Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

30. März 2026
von JvHS
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Konservatismus III – Verschiebung der Macht von der Politik auf die Finanzwirtschaft und der Abbau des Sozialstaates

Statt verantwortlich praktizierter Freiheit hin zu antiquierten „Führungs-Modellen“ und antidemokratischer Wirklichkeit!

Wo das Denken und Handeln dazu verleitet, „Führer-Modelle“ wieder zu etablieren, die alten Gedanken von Arnold Gehlen, Oswald Spengler und Carl Schmitt zu reaktivieren oder Ideologien des Totalitarismus, Autoritarismus und Faschismus mit „Blut und Boden-Nationalismus“ aus der „Eliten-Kosmos-Fantasie“ des neorechtsextremistischen Götz Kubitscheck  wieder salonfähig zu machen, der stellt die Uhr aus falsch verstandener „Tradition“ zurück. Das Reaktionäre und Antidemokratische in der Diktatur als Staatsform tritt an die Stelle des Liberal-Konservatismus.

Diese Gefahr ist auch gegeben, wenn in Parteien, die sich selber als „Die Mitte“ bezeichnen, der Versuchung nachgegeben wird, Elemente der Autokratie zu nutzen. Denn den liberalen Konservatismus zu verfälschen, dazu neigen Polit-Typen wie Amthor und Spahn, in dem sie die staatliche Autorität mit fraglichen Ordnungsmodellen stärken wollen und die berechtigte Transparenz in das staatliche Handeln der Regierungen durch berechtigte Forderungen der Zivilgesellschaft verbieten wollen (wie FragDenStaat oder die Abschaffung des Informationsfreiheitsgesetzes – IFG). Dazu gehört des Weiteren, dass dieses Denken direkte Demokratie (Bürgerräte) verhindern möchte. Ein Weltbild, in dem die Menschen sozial abhängig, vorurteilsanfällig und unzuverlässig angesehen werden. Die Institutionen (Parteien, Verwaltung, Ordnungskräfte, Regierungen mit Überwachung und Kontrolle der Allgemeinheit etc.) müssten deshalb mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln agieren können, um den Bürgern Halt geben!

Da blinkt dann Arnold Gehlens Erbe durch: Der Mensch sei ein überfordertes Wesen, das den „Schutz“ starker Institutionen benötige. Sowie:  Die sich entwickelte Kultur der Subjektivierung (aktuelle Ausformung: soziale Medien, Influencer-Selbstbildnis etc.) zersetze jene Institutionen, die ein Mindestmaß an Freiheit sichere. Arnold Gehlens Institutionen-Theorie beschreibt diese Institutionen als Ort, die dem überforderten Menschen „jene wohltätige Fraglosigkeit und Sicherheit“ bieten würden. Schöne altvordere Welt der „Abgabe von Verantwortung für das eigene Tun“ bis zur „Führer, wir folgen dir!- Verblendung“! Ein Modell, in dem das selber Denken und der Diskurs weder geübt werden kann, noch notwendig sei. Ein Kernelement des Konservatismus Amthor´scher Provenienz! (Da sollte jedoch niemand annehmen, dass mit der Wahl der AfD und ihrem rechtsextremistischen Flügel und Netzwerk dieses diskriminierende Menschenbild nicht noch verschlimmert werden würde!)

Es mag zwar der Konservative á la Amthor, Spahn, Merz und Söder behaupten, dass damit die Sicherheit gegeben sei, die Demokratie zu bewahren.  Dies ist jedoch berechtigt mit großer Skepsis zu betrachten. Die individuelle Freiheit – jene die auf dem Boden des Grundgesetzes sich entwickeln soll – gerät dabei jedoch ins Hintertreffen. Die Realität einer bestimmten Freiheit wird aber Klientel konzentriert betrieben. Und lässt deshalb andere Schlüsse zu: eine Parteien-Demokratie, die ihre Funktionäre und Minister nicht nach dem gesellschaftlich-sozialen optimalen Nutzen auswählen, sondern Personalpolitik mit verengtem Fokus betreibt, schwächt damit auch die Demokratie. Die Nutznießer sind die antidemokratischen Gruppierungen.

Die nationalistischen und faschistischen Elemente in der AfD und den diversen Bewegungen des Rechtsextremismus  zeugen von „Begriffs-Besetzungen“ und den Umschlagsaktionen des Konservativen hin zur ausgrenzenden Despotie. Die gezielte inhaltliche Umdeutung des grundgesetzlich bejahenden Konservativismus ins Antidemokratische und Reaktionäre schreitet voran. Das scheinen die Wähler der AfD nicht wahrzunehmen oder sie reaktivieren ihre bisher versteckten Ansichten.

