Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

Werdum – vom historischen Siedlungs- und Landgewinnungsort zum Luftkurort

In der Ostfriesen Zeitung vom 03. Juni 2026 lautet die Schlagzeile auf Seite 9: Wasser im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Wer auf oder an den Deichen steht, erkennt, worum es an den Küstenrändern Ostfrieslands schon seit Jahrhunderten geht: die Regulierung des Meerwassers, welches durch Flut und Ebbe kommt und geht. Und die Menschen in der Region haben dazu ein ambivalentes Verhältnis, weil dieser Wechsel von Flut und Ebbe den Menschen bis heute viel abverlangt. Jenes, was mühsam dem Meer an neuen Landflächen abgerungen wurde,  gilt es zu bewahren und zu schützen. Wassermanagement zu betreiben und zu beherrschen, das ist ein wichtiger Baustein der Lebensgrundlagen der hier wohnenden Menschen.

Und so ist es kein Wunder, dass mit dieser Thematik auch der Ortsführer und Kulturvereins-Vorsitzende Johann Pieper seinen Einstieg in die Führung durch seinen Heimatort Werdum vornimmt. In anschaulicher Weise und anhand kleiner geologischer Landschaftskarten erläutert er die Entstehung Werdums. Eine Ortschaft, die seit rund 750 Jahren besteht. Die verschiedenen Verläufe der Küstenlinien lassen sich an den nachfolgenden Karten nachvollziehen.

Foto 1 Harlebucht-Karte Ortsführer Johann Pieper (blaueingefärbte Flächen sind von Flut und Ebbe betroffen!)

Werdum lag auf einer Anhöhe und war zu keinem Zeitpunkt Teil der Harlebucht. Der Fluss Harle entspringt im Moorgebiet im Wittmund und mündet in der Harlebucht. Das bedeutete für die in Werdum siedelnden Anwohner schon vor rund 500 Jahren, die Küstenlinie zu befestigen, den Zufluss und Abfluss des Meerwassers zu überwachen, zu regulieren und zu sichern. Am Deichbau mitzuwirken, war Pflicht für alle Anwohner. Dies gilt bis zum heutigen Tag, auch wenn es schon  einige hundert Jahre zurückliegt, dass Werdum mal einen Hafen hatte. Heute wird ein jährlicher Beitrag von jedem Grund- und Bodenbesitzer eingezogen, um das weiterhin notwendige Wassermanagement zu finanzieren.

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Die Karte zeigt skizzenhaft den Verlauf des Flusses Harle sowie die Harlebucht (blaue Flächen) und ihre Deichverläufe (violette Linien) im Laufe der Jahrhunderte und Jahrzehnte!

Johann Pieper (im 71ten Lebensjahr) lebt seit seiner Geburt in Werdum und weiß bei seinen Kommentaren während der Ortsführung so manches Erlebnis einzubinden, welche die Zuhörer gebannt seinen Erzählungen folgen lässt. Sei es jetzt, wie geheimnisvoll – durch den Gründer stillschweigend bis zum letzten Tag vor der Eröffnung –  die erste Bierbrauerei in Werdum um das Jahr 2000 entstand und die Dorfbewohner rätselten, was im ehemaligen Landwirtschaftshof wohl entstehe.

St. Nicolai – Werdum

Oder welche Straßen und Häuser rund um die Kirche, die auf einer Anhöhe errichtet wurde, zum Kern der Ortschaft gehörten und wann sie entstanden sind. Straßennamen (Alter  Schulweg) sind nicht zuletzt ein Verweis auf die Funktion von Gebäude, welche  längst umgewidmet wurden wie zum Beispiel die Schule.

Daten zur Kirche und wann das Gebäude auf einer Warft errichtet und erstmals erwähnt wurde, waren Bestandteil einer weiteren Erzählung durch Johann Pieper. (Fotos: Kirche und Innenraum)

Kirchen-Innenraum St. Nicolai mit Chor und Altar und links neben der Treppe das Taufbecken!

