Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

21. Mai 2018
von JvHS
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Kunsttour – etablierte Einrichtung in der Kulturwelt im Kreis Heinsberg / Vorstellung: Leo Windeln, Teilnehmer 2018

Leo Windeln in seinem Atelier und Ausstellungsraum vor seinem Bild „Kitscher Bruch“

„Aber hat Natur uns viel entzogen, war die Kunst uns freundlich doch gewogen, unser Herz erwärmt an ihrem Licht.“ – Friedrich Schiller“ 

Leo Windeln ist Konstrukteur im Hauptberuf. Nicht weniger wichtig ist ihm die Landschaftsmalerei. Sein Vater war ihm als Kind schon Vorbild und vermittelte ihm die Wertschätzung für diesen kreativen Vorgang. Seine erste Ausstellung hatte er schon 1980 als Jugendlicher. Den Kunstinteressenten empfängt Leo Windeln in einem großzügigen Raum, in dem er eine Auswahl seiner Werke zeigt. 

„Ihre Bilder sind Balsam für die Seele“, habe einmal eine Besucherin seine Exponate beschrieben. Sowohl seine Bilder wie der gesamte Raum strahlen eine Ruhe aus, die sich nicht zuletzt aus der sorgsam komponierten Form- und Farbgestaltung seiner Motive speist.

Sie zeigen oft Landschaften aus der Heimat, die so detailgenaue Ausschnitte wiedergeben, dass der Betrachter den Ort wiedererkennt. Und dennoch haben sie weit über ihren Realismus hinaus eine innere Leuchtkraft, auch weil das heimliche und eigentliche Motiv seiner Landschaftsbilder die unterschiedlichen Lichtsituationen sind. „Das Licht einzufangen ist eine Leidenschaft“, bekennt Windeln und fügt an, dass William Turner und Caspar David Friedrich zu seinen Vorbildern gehören. 

An der Technik seiner in Öl gemalten Bilder arbeitet er ständig. Die Liebe zum Detail und die notwendige Geduld beim Aufbringen der Farbschichten mit der „Nass-in-Nass-Technik“ bringe er gerne auf, betont er im Gespräch. Das Malen auf Leinwand sei für ihn auch der Gegenpol zur Hektik in seinem Arbeitsleben als Konstrukteur. Die Ölfarben mischt er selber aus der ganzen Farbpalette, nur Schwarz habe er bewusst daraus verbannt. 

„An dem Bild aus dem Kitscher Bruch zwischen Karken und Haaren habe ich rund 150 Stunden gearbeitet“, betont Windeln. Das fast nur aus Grüntönen bestehende Bild fasziniert durch seine Lichtstimmungen und die meditative Wirkung für den Betrachter. Es sei an einen Kunstsammler nach Hongkong verkauft, verrät er nicht ganz ohne Stolz. Die Nähe zu den englischen Landschaftsmalern wie John Constable ist Windeln wohl selber nicht bewusst. 

Winterliche Rur

Auch seine anderen Motive wie der Blick auf den Lago Laprello oder auf die winterliche Rur oder eine Wiesenlandschaft zeigen die innewohnende Leuchtkraft seiner Bilder. Die Liebe zum Detail, sei es die Ausgestaltung einer Brennnessel oder das sich verfärbende Blatt an einem Strauch, gehört ebenso zu seinen Bildern wie das Einfangen der Lichtstimmungen. Das Streben nach der Perfektion, wie bei seinen künstlerischen Vorbildern, wird nachvollziehbar und macht den Charme seiner Malerei aus. 

Wiesenlandschaft

Blick auf den Lago Laprello – Heinsberg

Kontakt zum Künstler und erste Eindrücke sind über das Internet „www.leo-windeln.de“(*) möglich. Am 05. und 06. Mai 2018 ist die Ausstellung für alle Interessierten während der Kunsttour – Tag der offenen Ateliers und Galerien im Kreis Heinsberg – geöffnet. (jwb)

(*) Verweise auf Presse-Berichte 

(c) Alle Rechte liegen beim Autor und Berichterstatter. Unberechtigte Nutzung wird anwaltlich geahndet. 

Version vom 08. Mai 2018 – wieder eingestellt nach Serverumzug

 

17. Mai 2018
von JvHS
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Heimat – und ihre Narrative

Horst Seehofer – 2018 bis 2021 Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat im Kabinett Merkel IV.

Nun ist für die neue Regierungskoalition ein Heimatministerium geplant, welches – mit Horst Seehofer besetzt – den Begriff wieder mit den national-konservativen Inhalten füllen soll. Liberale Inhalte sollen allenfalls aus dem Bereich national- ökonomischer Herkunft stammend Einzug halten. Der Verdacht kommt auf, dass die Inhalte wieder mehr das abgrenzende, vorurteilsbehaftete, dumpfe Gefühl der Ausgrenzung des Anderen stärken soll. Der Heimatbegriff wird der Springflut der Blut-und Bodenideologie ausgeliefert sein, so wie es Polen, Ungarn, die östlichen Länder am Rande Russlands und die Hillbillies des Donald Trump und der Teaparty-Bewegung schon vorgemacht haben.

Ideologisch das Gewehr bei Fuß stehen schon AfDler bereit, die braune Flut weiter anzufachen. Die Gemengelage von romantisierenden, nostalgischen Gefühlsduseleien bis zum faschistischen und rassistischen Terror ebnet der ideologischen Flut Tür und Tor.

Wie diffizil der Umgang mit dem Begriff „Heimat“ sein kann, zeigt sich an den überall aus dem Boden sprießenden Heimatvereinen. Insbesondere dann, wenn die seltene Aufarbeitung von politischer Geschichte im Mittelpunkt des Interesses steht. Zu oft liegt der Schwerpunkt auf das Plattdeutsche und die Dialektpflege. Wenn der soziologische Unterbau fehlt, wenn die Dekonstruktion nicht erfolgt, kommt eher die Nostalgie im Sinne von „Früher war alles besser“ und die völkische Facette zum Tragen.