Mit Konservatismus wird das Bewahren von geschichtlich-politisch-wirtschaftlichen Zuständen verbunden, die vor allem die Machtverhältnisse der Netzwerke von Ökonomie und Politik betreffen. Bildungs- und Vermögensungleichheit gehören zum Bewahrenskanon der leistungslosen Vermögensverwehrung wie auch die Akzeptanz des Verschiebens der Macht von der parlamentarischen Demokratie hin zur neoliberalen Finanzwirtschaft.  Jegliche Veränderung wird von diesem so geprägten Konservatismus nicht nur mit Skepsis begegnet, sondern es wird mit aller Macht der Anspruch von großen Teilen der Zivilgesellschaft verhindert, mehr direkte Demokratie zu realisieren.

Ein Konservatismus, der sich auf das Bewahren der eingespielten Machtverteilung zwischen Vermögenden und Politik in der Parteien-Demokratie versteht, gefährdet die liberalen Demokratien. Die Argumente, die seitens der Anhänger des konservativen Weltbildes gegen den Abbau der Vermögensungleichheit genannt werden, sind: freie Marktwirtschaft, das Leistung-Prinzip und Neid der Lohneinkommensbezieher. Das aber sind Scheinargumente, welche den Mythos weiter ins Feld führen, dass der Aufbau von Vermögen durch eigene, persönliche Leistung erfolgt sei. Nicht einmal in den Anfängen der Bundesrepublik war dies zutreffend. Erst recht nicht in Zeiten der ersten und zweiten Erbgenerationen.

Darauf hat Thomas Piketty in seiner Analyse „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ schon hingewiesen.

Die Ungleichheit durch das System des Kapitalmarktes (Börse/Vermögensverwaltungen) maximiert die Spaltung der Gesellschaft. Denn die leistungslose Vermögens-Vermehrung durch Rendite und Dividende sind dynamisiert wesentlich höher, als dies durch Erwerbsarbeit der Lohnarbeiter zu erreichen wäre. Diese Vermögenssteigerung bedeutet zugleich eine Zunahme der Ungleichheit. Denn die meisten Menschen in Deutschland haben mit der Arbeitsentlohnung kaum Chancen, ein Vermögen aufzubauen. (Erst recht nicht mit den Riesterrenten-Modellen – egal ob alte oder neue Version!) Der Konservatismus heutiger Provenienz besteht im Wesentlichen nur aus der  Bewahrung dieses Zustandes! Da zudem die Verschiebung der Macht von der Politik auf die Vermögensteilgesellschaft erfolgt ist, gefährdet diese Form des Konservatismus die Demokratie und den sozialen Zusammenhalt im Sozialstaat. Dessen Abbau wird durch die Mehrheitspartei CDU/CSU in der aktuellen Koalition vorangetrieben. Die Ablehnung und Einschränkungen des Sozialstaates verhindert Verteilungsgerechtigkeit und die Umsetzung des im Grundgesetz fest verankerten Inhalts: Eigentum verpflichtet!

 

30. März 2026
von JvHS
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Konservatismus – Formen und Inhalte II

Wolkenmeer

Auf diesem Blog wurde das ein oder andere Mal der Philosoph Odo Marquard zitiert mit der Schlussfolgerung seiner philosophischen Betrachtungen über Modernität und Menschlichkeit: Zukunft braucht Herkunft! Ein Aphorismus, der als Platzhalter dient für Haltung und für das so  entstandene Weltbild. Und genau das wird erst sichtbar im Kontext des versprachlichten Denkens und den damit verbundenen Handlungen.

Welche Inhalte sich in den Begriffen entdecken lassen, setzt voraus, zur erkunden, was für Odo Marquard Modernität, Zukunft und Herkunft und nicht zuletzt Menschlichkeit bedeuten!

Im Begriff „Herkunft“ steckt eine große Bandbreite an unterschiedlichen Entwicklungen: vom Lernen durch Persönlichkeitsvorbilder, über die Bandbreite der Sozialisationserfahrungen (Bildung, Förderung der freien Entfaltung, Gewaltlosigkeit) bis zur Ideologisierung, Machtausübung und Unterdrückung reichen sowohl negative wie positive inhaltlichen Ausformungen, was „Herkunft“ bedeuten kann. Dazu gehört auch jenes, was „Tradition“ genannt, obwohl auch darunter diametral gegensätzliches Denken und Handeln sich verbirgt. So habe die indigenen Völker in Süd-und Nordamerika über Jahrtausende ihre kulturell unterschiedlichen Traditionen vor der Ankunft der Europäer 1492 gepflegt, die von den Kolonisations-Traditionen der Spanier, Franzosen und Engländern vernichtet wurden, die Ausbeutung durch Sklaventum sowie Gold und Bodenschätze raubten und durch Krankheiten zu 90 Prozent zu Tode kamen.

