Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

Konservatismus – Formen und Inhalte II

Wolkenmeer

Auf diesem Blog wurde das ein oder andere Mal der Philosoph Odo Marquard zitiert mit der Schlussfolgerung seiner philosophischen Betrachtungen über Modernität und Menschlichkeit: Zukunft braucht Herkunft! Ein Aphorismus, der als Platzhalter dient für Haltung und für das so  entstandene Weltbild. Und genau das wird erst sichtbar im Kontext des versprachlichten Denkens und den damit verbundenen Handlungen.

Welche Inhalte sich in den Begriffen entdecken lassen, setzt voraus, zur erkunden, was für Odo Marquard Modernität, Zukunft und Herkunft und nicht zuletzt Menschlichkeit bedeuten!

Im Begriff „Herkunft“ steckt eine große Bandbreite an unterschiedlichen Entwicklungen: vom Lernen durch Persönlichkeitsvorbilder, über die Bandbreite der Sozialisationserfahrungen (Bildung, Förderung der freien Entfaltung, Gewaltlosigkeit) bis zur Ideologisierung, Machtausübung und Unterdrückung reichen sowohl negative wie positive inhaltlichen Ausformungen, was „Herkunft“ bedeuten kann. Dazu gehört auch jenes, was „Tradition“ genannt, obwohl auch darunter diametral gegensätzliches Denken und Handeln sich verbirgt. So habe die indigenen Völker in Süd-und Nordamerika über Jahrtausende ihre kulturell unterschiedlichen Traditionen vor der Ankunft der Europäer 1492 gepflegt, die von den Kolonisations-Traditionen der Spanier, Franzosen und Engländern vernichtet wurden, die Ausbeutung durch Sklaventum sowie Gold und Bodenschätze raubten und durch Krankheiten zu 90 Prozent zu Tode kamen.

Konservative Gesellschaftsteile, oft aus dem Bürgertum im 19. Jahrhundert entstanden, die ihren Wohlstand in den Gründerjahren ebenso durch Ausbeutung der Arbeitskraft verdankten, begünstigten den Aufstieg Hitlers.

Odo Marquard studierte ebenso bei dem Philosophie-Professor Joachim Ritter in Münster, wie Hermann Lübbe und Robert Spaemann. Eine Gruppe von Philosophen, die alle mehr oder minder verstrickt war in den Institutionen des Nationalsozialismus und seiner Ideologie sowie der Diktatur als Lebenserfahrung. Ritter, der seine Professur nur durch Anpassung behielt. Marquard hatte mutig offengelegt, dass er Adolf-Hitler-Schüler war und die dort gemachten Erfahrungen nach 1945 aufarbeitete. Lübbe war NSDAP-Mitglied und verwies – wie Günter Grass – darauf, dass die Mitgliedschaft in Folge des Militäreinsatzes zwangsweise erfolgt sei.

Jens Hacke, Historiker und Politikwissenschaftler, betont in einem veröffentlichten Interview, dass  Lübbe wie Marquard sich als Liberalkonservative verstanden, die für die junge Bundesrepublik als Staat waren, in der Freiheit, Grundrechte und das politische wie Handeln nur auf dem Boden des Grundgesetzes zur verwirklichen seien. Lübbe sei es um ein Verständnis von Staat gegangen, in der die Zivilgesellschaft stark sein sollte. Lübbe lebte und lehrte ab 1971 in der Schweiz und vertrat aufgrund der gemachten Erfahrungen, dass direkte Demokratie wie Volksentscheide und Bürgerentscheide zur notwendigen und starken Zivilgesellschaft sehr wohl gehören sollten. Eine Entwicklung von Konservatismus, die deutlich freiheitsorientierter sich darstellt, als das Verständnis von Konservatismus bei der klientelorientierten Form des Amthor-, Merz – und wirtschaftsverstrickten Konservatismus mit seiner Affinität zur neoliberalen Autokratie und Kontrollsucht der Zivilgesellschaft.

Die Orientierung dieser politischen Kaste an die bundesrepublikanische Alltagsrealität der Adenauer-Ära, in dem Ex-Nazis wie Arnold Gehlen noch Einfluss hatten mit ihren Vorstellungen vom starken Staat, der sich nicht reinreden lassen darf, dann sind wir bei den reaktionären Vorstellungen der CDU-Werteunion und Typen wie dem ehemaligen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen (Ex-CDU Mitglied), in dessen Dunstkreis sich auch Philipp Amthor befunden hat.

Eine völlig andere Weltsicht und Vorstellung von Konservatismus als bei Odo Marquard, der in seiner Philosophie die Aufarbeitung des Konservatismus als absolute Wahrheit und ausschließende Weltsicht gelungen ist! Marquard würde dem rechthaberischen Habitus der Werteunion widersprechen und das Handeln eines Philipp Amthor, der das Informationsfreiheitsgesetz abschaffen will, als autokratische Weltsicht ablehnen!

Zitat aus Wikipedia:

Odo Marquard beschrieb diesen Circle der „Ritter-Philosophie“ als Teil des Projekts der Aufklärung, die allerdings weniger Descartes, Turgot, Fichte, Marx, Lukács, Sartre oder Habermas nahe stehe als vielmehr Montaigne, Locke, Montesquieu, Tocqueville, Weber oder Lübbe. Marquard selbst „gehörte zu den wenigen im Collegium, auf die die ‚Kritische Theorie’ und insbesondere das Werk Theodor W. Adornos nicht ohne Einfluß geblieben war“.[10]

Zitatende

 

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