Noch sind die Zeitzeugen unter uns, die die Auswirkungen des Nazi-Deutschlands erlebt haben. Und dennoch erfolgt die Dokumentation von Vorgängen der Judenverfolgung, der Bereicherung an der Arisierung der Vermögen der Verfolgten und das angstbesetzte Mitmachen oder Weggucken mit besonderer Vorsicht und manches Mal auch nur dezent und unaufdringlich, statt mit der Wucht der berechtigten Anklage.

Die Rücksichtnahme auf die Familien und ihre Verstrickungen in der Nazizeit soll das zarte Pflänzchen der Aufklärung nicht gleich am Anfang schon wieder gefährden. Eine Rücksichtnahme, die aus der Tradition der direkten Nachkriegsjahrzehnte stammt, in der von Adenauers Staat die Aufarbeitung beiseitegeschoben wurde und die falschen Signale gesendet wurden durch die Integration der Globkes, Gehlen, Filbinger und Kiesinger in die Machtpositionen bis hin zum Bundeskanzler.  Statt Aufarbeitung erfolgte Behinderung und Verdrängung. Die Unfähigkeit zu trauern (Mitscherlich) über die Verstrickung in die Gräueltaten des Faschismus und das im privaten gehegte Denken und seine Gesinnung des Faschistischen sind bis heute wirksam – eine Ursache für das Wiedererstarken der rechten Politik.

Das neue Heimatministerium soll nun den Teufel mit dem Beelzebub austreiben- ein Konzept, das schon immer in die Hose ging! Rechte Gesinnung und Denken salonfähig machen, stärkt nur die falsche Seite. Welche Auswüchse im Falle der Machtübernahme durch die Rechtsradikalen erfolgen, kann an dem Agieren der polnischen Regierungsmehrheit nachvollzogen werden: es wird mit Gefängnis bestraft, wer die Mitschuld polnischer Staatsangehöriger am Holocaust benennt. Wahrheiten unterdrücken ist schon immer ein Prinzip diktatorischer Regierungen gewesen, welche die Rechtsstaatlichkeit beseitigt und auf Gesinnung aufbaut. (siehe Türkei, Polen, Ungarn u.a.)

Heimat – das ist einerseits die Herkunftsseite, die Sozialisierung des Menschen von Kindheitsbeinen. Lief diese gut, ergab sich die Erinnerung an das Geborgen sein, das wohlige Gefühl einer unbedrohten Kindheit. Lief es noch besser, dann waren die Anteile eines kritischen fördernden Erlebens der Boden, auf dem humanistische Geisteshaltung sich entwickeln konnte. Neugier, Gerechtigkeitsempfinden, Empathie und der unbedingte Freiheitswille, ein friedvolles Leben in Gemeinschaft zu sichern, das sind die positiven Seiten eines Heimatbegriffes.

Heimat, das ist auch die Region, die gegen die Ausbeutung durch die Ökonomie geschützt werden muss. Heimat, das ist der Lebensraum, der gegen die Bevorzugung des Aktiengesetzes gegenüber den Menschenrechten verteidigt werden muss. Heimat, das ist der Raum, in denen sich die Lebensentwürfe von Menschen realisieren lassen müssen, ohne in die Zwänge von Hartz-IV zu geraten, weil die Gesetze den Unternehmen diese Möglichkeit über Gebühr ermöglicht. Heimat, das ist die Region, die gegen Fracking, Feinstaubverseuchung, Atomkraftwerksgefährdungen und Braunkohlenraubbau geschützt werden muss. Heimat, das ist auch das Grundwasser, das weder durch die Gülleverseuchung noch durch den Gülletourismus und das Füllen der Geldtaschen weniger Landwirte gefährdet werden darf.

Und das Gleichmachen von Heimat, das Einebnen des Unterschiedlichen- auch gegenüber eines bajuwarischen Narrativs, wie es im Heimatministeriums eines CSU-Fürsten zu befürchten gibt  – dazu formulierte Adorno: „Keine Heimat überlebt ihre Aufbereitung in den Filmen, die sie feiern, und alles Unverwechselbare, wovon sie zehren, zum Verwechseln gleichmachen.“ (Th. W.Adorno, Résumé über Kulturindustrie)

Wir brauchen keine Gleichmacherei und die Anpassung an das bayrisch verzerrte Heimatgefühl, von dem Horst Seehofer formulierte:  „Wir werden uns gegen Zuwanderung in deutsche Sozialsystem wehren – bis zur letzten Patrone.“ – Eine Brandstifterformulierung, wie sie auch in der AfD zuhauf zu finden ist.

Heimat hat viel mit persönlichen Bildern zu tun, ist zudem, was die eigenen Lebensentwürfe betrifft, mit utopischen Elemente versetzt, die jedoch immer auch ein Grundbedürfnis zu befriedigen haben: Wohnen, Sicherheit und Urvertrauen in das freie Gestalten dieses Wohn- und Lebensraumes. Ein Staat, eine Nation kann niemals Heimat sein, allenfalls kann ein Staat der vertragliche Boden für das gemeinsam zu gestaltende Gerüst eines Gemeinwesens sein.

