
Heimat – wer sich damit beschäftigt, wird Erinnerungen auslösen, die wiederum die Gefühlsglocke in uns anstimmen. Heimat – ein Begriff, der zwar auch aber oft für mehr steht als nur ein Ort, Rückzugsgebiet und Sicherheitshort zu sein. Heimat steht für ein Grundbedürfnis nach Geborgenheit und ist gleichzeitig die Geschichte eines jeden Menschen. “Homeland” und “roots” sind zwar Bestandteile, aber längst kein Synonym für dieses urdeutsche Wort.
Edgar Reitz, Regisseur, hat in der Film-Trilogie “Heimat- Eine deutsche Chronik” – eine Annäherung versucht. Das 20. Jahrhundert und die Menschen des Hunsrück in mehr als 3300 Filmminuten. Heimat als filmisches Geschichtsbuch mit den Zeitabschnitten, die bis heutezu ihre Auswirkungen auf das Denken, das Fühlen und das Handeln der Menschen in Deutschland haben. Verstrickungen und Schuld, Ausbruch und Loslösung, Tradition und Moderne, Widerspruch und Vereinnahmung und die jeweiligen Utopien und Realitäten der 20er , 30-40er, der 50, 60 und 70er Jahre in Westdeutschland, Dorfleben und Stadtleben bis hin zum “Aufbruch nach Wild-Ost”, ausgelöst durch den Herbst 1989 und fortgesetzt mit dem folgenden Jahrzehnt.
Ein opulentes bildnerisches Angebot an “Ja, so war es; kenne ich auch so…” Solange Heimat vorhanden ist, wird sie nicht vermisst, ja nicht einmal hinterfragt. Erst durch den Verlust aufgrund von Emigration, erst aus der Ferne wird daraus eine Krankheit: Heimweh. Wie Theodor Fontane schrieb: “Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen”. Vor allem fehlt dann die Sprache, der Dialekt, die sprachliche Sicherheit. Wer versteht schon Witze in fremder Sprache? Erst wer in der Sprache träumt, ist zuhause. Denn die Heimat der Sprache ist die Muttersprache.

Ist Heimat Existenz oder Essenz (Kierkegaard), Wille der Vorstellung (Nietzsche) oder einfach nur Begierde (Schopenhauer)? Vielleicht hilft dem jetzigen Menschen eher das Verständnis von “Heimat” als “ein kümmern um uns selber zu sein” (Jaspers), sozusagen die Fähigkeit zur Achtsamkeit für das eigene Leben wie das der Mitmenschen.”

Heimat ist die Fähigkeit, jeden Augenblick wahrzunehmen und für sich wertschätzend zu gestalten. Zum Beispiel einen Sommerabend an einem Tisch draußen zu verbringen unter der Wieder- Entdeckung der Langsamkeit.