Weitere Stationen der Ortsführung durch Werdum waren: Burg Edenserloog, die letzte Burg des Harlingerlandes und Sitz des Häuptlings (friesisch: Hovetlinge oder Hovedlinge) in den letzten Jahrhunderten. Johann Pieper erwähnte die Besonderheit dieser Organisationsform des Zusammenlebens, in dem Ostfriesland keiner Lehnsherrschaft unterstand. Johann Pieper betonte die so praktizierte Form der Demokratie, in dem im 12.-14. Jahrhundert jedes Gemeindemitglied prinzipiell gleichberechtigt war.

Dies galt für alle Hofstellen und Feuerstellen (Bauernhof und kleine bedachte Häuschen). Doch auch dieses System (mehr Demokratie praktizieren) und Bestandteil des („friesischen Freiheitskonzeptes) wurde ersetzt, indem die Funktion des „gewählten Häuptlings“ in die dynastische Funktion des „Häuptlings“ als Stand  und Standesherrschaft sich wandelte.

Und nicht zuletzt ist die Station „Haustierpark“ (PDF-Datei!) Bestandteil des Rundgangs bei der Ortsführung durch Werdum!

Die Gemeinde Werdum ist Teil der Samtgemeinde Esens im Landkreis Wittmund. (Werdum liegt 6,3 m über Meeresniveau (NN) und befindet sich ungefähr zehn Kilometer in direkter Linie nordwestlich von Wittmund. Die Warfen Siedlung liegt inmitten eines ausgedehnten Knickmarsch-Gebietes mit einer Höhe von 0,5 – bis 1,5 m über NN.) (Quelle: PDF-Datei )

Mit ca. 750 Einwohnern  ist Werdum die kleinste Gemeinde der Samtgemeinde Esens. Der Kernortsteil Werdum wurde zum ersten Mal 1327 als „Weerdum“ erwähnt. 1420 erhielt der Ort den heutigen Namen. Werdum wurde abgeleitet von dem Begriff „werthum“, was so viel wie „Geländeerhebung im Feuchtgebiet“ bedeutet!

Der namensführende Ortsteil Werdum liegt 6,3 m über Meeresniveau (NN) und umfasst vor allem die Kirche St. Nicolai mit den direkt anliegenden Gebäuden und Straßen.

Die Reihen-Siedlung Gastriege entstand auf einem Sandrücken und wurde 1670 erstmalig urkundlich genannt. Der Name dieses Ortsteils bedeutet „Reihensiedlung auf dem höher gelegenen Ackerland“.

Der Ortsteil Edenserloog gründet auf der Burg Edenserloog; und wird 1491 als Edelens erwähnt.

Was spricht für den Luftkurort Werdum, um dort Urlaub zu machen? In erster Linie die Menschen, die ihre Unterkünfte als Ferienwohnungen oder Zimmer zur Verfügung stellen und deren Zufriedenheit, Humor und Freundlichkeit die Grundlage für eine entspannte und erholsame Urlaubszeit bilden.

Die Nähe zum ostfriesischen Wattenmeer mit seinen vorgelagerten Inseln  bietet spannende und interessante Begegnungen und Erlebnisse. Das „platte Land“ ist ideal fürs Fahrradfahren.

Kulturelle und historische Entdeckungen lassen die Siedlungsgeschichte der Region lebendig werden: Wie wurde wann wo gelebt? Zwischen Marsch und Geest sind die Spuren der Natur- und Landschaftsform bis heute sichtbar. (Museum: Leben am Meer).

Museumswiese mit Erdholländer Mühle, Backhuus (links) und Historische Schmiede (rechts)

Die Infrastruktur für touristische Angebote (Haustierpark, Kneippanlage, Wohnmobilplatz und Werdumer Museumswiese mit Backhuus, Erdholländer Mühle mit Mühlenbesichtigung und Historische Schmiede, in der ein Schmiedemeister seine Handwerksfähigkeiten nutzt und Schmiedearbeiten durchführt) lässt mehr als 20000 Gäste im Jahr in Werdum anreisen.

Haustierpark in Werdum

 

Werdum ist zudem ein Startpunkt für Besuche:

  • Inselbesuche von Bensersiel /Esens nach Langeoog
  • Von Neuharlingersiel nach Spiekeroog
  • Emden (Kunsthalle mit sehenswerten Ausstellungen),
  • Norddeich mit seinem faszinierenden Drachenfest

Alle Fotos (c) JWB!

Luftkurort Werdum – Harlinger-Land in Ostfriesland

Rückblick auf 2025 in Werdum!

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