Und Gesinnungen schaffen keine Zukunft! Sie verhindern sie. Das wusste auch Ernst Bloch, als er formulierte:

„Die Wurzel der Geschichte aber ist der arbeitende, schaffende, die Gegebenheiten umbildende und überholende Mensch. Hat er sich erfasst und das Seine ohne Entäußerung und Entfremdung in realer Demokratie begründet, so entsteht in der Welt etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war: Heimat. (Prinzip Hoffnung)

 

25. Januar 2018
von JvHS
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Künstlerehepaar stellt im Geilenkirchener Krankenhaus aus

Ausstellungsbeispiele zur Umsetzung des Themas Wald von Elke (linkes Bild auf dem Foto) und Günter Winterscheid in der Ausstellung „Waldstimmungen“ im Krankenhaus Geilenkirchen. Geilenkirchener Zeitung (AZV) Foto: Johannes Bindels

Geilenkirchen. Seit der Gründung der Gruppe „Kunst im Krankenhaus“ im Jahr 2000 gehören die Kunstausstellungen im St.- Elisabeth-Krankenhaus in Geilenkirchen zu den Angeboten, ein wenig Abstand zum Krankenhausleben für Patienten und Besucher zu ermöglichen.  

Vernissage am Donnerstag, 25. Januar 2018 

Wie das Ehepaar Winterscheid die Umsetzung vorgenommen hat, dies können Interessierte bei der Vernissage am Donnerstag, 25. Januar, 19 Uhr, und während der Öffnungszeiten des Krankenhauses erfahren. 

Die Ausstellung ist täglich im Flurbereich der Station C3/B3 des Krankenhauses, Martin Heyden-Straße in Geilenkirchen, während der Besuchszeiten noch bis zum 30. April zu besichtigen. (jwb) 

Der Wald ist das Thema 

Wenn Künstlerin und Künstler auch als Ehepartner zusammenleben, dann besteht eine besondere Konstellation. So ist jeder der Künstler dem anderen ständig auch Diskurspartner und kritisches Gegenüber. Im Falle von Elke und Günter Winterscheid aus Stolberg-Schevenhütte sind die positiven Synergien ihrer Zusammenarbeit ablesbar an den gemeinsamen Projekten. 

„Unsere zahlreichen Kontakte mit freischaffenden Künstlern in Arbeit und Fortbildung ermöglichten uns einerseits, unsere bildnerischen Techniken auszubauen und andererseits moderne Sichtweisen über Kunst zu erfahren und zu realisieren“, sagen sie. Sie fühlten sich seelenverwandt und fasziniert von den Malern und Bildhauern der Renaissance, aber auch von der Kunstrichtung des Expressionismus, betont das Ehepaar. 

„Zahlreiche Reisen haben wir zu den großen Museen und den Wirkungsstätten der Künstlerinnen und Künstler unternommen, um etwas von ihrem Geist zu spüren“, ergänzt Günter Winterscheid. Wichtig sei ihnen, ihre kreativen Gestaltungsbedürfnisse auszudrücken. Dabei experimentieren sie mit den bildnerischen Mitteln, erläutert Elke Winterscheid. 

In der aktuellen Ausstellung widmet sich das Paar dem Thema „Wald“. Tägliche lange Wanderungen durch grün-gold scheinende Buchenwälder bei bestem, warmem Wetter und die Wahrnehmung steinalter Eichen seien Impuls zur Auseinandersetzung mit einem „Stück Wald“ gewesen. 

„Wir müssen von unserer Kunst nicht leben; wir genießen diese Freiheit und stehen nicht unter Erfolgszwang. Unsere künstlerische Tätigkeit bedeutet für uns Sinnfindung und Lebensqualität“, erläutern sie ihre Ausgangssituation. 

Weitere Exponate aus der Ausstellung von Günter Winterscheid

Ausstellungs-Exponate von Günter Winterscheid

Ausstellungs-Exponat von Elke Winterscheid

 

 

7. Mai 2017
von JvHS
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Kunsttour-Rückschau 2017 – Künstlerin Gertrud Schaefer

Gertrud Schaefer mit ihrem Kunstobjekt „Dedactulus“, Objekt einer exzellenten Technik der Tonverarbeitung.

Kreis Heinsberg. Bei der Kunsttour, dem Tag der offenen Ateliers und Galerien in der Freizeit-Region Heinsberg, werden in diesem Jahr auch einige „Neulinge“ dabei sein, sprich Künstlerinnen und Künstler, die zum ersten Mal teilnehmen. Eine von ihnen ist Gertrud Schaefer.

Auf ein abgeschlossenes Studium an der PH Aachen bei Professor Benno Werth im Lehramt für Kunst und Textilgestaltung blickt die Künstlerin zurück. Sie lebt und arbeitet in Heinsberg-Kempen. Schon im Studium macht sie erste Erfahrungen mit dem Material Ton. Bis zum heutigen Tag ist Ton das Ausgangsmaterial vieler ihrer Werke. Im eigenen Ofen werden ihre gestalteten Objekte bei bis zu 1240 Grad gebrannt. Neben dem Steingut sind Objekte aus Porzellan, deren Oberflächen als farbiges Dekor ausgelegt sind, ein weiteres Betätigungsfeld für ihre Experimentierfreude. Dabei lässt sie sich von der Formenfülle der Natur inspirieren.

„Ich bilde nicht nach oder ab, wenn ich arbeite. Im Umgang mit dem Material erfolgt eine Neugestaltung“, beschreibt sie im Gespräch ihr experimentelles Vorgehen beim künstlerischen Gestaltungsprozess. So habe sie eine große Erfahrung sammeln können, auch um die plastische Masse des weichen Tons in Formen zu bringen, die gerade ohne die sonstigen Hilfsmittel der Stützung auskommen und bei den Werkstücken ein Erstaunen beim Kenner aufkommen lassen.

Foto2: Objekt aus geschichtetem Ton, die Metamorphose zum Schmetterling durch Verpuppung der Raupe gleichend.

