
Gertrud Schaefer mit ihrem Kunstobjekt „Dedactulus“, Objekt einer exzellenten Technik der Tonverarbeitung.
Kreis Heinsberg. Bei der Kunsttour, dem Tag der offenen Ateliers und Galerien in der Freizeit-Region Heinsberg, werden in diesem Jahr auch einige „Neulinge“ dabei sein, sprich Künstlerinnen und Künstler, die zum ersten Mal teilnehmen. Eine von ihnen ist Gertrud Schaefer.
Auf ein abgeschlossenes Studium an der PH Aachen bei Professor Benno Werth im Lehramt für Kunst und Textilgestaltung blickt die Künstlerin zurück. Sie lebt und arbeitet in Heinsberg-Kempen. Schon im Studium macht sie erste Erfahrungen mit dem Material Ton. Bis zum heutigen Tag ist Ton das Ausgangsmaterial vieler ihrer Werke. Im eigenen Ofen werden ihre gestalteten Objekte bei bis zu 1240 Grad gebrannt. Neben dem Steingut sind Objekte aus Porzellan, deren Oberflächen als farbiges Dekor ausgelegt sind, ein weiteres Betätigungsfeld für ihre Experimentierfreude. Dabei lässt sie sich von der Formenfülle der Natur inspirieren.
„Ich bilde nicht nach oder ab, wenn ich arbeite. Im Umgang mit dem Material erfolgt eine Neugestaltung“, beschreibt sie im Gespräch ihr experimentelles Vorgehen beim künstlerischen Gestaltungsprozess. So habe sie eine große Erfahrung sammeln können, auch um die plastische Masse des weichen Tons in Formen zu bringen, die gerade ohne die sonstigen Hilfsmittel der Stützung auskommen und bei den Werkstücken ein Erstaunen beim Kenner aufkommen lassen.

Foto2: Objekt aus geschichtetem Ton, die Metamorphose zum Schmetterling durch Verpuppung der Raupe gleichend.
An eine große verpuppte Raupe, aus der in Kürze ein bunter Schmetterling sich herausarbeiten könnte, erinnert eine ihrer Skulpturen. Wie Antonio Gaudi die Stabilität der Pflanzenstruktur auf seine Architektur anwendete, so lässt Gertrud Schaefer die äußere Hülle ihres Kunstwesens entstehen. Eine fein strukturierte Oberfläche und doch feste Hülle entsteht, gebildet aus gerissen Tonplättchen, die das Innere verdeckt und der Fantasie überlasst. „Die äußere Form soll die Innenwelt nicht erkennen lassen“, beschreibt sie ihre Idee zu dieser Plastik.

Foto3: Objekt, bei dem das Innere schon nach außen dringt und doch noch verborgen bleibt.
Die verschiedenen Entwicklungsstufen sind an ihren Objekten nachvollziehbar. So dringt und wächst nach außen, was noch innerlich verborgen ist. Wie Fruchtkörper oder Wesen mit Tentakeln und kleinen Röhren präsentiert Schaefer verschiedene Oberflächen – von glatt bis rau, immer jedoch ein wenig an Wesen aus einer anderen Welt erinnernd. Im nächsten Entwicklungsschritt ermöglicht sie einen Einblick in die Innenwelt ihrer wesenhaften Objekte.

„Dedactulus – ein Kunstwort und aus verschiedenen Bedeutungen zusammengesetzt“, nennt sie eine dieser Kunstobjekte. Mit feinsten Details und bis zu den kleinsten Fruchtfäden geschichtet zusammengefügt, erscheint das Innere wie bei der aufgeschnittenen Hälfte eines Fruchtkörpers. „Es soll eine Entdeckungsreise von außen nach innen stattfinden“, erläutert sie diese Gestaltungsphase. Die Lust am Experimentieren ist auch beim nächsten Objekt erkennbar.

Foto4: Objekt, dem Schnitt durch die diffizile Architektur eines Insektennestes gleichend, die Schichtung und die Spannung beim Brennvorgang steuernd.
Wie bei einem Schnitt durch ein kunstvoll zusammengefügtes Insektennest wird sichtbar, wie die feinen, geschichteten Lagen zusammengefügt sind. „Hier kommen beim Brennen unterschiedliche Spannungen zum Tragen“, verweist sie auf handwerkliche Fertigkeiten und Kenntnisse, die jeder gelungenen Kunst vorausgehen.
Seit dem Jahr 2005 nimmt Gertrud Schaefer an Ausstellungen teil. So hat sie unter anderem ausgestellt im Künstlerforum Schloss Zweibrüggen, im Kunstverein Heinsberg und im Künstlertreff EESDRON. Die Motivation zur Teilnahme mit einer Einzelausstellung an der Kunsttour habe verschiedene Aspekte: „Ich wollte wissen, wo ich stehe mit meiner Kunst und mich der Bewerbung stellen. Und ich wollte mit meinen Objekten die Keramik aus dem Nischendasein der Kunstszene hervorholen“, lässt sie das Engagement zu ihrem Material erkennen. Gleichzeitig verbinde sie damit auch eine Botschaft und sehe ihre Kunst in gesellschaftlicher Funktion: Schaut genauer hin, was um euch herum geschieht, will sie ihre Mitmenschen wissen lassen. Ihre Kunst ist nicht provokant, sondern bleibt dabei eher leise, aber umso beeindruckender.
Ihre Kunstwerke sind in den Räumlichkeiten des atelier-k in der Hochstraße 45 in Heinsberg während der Kunsttour am Sonntag, dem 07. Mai 2017 zu sehen. Die Räumlichkeiten sind auch schon am Samstag, dem 06. Mai von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. (jwb)
Fotos: © JWB
Version vom 06. Mai 2017 – wieder eingestellt nach Serverumzug