Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

Angst essen Seele auf, trübt den Verstand und lässt die Zustimmung zu den Antidemokraten á la AfD steigen!

„Angst essen Seele auf“,

heißt der Titel des Sozialdramas von Rainer Werner Faßbender aus dem Jahr 1974, der die soziale Unterdrückung und Ausgrenzung von „Gastarbeitern“ in den frühen 1970er Jahren thematisierte. Erst wenige Jahre zuvor ist mit der Wahl Willy Brandts, des ersten SPD-Kanzlers in der Nachkriegszeit, die anachronistische Adenauer-Ära nach dem Niedergang der konservativ-bürgerlichen CDU/CSU-Kanzlerschaften (Adenauer, Erhard und Kiesinger) abgelöst worden.

Die Einordnung der Filminhalte als Sozialdrama bildet die Alltagserfahrungen der Menschen Anfang der 1970er Jahre ab, in der die rechtskonservativen Werte der rund zwei Jahrzehnte währenden Regierungsmacht der Unionsparteien bis in die letzten Fasern verinnerlicht worden und wirkten weiter. Exemplarisch wird die Ausgrenzung der in Deutschland lebenden „Gastarbeiter“  thematisiert! Zudem werden die prekären Lebensumstände weiter Teile der Arbeiterschaft verdeutlicht, wie es die Protagonistin „Emmi“ im Film  durch ihren Job als Putzfrau erfahren muss. Sie verliebte sich in den „Gastarbeiter“ Ali aus Marokko.

Dabei geraten das aus der Zeit des Hitler-Nazi-Terrors übernommene, autoritäre Wertesystem und der Wunsch der Protagonisten Emmi und Ali auf die Toleranz ihres gesellschaftlichen Umfeldes in Konflikt. So müssen sie erfahren, dass ihnen beim Versuch – sich trotz aller Mentalitätsunterschiede, ihr privates Glück erfüllen zu können – immer wieder die „Steine der Vorurteile“ in den Weg gelegt werden.

Die Angst zu scheitern, die durchzieht die Filmsequenzen und zermalmt die Hoffnung der Protagonisten auf das private Glück und auf das gelingende Miteinander der kulturell-unterschiedlichen Sozialisationen.

Angst hemmt die Kreativität, behindert die Entfaltung der Empathie, verdrängt Toleranz und beschleunigt die Ausgrenzung. Stattdessen wächst Gewaltbereitschaft und die Unfähigkeit zur Konfliktlösung.

Angst zu verbreiten, ist das Mittel, welche antidemokratische Parteien wie die AfD einsetzen, um ein  System der autoritären, bestrafenden und jede Opposition unterdrückende Realität zu installieren. Dazu wird das faschistische Konzept der „Führerschaft“ in die Köpfe verankert. Zur Angstbewältigung wird die Unterwerfung angeboten, verbunden mit der Forderung, die Entscheidungen und die Mitbestimmung abzugeben an den oder die „Führer“!

Die Propaganda des „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns und wird ausgegrenzt, vertrieben oder bestraft“ greift in dieser Stimmung um sich. Ausgrenzungspropaganda steckt auch in Trumps „Amerika first again“ und „Make Amerika great again!“  Sowie in den Sprüchen der AfD-Führungen: „Wir holen uns unser Land zurück“! Wobei die Steigerung dieses Ansatzes in „Deutschland den Deutschen“ steckt. Wer ausgrenzt, blockiert die Entwicklung zur Fähigkeit des Miteinanders!

Nur wer differenziert und jeden Missbrauch und jeden Rechtsbruch, egal wer diese begeht, rechtsstaatlich verfolgt, der schafft eine Gesellschaft, die auch die Mechanismen des Faschismus und der Unterdrückung erkennen lassen und die Freiheit sichern hilft.

Hannah Arendt hat diese Mechanismen analysiert. Und sie formulierte zu Recht, dass die Nazis die Feinde der demokratischen und freien Gesellschaft seien!  Dies konnte – wie heute die Wähler der AfD – damals jeder wissen! Dazu braucht es nicht die Wahlzustimmung und Unterwerfung der Wähler der AfD heute oder die „Machtergreifung Hitlers“ damals Anfang 1933!  Hannah Arendt bezeichnete sich als Mensch, der “politische Theorie“ zur Grundlage seiner Analysen erhob. Hannah Arendt hat die Ausbreitung der Angst in der Bevölkerung als ein politisches Prinzip bezeichnet. (siehe: Das Zeitalter der Angst – ZDF – Maike Weißpflug – politische Theoretikerin ab min. 23.20!)

Wie schnell es geht, dass Menschen durch Ignoranz der formulierten Ziele der AfD und durch die  fehlende Abwehr regierender rechtskonservativer Parteien, (wie durch die Unionsparteien), die  Demokratie schwächen können, das dürfte jedem aufmerksamen Beobachter der politischen Entwicklung klar sein. Denn die  Ängste der Menschen, dass sie Opfer des neoliberalen Kapitalismus werden, weil die Fehler dieses Wirtschafts-Systems immer zu Lasten der Lohnarbeiter gehen, sind berechtigt. Damit steigen die Ängste in der Bevölkerung und die Betroffenen werden in die Arme der Antidemokraten getrieben!

Zeitgleich wird dabei klar, dass die Lehren aus der Geschichte vergessen und verdrängt werden und die Feinde der freien Gesellschaft an die Macht durch den Missbrauch der demokratischen Wahlen gebracht werden!

Den Zustand der vortotalitären Stimmung haben wir auch in Sachsen-Anhalt wieder feststellen können. Die Verharmlosung dieser Entwicklung ist nachvollziehbar, in dem Ulrich Siegmund in den Sozialen Medien als „Mann aus dem Volk“ dargestellt wird, der seine Grillwurst am Wahlsonntag-Mittag im Kreis seiner Familie und Freunde isst, wie die Mehrheit seine Wähler es tun! Wer diese Machtfigur so darstellt, der unterschlägt den in den AfD-Programmen beschriebenen Umbau der Demokratie in eine autokratisch-totalitäre Regierungs- und Gesellschaftsform durch diese Person!

Ursache ist die von der Bundesregierung verdrängte Wahrnehmung der Angst der Menschen vor den Existenzbedrohungen durch Arbeitsplatzverlust, Wohnungsnot, Gesundheitsgefahren und Perspektivlosigkeit. Gleichzeitig wird die Gerechtigkeit durch die Bundesregierung zurückgefahren, weil sie Klientelpolitik betreibt! Die Fehler der Unternehmensführungen treffen nur diejenigen, die ihre Existenz durch Arbeitslohn sichern müssen, während die Vermögensinhaber ihre Vermögen durch leistungslose Vermehrung mittels Anlagen an den Börsen verwirklichen.

Miteinander respektvoll umzugehen, dem Gegenüber zuzuhören, Kompromisse einzugehen und zu verstehen, „dass die Freiheit nur gelebt werden kann, wenn die Freiheit des Gegenübers mitgedacht wird“, das kann nur im Rahmen der rechtsstaatlichen Demokratie realisiert werden!

Statt AfD wählen „Mehr Demokratie“ leben!

Das Einüben solcher Fertigkeiten kann mittels Wissen in Aktivität umsetzen werden!

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