An eine große verpuppte Raupe, aus der in Kürze ein bunter Schmetterling sich herausarbeiten könnte, erinnert eine ihrer Skulpturen. Wie Antonio Gaudi die Stabilität der Pflanzenstruktur auf seine Architektur anwendete, so lässt Gertrud Schaefer die äußere Hülle ihres Kunstwesens entstehen. Eine fein strukturierte Oberfläche und doch feste Hülle entsteht, gebildet aus gerissen Tonplättchen, die das Innere verdeckt und der Fantasie überlasst. „Die äußere Form soll die Innenwelt nicht erkennen lassen“, beschreibt sie ihre Idee zu dieser Plastik.

Foto3: Objekt, bei dem das Innere schon nach außen dringt und doch noch verborgen bleibt.

Die verschiedenen Entwicklungsstufen sind an ihren Objekten nachvollziehbar. So dringt und wächst nach außen, was noch innerlich verborgen ist. Wie Fruchtkörper oder Wesen mit Tentakeln und kleinen Röhren präsentiert Schaefer verschiedene Oberflächen – von glatt bis rau, immer jedoch ein wenig an Wesen aus einer anderen Welt erinnernd. Im nächsten Entwicklungsschritt ermöglicht sie einen Einblick in die Innenwelt ihrer wesenhaften Objekte.

„Dedactulus – ein Kunstwort und aus verschiedenen Bedeutungen zusammengesetzt“, nennt sie eine dieser Kunstobjekte. Mit feinsten Details und bis zu den kleinsten Fruchtfäden geschichtet zusammengefügt, erscheint das Innere wie bei der aufgeschnittenen Hälfte eines Fruchtkörpers. „Es soll eine Entdeckungsreise von außen nach innen stattfinden“, erläutert sie diese Gestaltungsphase. Die Lust am Experimentieren ist auch beim nächsten Objekt erkennbar.

Foto4: Objekt, dem Schnitt durch die diffizile Architektur eines Insektennestes gleichend, die Schichtung und die Spannung beim Brennvorgang steuernd.

Wie bei einem Schnitt durch ein kunstvoll zusammengefügtes Insektennest wird sichtbar, wie die feinen, geschichteten Lagen zusammengefügt sind. „Hier kommen beim Brennen unterschiedliche Spannungen zum Tragen“, verweist sie auf handwerkliche Fertigkeiten und Kenntnisse, die jeder gelungenen Kunst vorausgehen.

Seit dem Jahr 2005 nimmt Gertrud Schaefer an Ausstellungen teil. So hat sie unter anderem ausgestellt im Künstlerforum Schloss Zweibrüggen, im Kunstverein Heinsberg und im Künstlertreff EESDRON. Die Motivation zur Teilnahme mit einer Einzelausstellung an der Kunsttour habe verschiedene Aspekte: „Ich wollte wissen, wo ich stehe mit meiner Kunst und mich der Bewerbung stellen. Und ich wollte mit meinen Objekten die Keramik aus dem Nischendasein der Kunstszene hervorholen“, lässt sie das Engagement zu ihrem Material erkennen. Gleichzeitig verbinde sie damit auch eine Botschaft und sehe ihre Kunst in gesellschaftlicher Funktion: Schaut genauer hin, was um euch herum geschieht, will sie ihre Mitmenschen wissen lassen. Ihre Kunst ist nicht provokant, sondern bleibt dabei  eher leise, aber umso beeindruckender.

Ihre Kunstwerke sind in den Räumlichkeiten des atelier-k in der Hochstraße 45 in Heinsberg während der Kunsttour am Sonntag, dem 07. Mai 2017 zu sehen. Die Räumlichkeiten sind auch schon am Samstag, dem 06. Mai  von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.  (jwb)

Fotos: © JWB

Version vom 06. Mai 2017 – wieder eingestellt nach Serverumzug

21. April 2017
von JvHS
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Wer Luther sagt, muss auch Adenauer sagen…

Politiker verhalten sich so, als ob Politik ein Handlungsraum sei, in dem für Ethik und Moral kein Platz sei und diese wie Kleidungsstücke an der Garderobe der Parlamente abgelegt werden müssten. Die Bandbreite dieses Verhaltens reicht von Stillhalten oder Zustimmung bei unredlichen Vereinbarungen zum Nachteil der Bevölkerung, über Vorteilsannahmen in Form von Kungeleien und Positionen wie Aufsichtsratsposten und Zugehörigkeit zu Seilschaften bis zur Genehmigung von Geschäften in der Verantwortung als Ressort- und Ministeriumsleitung, die gegen die grundgesetzlichen Rahmenbedingungen verstoßen, wie etwa bei genehmigten Waffenlieferungen.

Dass weltweit zudem noch weit schlimmere Ausformungen zu beobachten sind, kann seit jeher beobachtet werden und reicht dort von Menschenrechtsverletzungen über diktatorische Entwicklungen bis zur Kriegsführung zur Erreichung der eigenen verwerflichen Ziele.

Heiner Geißler bemüht in seiner Kolumne in der Aachener Zeitung von Luther über das deutsche Kaiserreich, der Weimarer Republik und den niederträchtigsten zwölf Jahren der faschistischen Naziherrschaft bis zu Konrad Adenauer die Geschichte, um letzteren als Gründer und Verwirklicher der Unionsidee zu loben, der damit eine Volkspartei gegründet habe, die mit ihrer Westbindung „die Idee der Union Europas und der christlichen Demokratie umgesetzt habe. Beide sind – gerade wegen der universellen Probleme – das tragende ethische Fundament für die Humanisierung der globalen Politik.“ (Quelle: AZ)

Er spricht damit die Politik sowie die von den Regierungsverantwortlichen getroffenen Vereinbarungen über das Reglement in unserer Republik an, welche die Philosophen von Thomas Hobbes über Jean-Jacques Rousseau bis zu John Rawls den Gesellschaftsvertrag nannten. Den mitzugestalten haben sehr wohl alle Menschen in einer Gesellschaft die Pflicht und das Recht, nicht jedoch nur ein Kanzlerwahlverein namens CDU/CSU. Das aber hat Adenauer ebenso wenig zugelassen, wie die Abstimmung, ob Deutschland als neutrales Land gestaltet werden sollte. Dagegen ließ er aus rein machtpolitischen Erwägungen zu, dass Nazirichter, Nazierzieher, Naziverwaltungsbeamte wieder in Amt und Macht installiert wurden. Ihre Seilschaften wieder bis in die Finanz- und Unternehmenswelt Einfluss nehmen zu lassen, liegt ebenso in der Verantwortlichkeit des ersten Kanzlers. 