Konservative Gesellschaftsteile, oft aus dem Bürgertum im 19. Jahrhundert entstanden, die ihren Wohlstand in den Gründerjahren ebenso durch Ausbeutung der Arbeitskraft verdankten, begünstigten den Aufstieg Hitlers.

Odo Marquard studierte ebenso bei dem Philosophie-Professor Joachim Ritter in Münster, wie Hermann Lübbe und Robert Spaemann. Eine Gruppe von Philosophen, die alle mehr oder minder verstrickt war in den Institutionen des Nationalsozialismus und seiner Ideologie sowie der Diktatur als Lebenserfahrung. Ritter, der seine Professur nur durch Anpassung behielt. Marquard hatte mutig offengelegt, dass er Adolf-Hitler-Schüler war und die dort gemachten Erfahrungen nach 1945 aufarbeitete. Lübbe war NSDAP-Mitglied und verwies – wie Günter Grass – darauf, dass die Mitgliedschaft in Folge des Militäreinsatzes zwangsweise erfolgt sei.

Jens Hacke, Historiker und Politikwissenschaftler, betont in einem veröffentlichten Interview, dass  Lübbe wie Marquard sich als Liberalkonservative verstanden, die für die junge Bundesrepublik als Staat waren, in der Freiheit, Grundrechte und das politische wie Handeln nur auf dem Boden des Grundgesetzes zur verwirklichen seien. Lübbe sei es um ein Verständnis von Staat gegangen, in der die Zivilgesellschaft stark sein sollte. Lübbe lebte und lehrte ab 1971 in der Schweiz und vertrat aufgrund der gemachten Erfahrungen, dass direkte Demokratie wie Volksentscheide und Bürgerentscheide zur notwendigen und starken Zivilgesellschaft sehr wohl gehören sollten. Eine Entwicklung von Konservatismus, die deutlich freiheitsorientierter sich darstellt, als das Verständnis von Konservatismus bei der klientelorientierten Form des Amthor-, Merz – und wirtschaftsverstrickten Konservatismus mit seiner Affinität zur neoliberalen Autokratie und Kontrollsucht der Zivilgesellschaft.

Die Orientierung dieser politischen Kaste an die bundesrepublikanische Alltagsrealität der Adenauer-Ära, in dem Ex-Nazis wie Arnold Gehlen noch Einfluss hatten mit ihren Vorstellungen vom starken Staat, der sich nicht reinreden lassen darf, dann sind wir bei den reaktionären Vorstellungen der CDU-Werteunion und Typen wie dem ehemaligen Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen (Ex-CDU Mitglied), in dessen Dunstkreis sich auch Philipp Amthor befunden hat.

Eine völlig andere Weltsicht und Vorstellung von Konservatismus als bei Odo Marquard, der in seiner Philosophie die Aufarbeitung des Konservatismus als absolute Wahrheit und ausschließende Weltsicht gelungen ist! Marquard würde dem rechthaberischen Habitus der Werteunion widersprechen und das Handeln eines Philipp Amthor, der das Informationsfreiheitsgesetz abschaffen will, als autokratische Weltsicht ablehnen!

Zitat aus Wikipedia:

Odo Marquard beschrieb diesen Circle der „Ritter-Philosophie“ als Teil des Projekts der Aufklärung, die allerdings weniger Descartes, Turgot, Fichte, Marx, Lukács, Sartre oder Habermas nahe stehe als vielmehr Montaigne, Locke, Montesquieu, Tocqueville, Weber oder Lübbe. Marquard selbst „gehörte zu den wenigen im Collegium, auf die die ‚Kritische Theorie’ und insbesondere das Werk Theodor W. Adornos nicht ohne Einfluß geblieben war“.[10]

Zitatende

 

29. März 2026
von JvHS
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Erscheinungsformen des Konservatismus – Etikett und Täuschung

Philipp Amthor – im Denken und Agieren als ultrakonservativer Bundestagsabgeordneter der CDU zu verorten – wurde 2025 zum dritten Mal in den Bundestag gewählt. (2017 Direktmandat; 2021 und 2025 über die Landesliste Mecklenburg-Vorpommern)

Seit 06. Mai 2025 ist Amthor  Parlamentarischen Staatssekretär bei dem Bundesminister für Digitales und StaatsmodernisierungKarsten Wildberger!

