nur schweigt

17. Mai 2026
von JvHS
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Heimat IV – real/irreal

Bilder aus einer Zeit, in der die Langsamkeit noch nicht entdeckt werden musste, sie realer Bestandteil war, das Leben sofort spürbar, weil Grundbedürfnisse der Natur abgerungen wurden; heute aus der sicheren Wärme des Wohlbehagens gerne Fantasien der “guten alten Zeit” hervorrufen bis hin zum Mythos: Früher war immer besser?  

„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“ ( Ernst Bloch – Prinzip Hoffnung)