Dass diese sogenannte pragmatische Lösung – oder wie Adenauer es lapidar formulierte: „Sie können schmutziges Wasser nicht wegschütten, wenn sie kein sauberes haben“ – zu einer bigotten Haltung führte, lässt sich seitdem nachweisen. So fordern die aus diesem Geist entstandenen national-konservativen Schichten bis heute den Ausschluss der ehemaligen DDR-Elite und den Mitgliedern der Partei „Die Linke“ aus der Regierungsverantwortung. Zudem ist diese geistig-unmoralische Haltung die Basis der unseligen AfD, geboren aus der braunen Soße, die bis heute in den heimischen Gemächern brodelt. (Update hierzu: the guardian berichtet von Entscheidungen der Alliierten bei den Nürnberger-Prozesse in der frühen Nachkriegszeit 1946, statt Nazi-Bekämpfung den Schwerpunkt auf den kalten Krieg zu legen.) 

Das Lob Heiner Geißlers auf diese Entwicklung ist einerseits nur erklärbar und zustimmbar, wer beide – mit der parteiischen Blindheit geschlagenen – Augen zudrückt. Zudem sind Vorwahlzeiten, da wird Heiner Geißlers Text zusätzlich in seiner Glaubwürdigkeit beschädigt und bleibt einseitig.

Was Geißler vergisst zu erwähnen, ist, dass die Bindung an das atlantische Bündnis nur ein Weg war. Der allerdings heute in die neoliberale Wirklichkeit geführt hat, die laut Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung immer noch Kinderarmut in dieser reichen Republik produziert und etabliert. Und das mag die so gelobte Union des Konrad Adenauer ebenso wenig gerne zugeben. So wird politisches Handeln genutzt, eine geschönte Wirklichkeit zu verkaufen. Und da greift dann wieder die Bigotterie der „christlichen Demokratie“, statt nach einer Neuausrichtung des Gesellschaftsvertrages zu schauen, der in der Ära von Terrorismus, Nationalismus und Populismus mehr als vonnöten ist.

„Reicher Mann und armer Mann
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
»Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich«.“
Bertold Brecht

21. April 2017
von JvHS
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Fortschrittskonzeption der westlichen Welt als einzige Grundlage zum Verständnis menschlicher Geschichte?

Wohin wir gehen…

An den Stammtischen dieser westlichen Welt, am reichlich gedeckten Abendtisch des bürgerlichen Weltverständnisses sowie in den Hochschulzirkeln der Geschichtsphilosophie-Exkursionen herrscht das Bewusstsein vor, Fortschritt wird das Leben eines jeden, der sich in der Arbeit verdingt, zum besseren führen. Wer sich dagegen stellt, wer andere Forderungen erhebt, wie z.B. nach einem bedingungslosen Grundeinkommen, oder die Forderung formuliert, die gesellschaftliche Zukunft nicht mit Freihandelsverträgen á la CETA, TTIP und TiSA (*) mit den eingebauten Schiedsgerichtsbarkeiten und Entmachtungsstrukturen der Parlamente in die Hände der Wirtschaft zu geben, der wird mit Sanktionen auf die richtige Bahn gebracht. Wozu hat die Gesellschaft schließlich ein Jobcenter?

Für das Fortschreiten des Fortschritts sorgt schon die Parteien-Demokratie, notfalls bringt die Partei mit Konvent-Treffen die Mitglieder zur Zustimmung von Luftnummern á la CETA-Zusatzerklärungen. Und mit dem Janusgesicht der nachhaltigen Wirtschaft verwirrend die Begriffsbesetzung und Deutungshoheit nutzend, was nachhaltig zu sein hat, den Zweifler an dieser Botschaft zur Räson!

(*) Aus der Feder der Juristen…

Auch der Ansatz eines analysierenden Gedankens ist nicht neu, da schon Walter Benjamin das Hinterfragen der Fortschrittsgläubigkeit zum Kern seines Textes „Über den Begriff der Geschichte“ machte. Für Benjamin ist der Fortschritt in Wahrheit eine Ansammlung von Katastrophen und das Anhäufen eines Trümmerhaufens gesellschaftlicher Systeme – vom Neoliberalismus, den Walter Benjamin als globale Ausbeutung mit einhergehender Zerstörung beschrieb und damit den Blick schon 1940 auf unseren aktuellen globalen Zustand warf – bis hin zum „historischen Materialismus“, der ebenfalls dem Irrtum unterliegt, dass die Geschichte der Menschheit von einer Gesetzmäßigkeit und im determinierten Verlauf bestimmt sei.

Letztlich stellt sich für jeden Menschen in seiner geschichtlichen, subjektiven und von Zufälligkeiten geprägten Sozialisation die Frage, ist Geschichtswissen substanziell und was ist Geschichte überhaupt? Fortschritt oder ungeordnetes Chaos? Ist -im Sinne Benjamins gefragt – Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen dynamisch und offen in der Interpretation? Gibt es die Sicherheit eines Narrativs wie: „Wer weiß, woher er kommt, weiß er dann auch, wohin es gehen soll“? Immerhin sind die meisten Geschichtsbücher immer nur eine Ansammlung von erzählenden Berichten aus dem Blickwinkel der Mächtigen und der Sieger.  Zumindest ihre Weltsicht muss bekannt sein und vom Leser systemisch eingeordnete werden können, damit eine Einschätzung der
damit verbundenen Botschaften zur Dekonstruktion von Geschichte möglich wird. 