Ein Momentum zum Nachdenken, wessen Geistes-Kind Amthor ist und  was für ihn konservatives Denken und Handeln sei,  lässt sich in Amthors Text in der Sonderausgabe 36 des Philosophie Magazins nachvollziehen: „Konservatismus bedeutet… Gegenwart und Zukunft im Wissen um Traditionen, kulturelle Prägung und Erfahrung zu denken.“ Das ermögliche „eine Grundhaltung, das Bewährte zu bewahren, ohne zu erstarren – und die Zukunft zu gestalten, ohne übereilt dem Zeitgeist zu folgen“.

„Schöne und geheimnisvolle Sätze“, die der Interpretation bedürfen.

Als Mitgestalter der CDU-Grundsatzprogrammkommission bedeute für ihn Konservatismus: „Nicht das Bestehende trage die Begründungslast für das Fortbestehen, sondern das Neue müsse seine behauptete Überlegenheit gegenüber dem Bestehenden erweisen.“

Übersetzt heißt diese Aussage, dass die Umkehrung der Beweislast ganz im Sinne des US-Verständnisses beim unternehmerischen Handeln, solange etwas zu tun, bis die Schädigung von Umwelt und Menschen bewiesen werden kann.  Amthor möchte dieses Verständnis auch auf das politische Handeln transformiert wissen: Das Handeln der Politiker in Form von Klientelpolitik und Lobbyverzahnung á la Wirtschaftsrat der CDU e.V., persönliche Vorteilsnahme durch Interessensvertretung mit Aufsichtsratspositionen bei Unternehmen oder Schaden für die Bundesrepublik durch bewusste Verstöße (Andreas Scheuer – Maut/ Jens Spahn Masken-Skandal) müssen solange erlaubt sein, bis dies strafrechtlich verurteilt wird.

Mit dieser Formulierung wird verständlich, warum Amthor kräftig daran arbeitet, dass das Auskunftsrecht, wie es im Informationsfreiheitsgesetz (IFG) verankert ist und Amthors Lobbyarbeit (Aufsichtsratsposten mit Entgeltbelohnung) für das IT-Unternehmen Augustus Intelligence ( * ) aufgedeckt hat, unbedingt wieder abgeschafft werden soll!

(Karl Poppers Aussage: „„Denn es gibt keine Freiheit, wenn sie nicht vom Staat geschützt wird; und umgekehrt: nur ein Staat, der von freien Bürgern überwacht wird, kann diesen überhaupt ein vernünftiges Ausmaß an Sicherheit gewähren.“… ist Amthor wohl ein Dorn im Auge!)

Ein so verstandener Konservatismus speise sich dabei nicht nur aus Angst vor Chaos, sondern auch aus Demut vor geschichtlich Gewachsenem.“ (Da drängt sich der Gedanke auf, dass die seit Adenauer Zeiten gewachsene Klientelpolitik der CDU mit der engen Verzahnung lobbyistischer Vorteile für Politik und Wirtschaft ein exemplarisches Beispiel für „geschichtlich Gewachsenem“ sein soll!)

Er – der Konservatismus nach Amthor Provenienz – ermöglicht und fundiert dabei zugleich einen positiven Begriff von Autorität als ordnungspolitische Leistung für die Demokratie…(Für diese legomäßig zusammengeschusterte Gummi-Definition beruft sich Amthor auf Hannah Arendt –ein Sakrileg!) … und ein Verständnis von Institutionen als Ermöglichungsordnungen“. Als ergänzende Zutat mixt er mal eben noch eine Prise Arnold Gehlen dazu! Es liegt die Mutmaßung nahe, dass bei diesem Wortdurchfall eine KI kräftig mit halluziniert hat!

( * ) Quelle: Wikipedia für nachfolgenden Auszug

Zitat: Amthors politische Karriere stockte, weil er ab Mai 2019 beim IT-Unternehmen Augustus Intelligence einen Aufsichtsratsposten innehatte. Er besaß Aktienoptionen (bewertet bis zu 250.000 Dollar) [35] des Unternehmens, ließ sich Reisen nach New York, Korsika und St. Moritz[36] finanzieren und betrieb für das Unternehmen Lobbyarbeit[36][37] – dies im Oktober 2018 auch auf offiziellem Briefpapier des Bundestages in einem Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier,[36][38] das per Informationsfreiheitsgesetz (IFG) öffentlich wurde.

