
Willi Palm – Fotograf / Ausstellung „Schwarzwald 1901“ / Bergfried Wassenberg
Wassenberg. Die Räume des Bergfrieds in Wassenberg waren wieder Ort einer außergewöhnlichen Ausstellung. Der Fotograf Willi Palm präsentierte seine Schwarz-Weiß-Fotografien, bei denen das Hinschauen lohnenswert war, weil auch den Details Raum gegeben wurde. Mit gleichermaßen sensiblem wie genauem Hinsehen nahm er den Kulturraum Schwarzwald in den Blick.
Das Ergebnis sind Bilder über Natur, Landschaft, Menschen und Vergänglichkeit, die im Betrachter Gefühle der Sehnsucht und Heimat auslösen.
Dem Zeitgeist nachgespürt

Seit Jahren reise er in den südlichen Schwarzwald, immer an die gleichen Orte, verriet Willi Palm im Gespräch. „Schwarzwald 1901“ habe er seine Ausstellung genannt, weil er dem Zeitgeist der damaligen Jahrhundertwende gerne nachspüre. Die Schwarzwaldhäuser übten eine Faszination auf ihn aus, so dass er auch jeweils in einem dieser Häuser wohne, wenn er sich in der Region aufhalte. Viele seien jedoch leerstehend und würden verfallen. Die Vergänglichkeit des Lebens spiegele sich in diesen Häusern wider. Auch wenn die Faszination für die schindelgedeckten Schwarzwaldhäuser an den baumbestückten Hängen sich in vielen Fotos widerspiegele, so sei das Gespräch mit den Menschen, die in diesem vergehenden Kultur- und Naturkreis ihre Heimat hatten, ebenso wichtig für ihn, betonte Willi Palm. Zwei eindrucksvolle Porträts belegen den Respekt vor den Menschen und ihre Verbundenheit zu ihrer Heimat.

Mit einer kurzen Beschreibung seines fotografischen Wirkens und dass „die Ursprünglichkeit der Orte und Landschaften“ im Mittelpunkt seiner Interessen stehen, ließ Willi Palm lieber seine Bilder sprechen. Ergänzend betonte er, mit der bewussten Entscheidung für Schwarz-Weiß-Fotografien wolle er einen Gegenpol zu den Hochglanzprospekten setzen.
In einem kurzen Dialog mit Bürgermeister Manfred Winkens erläuterte Palm exemplarisch seine Werke. „Im Bergfried, der guten Stube Wassenbergs, ist immer etwas los“, formulierte Winkens seine besondere Freude, dass wieder jemand ausstelle.
Der gelernte Fotograf nutzt die Schwarz-Weiß-Fotos als Abstraktionsmittel und druckt diese auf Barytpapier aus, was die Darstellung der gesamten Bandbreite der grauen, schwarzen und weißen Töne ermöglicht. So arbeitet Willi Palm mit brillantem Weiß, welches aus den Grau- und Schwarztönen herausleuchtet, das Geheimnisvolle der Landschaft heraus.

Relikte

Neben den Fotos präsentierte Palm in einer Collage ergänzend die Relikte der Schwarzwaldheimat. Heimat, ein Begriff, der in allen Beträgen aufgegriffen wurde und von dem der Philosoph Ernst Bloch formulierte, als würde er sich auf Palms Bilder beziehen:
„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat.“
„Schwarzwald 1901“: Geheimnisse der Landschaft im Fokus
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