Dank Walter Benjamin wird ersichtlich, dass das lineare Fortschrittsdenken kaum erklären kann, warum jederzeit und zu jedem Zeitpunkt der Menschheit ein Rückfall in die Barbarei und die Ausbeutung der neoliberalen Weltsystematik mit den Folgen der Ausbreitung des Elends in der Welt weiterhin möglich und wirksam ist. Welterleben, Weltverstehen und Weltfüllen sind von Ungleichzeitigkeit geprägt und entlassen den Menschen nicht aus seiner Notwendigkeit, jene entgegen zu treten, die das „gute Leben für alle“ durch Kriege, Barbarei und Egoismus verhindern und die Menschenrechte (* *) aushebeln. 

[(**) siehe auch das unsägliche TV-Spiel „Terror“, in dem die Menschenrechte und das Grundgesetz außer Kraft gesetzt werden sollen – Schwächen der Weimarer Republik-Verfassung sollen wieder hoffähig gemacht werden!]  Dazu ein lesenswerter Artikel hier!

Ohne Titel

„Die Geschichte ist Gegenstand einer Konstruktion, deren Ort nicht die homogene und leere Zeit sondern die von Jetztzeit erfüllte bildet.“ (GS I, Abschnitt Über den Begriff der Geschichte, XIV – Walter Benjamin) Zum Denken gehört nicht nur die Bewegung der Gedanken sondern ebenso ihre Stillstellung. Wo das Denken in einer von Spannungen gesättigten Konstellation plötzlich einhält, da erteilt es derselben einen (S)Chock, durch den es sich als Monade kristallisiert. Der historische Materialist geht an einen geschichtlichen Gegenstand einzig und allein da heran, wo er ihm als Monade entgegentritt. In dieser Struktur erkennt er das Zeichen einer messianischen Stillstellung des Geschehens, anders gesagt, einer revolutionären Chance im Kampfe für die unterdrückte Vergangenheit. Er nimmt sie wahr, um eine bestimmte Epoche aus dem homogenen Verlauf der Geschichte herauszusprengen; so sprengt er ein bestimmtes Leben aus der Epoche, so ein bestimmtes Werk aus dem Lebenswerk. Der Ertrag seines Verfahrens besteht darin, daß im Werk das Lebenswerk, im Lebenswerk die Epoche und in der Epoche der gesamte Geschichtsverlauf aufbewahrt ist und aufgehoben. Die nahrhafte Frucht des historisch Begriffenen hat die Zeit als den kostbaren, aber des Geschmacks entratenden Samen in ihrem Innern. (GS I, Abschnitt Über den Begriff der Geschichte, XVII) 

Auf den Begriff einer Gegenwart, die nicht Übergang ist sondern in der die Zeit einsteht und zum Stillstand gekommen ist, kann der historische Materialist nicht verzichten. Denn dieser Begriff definiert eben die Gegenwart, in der er für seine Person Geschichte schreibt. Der Historismus stellt das >ewige< Bild der Vergangenheit, der historische Materialist eine Erfahrung mit ihr, die einzig da steht. Er überläßt es andern, bei der Hure >Es war einmal< im Bordell des Historismus sich auszugeben. Er bleibt seiner Kräfte Herr: Manns genug, das Kontinuum der Geschichte aufzusprengen. (GS I, Abschnitt Über den Begriff der Geschichte, XVI)

„Der Begriff des Fortschritts ist in der Idee der Katastrophe zu fundieren. Daß es ‚so weiter‘ geht, ist die Katastrophe. Sie ist nicht das jeweils Bevorstehende sondern das jeweils Gegebene. “ (GS V, S. 592)

Wahrheit tritt nie in eine Relation und insbesondere in keine intentionale. Der Gegenstand der Erkenntnis als ein in der Begriffsintention bestimmter ist nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist ein aus Ideen gebildetes intentionsloses Sein. Das ihr gemäße Verhalten ist demnach nicht ein Meinen im Erkennen, sondern ein in sie Eingehen und Verschwinden. Die Wahrheit ist der Tod der Intention.“ (Ursprung des deutschen Trauerspiels, GS I, S. 216)

Wo ich herkomme, kann nicht alleine mit der Leere angesammelter Fakten bestimmt werden, sondern ist immer auch dem Brennglas von Menschenrecht, Freiheit, Gerechtigkeit, Mitbestimmung, mehr Demokratie und Friedenserhalt unterworfen. Eine Wissenschaft, die nicht neutral, sondern als Dienstmagd der Drittmittel-Verdingung agiert, hat das Recht verwirkt, dass ihre Ergebnisse zur Grundlage von politischen Entscheidungen gemacht werden . Sie muss allerdings ihrer verheerenden Wirkung gegen die o.g. Brennglas-Eigenschaften wegen durchaus ernstgenommen werden. 

Version vom 21. April 2017

20. April 2017
von JvHS
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Bertold Brecht – Kinderhymne

Die Aggressionen und die  Arroganz á la Trump, der Jargon der Doppelzüngigkeit á la Schäuble, die Unfähigkeit zur Empathie – wir erleben es täglich. Da mag das Geschwätz der Heimatideologen á la Reichsbürger und „Gauländer-AfD“ belächelt werden, die Ruchlosigkeit weitet sich aus und der Hass überschreitet jede rote Linie.

Da mag die Kinderhymne Bertold Brechts doch nochmals in Erinnerung gerufen werden:


Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.
Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das Liebsten mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

Bertolt Brecht

25. Dezember 2016
von JvHS
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Brot und Spiele statt Aufklärung und Transparenz – Einstellung der Plattform Lobby-Radar durch das ZDF

Eine Beerdigung erster Klasse, heißt, schnell und möglichst im kleinen Kreise erledigen, so soll die Plattform ZDF-Lobbyradar geschlossen werden.

