Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

Für die Freiheit der Kunst und Kultur – Rolf Mallat ein exemplarisches Beispiel

Im Spannungsfeld von kunstgeschichtlicher Vergangenheit und Gegenwart präsentiert der Kunstverein Region Heinsberg den Künstler Rolf Mallat und seine neueren Werke. In der Eröffnung zur Ausstellung „Zeit-Räume“ hielt Ingrid Trantenroth-Scholz die Laudatio, in der sie den künstlerischen Werdegang für das Publikum nachvollziehbar machte. Im Dialog mit dem Künstler betonte Trantenroth-Scholz die kunsttheoretischen und ästhetischen Positionen und erläuterte diese anhand zweier großformatiger Werke. Rolf Mallat ließ die Zuhörer ergänzend Einblick in seine künstlerische Weltsicht nehmen. 

Rolf Mallat vor Bild mit Otto Dix und Frau im roten Mantel

Rolf Mallat, der in Bonn geborene und in Troisdorf lebende und arbeitende Künstler, habe in Köln bei Prof. Strack Kunst studiert, stellte die Laudatorin Trantenroth-Scholz den Künstler vor. „Ausgehend von der naturalistischen Gegenstandsmalerei und der expressiven Abstraktion bis hin zur ungegenständlichen Malerei reicht das künstlerische Repertoire“, beschrieb Trantenroth-Scholz den Beginn und den künstlerischen Weg Mallats. 

Zwischenzeitlich sei Mallat aber wieder zurückgekehrt zu den Anfängen der gegenständlichen Darstellungen. „Wie sehr der Mensch im Mittelpunkt steht, sieht man an den neueren Motiven“, verwies die Laudatorin auf einzelne ausgestellte Bilder wie die, in denen Otto Dix und Edward Hopper – einem deutschen und amerikanischen Vertreter der Neuen Sachlichkeit – Bildbestandteile sind. Die kunsthistorischen Persönlichkeiten habe Mallat als Verweise in seine Werke eingeflochten. Elemente der Bildsprache Otto Dix fänden sich in Mallats Werk wieder. Während Dix jedoch seine Frauengestalt in rotem Outfit und bekannt als „Silvia von Harden“ fast karikaturenhaft dargestellt habe, anonymisiere und stereotypisiere Mallat seine Frauendarstellung auch als Anklang an das unpersönliche und austauschbare Bild der heutigen Model-Frauen.

Rolf Mallat vor Bild mit Edward Hopper

Mallats Bilder seien ruhige Schilderungen der uns umgebenden Welt. Die Alltagsszenen in den typischen collageartigen Bildern gäben einerseits einen leichten Einstieg in die Bildgeschichten. Gleichzeitig sei die Bild- und Formensprache differenziert und komplex, um über den ersten Anschein des Erzählerischen hinauszugehen. Form – und Bildsprache lassen einen entdeckenden Weg zu, der dem Betrachter Raum und Zeit gäben für eigene Erinnerungen und Wahrnehmungen. 

„Ich nutze meine künstlerischen Erfahrungen als Freiheit, um die verschiedenen Techniken zur Gestaltung zu nutzen“, ließ Rolf Mallat sein Publikum wissen. „Mich von der reinen abstrakten Malerei abzuwenden, geschah auch, weil ich mich als Maler nicht mehr in meinen Bildern wiederfand“, beschrieb er einen Teil seines Werdeganges. Der habe nun zu einem Punkt geführt, kunsthistorisch sehr bewusst als Künstler zu agieren. 

Im persönlichen Gespräch verriet Mallat auf die Frage, was für ihn Motivation zum Malen sei, dass er darüber nie nachgedacht habe. „Als Junge von elf, zwölf Jahren hat mir die gegenständliche Malerei einfach schon Spaß gemacht. Nach dem Abitur war für mich klar, dass ich Künstler werde wollte“, ließ Mallat keinen Zweifel an der frühen Entscheidung für ein Künstler Leben aufkommen. 

Rolf Mallat mit Laudatorin Ingrid Trantenroth- Scholz

„Es gibt keine einfachen Wahrheiten und der Mensch lebt nicht nur im Hier und Jetzt, sondern hat seine geschichtlichen Erfahrungen und Umstände, die ihn prägen“, betonte Mallat den Einfluss der Sozialisation auf den einzelnen Menschen. Sein so geprägtes Weltbild sei nicht vordergründig politisch, wie dies bei Otto Dix noch der Fall sei. „Ich bin offen für die Assoziationen, die das Leben bietet“, beschrieb er seine Menschen zugewandte Sichtweise. 

Seine Bilder sind von sympathischer Wirkung und Ausstrahlung, wie dies vor allem in seiner Portraitgalerie nachvollziehbar wird. In ihnen spiegelt sich das offene Wesen des Künstlers wider. Die Ausstellung ist noch bis zum 20. März 2016 geöffnet. (Johannes W. Bindels)

Veröffentlichung unter: Heinsberger Zeitung / Geilenkirchener Zeitung / Heinsberger Nachrichten im Zeitungsverlag Aachen

 

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