Brot und Spiele sind den Beeinflussern und Entscheidern wichtiger statt Aufklärung und Transparenz!

ZDF-Lobbyradar wird voraussichtlich zum 01.01.2016 eingestellt! Seit dem 25.12.2015 hat das ZDF diesen Transparenzdienst eingestellt. Die Beeinflussung der Politik auf das ZDF und der vorauseilende Gehorsam bestimmter Funktionsträger in dieser öffentlich-rechtlichen Anstalt ist den Interessenvertretungen der Lobbyisten gefolgt! 

Was dem Sender wichtiger erscheint: Brot und Spiele – anstatt Aufklärung und Transparenz!

Zitat:
Den Quellen der „Die
Zeit“ zufolge habe sich ZDF-Intendant Thomas Bellut gegen die Weiterführung entschieden, weil andere Großereignisse wie eine Fußball-EM sowie der gemeinsame Jugendkanal mit der ARD Mittel beanspruchten. Laut dem Bericht sprachen Insider aber auch von großem Druck aus dem überwiegend mit Politikern besetzten ZDF-Rundfunkrat sowie aus weiteren Politkreisen. Das ZDF wies solche Einflussnahme zurück. Zwar seien kritische Stimmen laut geworden, die positiven Reaktionen hätten aber überwogen. 
Zitatende: (
Quelle : hier)

Lobbyisten-Liste des Bundestages vom 04.12.2015
Anmerkung: Wer sich die Fülle der Verbände anschaut, dem müssen Zweifel aufkommen, ob ein Abgeordneter noch – frei von ständigen Beeinflussungen – seiner Aufgabe nachkommen kann. Diese Meinungs-Schattenwirtschaft mit ihren Vorständen, Hauptgeschäftsführern und ihrer Meinungsmaschinerie hat doch nicht das Wohl der Bevölkerung im Sinn?! Hier geht es um das Wohl ihrer Mitglieder, ihrer Mandanten und der Mitarbeiter. Jeweils also einer kleinen Anzahl von Betroffenen. 

Lobbyisten mit Hausausweisen des Bundestages werden hier dargestellt. 

Fazit dieser Vorgehensweise: Da scheint doch der Ruf nach direkter Demokratie ein berechtigter zu sein.

12. Dezember 2016
von JvHS
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Das radikal Böse und Dumme… und die ursächliche Bedingung durch den Neoliberalismus

Das radikal Böse ist affin zum radikal Dummen – und umgekehrt. Beispiele dafür zeigen sich in verschiedenen Ausformungen

„Die Philosophie ist der Kampf gegen die Verhexung unsres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.“ (Ludwig Wittgenstein)

„AdG“ oder „AdF“ sind Kürzel für den Sammelplatz der marktschreierisch verbreiteten Phrasen des national-ökologischen und national-konservativen Gedankenguts. Sie dienen als „Dünger“ für das Neoliberale und Rechtsradikale, sind nicht selten auch der ideologische Kompost für das faschistische Weltbild – vom Fehlschluss bis zur Abwesenheit von Vernunft.

Faktisch sind sie die Zusammenrottung derjenigen, die auf der Suche nach Halt in Zeiten der Veränderung sind und dabei die Methoden des Voreiligen und der Selbst- und Fremdtäuschung nutzen. Diejenigen, die auf dem virtuellen Marktplatz der „AdG“ sich  schreibend äußern, verraten in der diskriminierenden Nutzung von Sprache ihre Phobien ebenso, wie diejenigen, die auf dem von einer Partei strukturierten Sammelplatz der „Armseligkeit für Deutschland“ sich vom „Ich“ zum „Wir“ einfinden und die Definition des „Wir“ den ideologischen Hetzern á la Höcke und Konsorten überlassen. 

Bei beiden Sammelbewegungen ist der Eindruck nicht zu vermeiden, dass der im dunklen Haus verlorene „Schlüssel der Vernunft“ auf dem Marktplatz gesucht wird, weil dort das Licht der Brandstifter und Feuerleger mit ihren Brandherden und offenen Feuern mehr „Helligkeit“ verspricht. 

Warum die Menschen in die Fänge der Ideologen geraten, hat nicht selten damit zu tun, dass das Regierungshandeln an den Bedürfnissen eines großen Teils der Menschen vorbei geschieht. Die Fragestunden der Plenarsitzungen im Bundestag sind ein exemplarisches Beispiel für die sprachlich basierte Abwehr und Vernebelung zu den Versäumnissen der Regierung durch falsches Regierungshandeln. Wer nur die Antworten der parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sich anschaut, (siehe hier! ), weiß um die zutreffende Belegführung hinsichtlich der Bedrohung durch die Kernkraftwerke an den deutsch-belgischen und deutsch- französischen Grenzen, dass die für die Menschen schützenden und notwendigen Maßnahmen zu spät, zu wenig nachdrücklich, zu uninspiriert und aus Unwissenheit vernachlässigend gearbeitet wurde. 

Welches Ausgeliefertsein den Menschen umgibt, wird an der Verbalabwehr der Staatssekretärin sichtbar. Wenn zur Begründung auf rechtsstaatliche Normen als Hemmnis für das Handeln verwiesen wird, scheint die Durchsetzung notwendiger Veränderungen durch die Rechtsstaatlichkeit innerhalb der EU unter Konstruktionsfehler zu leiden. Oder es ist schlicht und einfach „kein Wollen“ gemeint.

Das Beharren auf den Föderalismus ist durchschaubar und verkümmert zum Mittel der einseitigen Umsetzung der wirtschaftlichen Interessen des Kernkraftbetreibers. Die Personalunion durch das ehemalige Vorstandsmitglied der Betreiberfirma als Vertreter der Regulierungsbehörde einerseits und die Interessensvertretung seiner weltanschaulichen Verbundenheit zur Atomkraft andererseits, reduzieren das Gefährdungspotential nicht. In einer solchen Situation muss es Handlungsbefugnisse von außerhalb geben (z.B. der EU-Gerichtshof als übergeordnete Einheit), die das Interesse der gefährdeten Bevölkerung über die Unternehmensinteressen stellt und zur schnellen Aktion führt. Im Falle von Aixtron demonstrierte die USA als Staat dies zur Genüge, obwohl diese Interessensvertretung und Einflussnahme sicherlich andere Inhalte hat. 

Die Begriffe „dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen“ bedürfen einer Neuausrichtung. Sie sind neu zu bewerten, wobei der Schutz des Menschen als wichtigstes Kriterium zu beachten ist und das daraus resultierende Ergebnis diesbezüglich zu gestalten ist.
Diese Aufgabe ist eine vordergründige der Regierung und – soweit das Parlament seine Kontrollfunktion noch ernst und wahr nimmt – auch die der Abgeordneten. Erst recht jener, die diese Region NRWs als Abgeordnete vertreten. Die fehlende Moralität ist in die Phase der realen Mortalität übergegangen. 

„Politik ist das Einlullen unseres Verstandes durch die Verbalabwehr berechtigter Forderungen innerhalb der parlamentarischen Gewohnheiten.“ (jwb) 

Update vom 14.12.2016
Ein Hinweis und eine Sichtweise, die auf die Sprache der Schreiberlinge dieses Sammelplatzes eingeht. Scholz & Friends (Werbeagentur) waren wohl das Schlagloch, an dem sich die „Achse des Guten“ („AdG“) einen Achsenbruch holte. 

Wieder Einstellung des Beitrags vom 12.12.2016

 

20. November 2016
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Rechtsruck in den Gesellschaften – ein Umbruch mit dem Potential zur Zerstörung der Demokratie oder Chance zur Reformation

Rechtsruck in den Gesellschaften – ein Umbruch mit dem Potential zur Zerstörung der Demokratie oder Chance zur Reformation

Leben
einzeln und frei wie ein Baum
Und brüderlich wie ein Wald,
das ist unser Begehren (Nazim Hikmet)

Vor 500 Jahren leitete Martin Luther einen Umbruch ein, der nicht nur die christliche Kirche reformierte und die Gesellschaften der nachfolgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte in eine kriegerische Zerstörung führte. Es war auch die Veränderung zu einer geistigen Auseinandersetzung mit der Frage: Wie wollen wir in Zukunft leben? Am Ende führte der von Luther begonnene Umbruch in neue, aufgeklärte und demokratische Gesellschaften.
Dass dieser Weg leider auch Umwege über Diktaturen, Weltkriege und Völkermorde einschlug, ist eine Erkenntnis, die auch heute wieder in das Bewusstsein der Menschen gehoben werden muss. Demokratie in der Verfassung des Grundgesetzes ist die Zusicherung für Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit. Sie ist jedoch immer und zu allen Zeiten gefährdet.

Der Neoliberalismus nagt an den Wurzeln der sozialen Gerechtigkeit und der Gleichheit vor den Steuerpflichten und damit letztlich auch an der Freiheit. Seine Lobby-Legionen sorgen für ein Ungleichgewicht in der Freiheit der besitzenden Schichten, vor allem der wirtschaftlichen Investitionen. Die Sicherung der Einkommen aus Vermögen wird höher gewertet, als das Arbeitseinkommen. Die  Beteiligung an der Finanzierung der Daseinsfürsorge wird – auch mit Hilfe der Politik – minimiert für die Reichen. Der praktizierte Verstoß gegen das Grundgesetz, dass Eigentum verpflichtet, wird zur Selbstverständlichkeit und zum Programm der Vermögenden.

Der Populismus nagt an der Menschenfreundlichkeit. Diejenigen, die sich seiner bedienen, sind ohne Skrupel, sind Verführer und verantwortungslos.

Menschenfeindlichkeit wird wieder hoffähig gemacht und mittels  Gewalt umgesetzt – die Kategorien dazu reichen von  Fremdenfeindlichkeit über Rassismus und Abwertung von gesellschaftlich diskriminierten Gruppen bis zu den Etablierten-Vorrechten. Menschenfeindlichkeit setzt im Kern die Emotionalität an die Stelle des rationalen Denkens. Gehandelt wird auf der Grundlage von voreiligen und verkürzten Urteilen.

Populismus nagt aber auch an der Demokratie, weil weder die Wege der Vereinfachung, noch die widerlichen Slogans einen Ausweg aus den tatsächlichen Problemen weisen, sondern oft sogar die Gewinner dieser Strategien des Krawallweges eine Polarisierung der Gesellschaft noch vertiefen. Es gibt mit den Nutzern und Anwendern der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit keinen Gewinn für die Sicherheitsbedürfnisse der Menschen. Vielmehr zeigen die ferneren und näheren geschichtlichen Ereignisse, dass Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit und die damit verbundene Polarisierung der Gesellschaft Tendenzen der Entsolidarisierung fördern.

Nur wo eine soziale Demokratie und eine soziale Marktwirtschaft bestehen, die Armut und ihre Ursachen beseitigen, kann die Zerstörung der demokratischen Gesellschaftsordnung aufgehalten werden.

Wie gefährdet die Demokratie in den westlichen Gesellschaften ist, zeigt sich an den Entwicklungen rund um den Globus. Einige lesenswerte Anregungen zum Nachdenken über die Entwicklung der Demokratien sind  hier  und hier zu finden.

Version vom 20. November 2016 – wieder eingestellt!