Die Generalstaatsanwaltschaft Berlin teilte im Juli 2020 unter Bezug auf eine Strafanzeige gegen Amthor wegen Bestechlichkeit eines Mandatsträgers und Annahme geldwerter Zuwendungen mit, dass sich aus ihrer Prüfung kein Anfangsverdacht ergeben habe und deshalb das Verfahren ohne Ermittlungen eingestellt wurde.[56]

Bei den Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD im Nachgang der Bundestagswahl 2025 warb Amthor für die Streichung des IFG, das zur Enthüllung der Vorgänge um seine Lobbyarbeit beigetragen hatte! Zitatende

28. März 2026
von JvHS
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Odo Marquard – „Teddybären für Erwachsene“ und „Zukunft braucht Herkunft“ beim Heimatverein Schafhausen

Zukunft braucht Herkunft – Philosophische Betrachtungen über Modernität und Menschlichkeit (Odo Marquard)

„Je schneller die Modernisierungen werden, desto unausweichlicher nötig und wichtig werden die langsamen Menschen. Denn die neue Welt kann nicht sein ohne die alten Fertigkeiten (des Humanismus und der Menschenrechte d.V.). Menschlichkeit ohne Modernität ist lahm (und ohne Einfluss d.V.); Modernität ohne Menschlichkeit ist kalt. Modernität baucht Menschlichkeit, denn Zukunft brauch Herkunft.“ – Odo Marquard

Angesichts der sich spaltenden Welt, die immer eindeutiger durch Egomanen und Despoten auf den menschenfeindlichen Weg der Gewaltausübung geführt wird, sind Angebote erfreulich und notwendig, die von engagierten Einrichtungen wie der VHS des Kreises Heinsberg und dem Heimatverein Schafhausen e.V. in Kooperation organisiert werden.

Menschen brauchen vertraute Abläufe der Mitmenschlichkeit, um Halt zu finden in Zeiten der Vertrauensverluste. Und die Erinnerung an eine unbelastete Kindheit mit vertrauter Sicherheit in den Familien ist nicht selten mit Gegenständen verbunden, die über die Generationen hinaus bis heute ein solches Symbol für Sicherheit bedeuten: den Teddybär! Daran erinnerte auch der Philosoph Odo Marquard mit seinem Buch: „Zukunft braucht Herkunft. Philosophische Essays!“

Zitat: „In der wandlungsbeschleunigten und eben dadurch stets aufs Neue unvertrauten und fremden Welt haben auch die Erwachsenen – vom Normalbürger bis zum Intellektuellen – ihre „Teddybären“, die sie mit sich führen. So kommen sie dann etwa: mit Goethe durchs Jahr; mit Habermas durchs Studium; mit Reich-Ranicki durch die Gegenwartsliteratur…“ Zitatende

Ergänzend darf angefügt werden: – „und mit der VHS des Kreises Heinsberg und dem Heimatverein Schafhausen  durch unsichere Zeiten mittels der liebgewonnen Erinnerungen an die Mundart und ihre Klänge.“ Denn „Zukunft braucht Herkunft“.  Und immer auch mit wachem Verstand und mit der Bereitschaft, in Deutschland unsere erhaltenswerte Demokratie zu verteidigen.

Im Folgenden die Angebote der VHS des Kreises Heinsberg und des Heimatverein Schafhausen:

  1. Am Mittwoch, 22. April 2026   Mundarttreffen
  2. Am Samstag, 25. April 2026 Kulturreise nach Immendorf : „Von der Schulbank zum Bürgertum“
  3. Am Samstag, 09. Mai 2026 Tagesreise nach Essen (Zeche Zollverein + Schiffsfahrt auf dem Baldeneysee)

23. März 2026
von JvHS
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Deutschland hatte und hat die Wahl!

 

Jan Bollinger

Eine Gesellschaft – die dem Antisemitismus und Rechtsextremismus Spielraum lässt, und mit der AfD eine Partei wählt, die für ein ausgrenzendes, autoritäres und anti-demokratisches Weltbild steht – geht Schritt für Schritt in die selbstgewählte Unterdrückung und Unfreiheit. Sie“ taumelt in den Abgrund“, wie die Autoren des Buches „Deutsche Lebenslügen“ zum Ende schreiben.

Hass, Gewalt und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit scheinen wieder salonfähig zu sein. Und wieder einmal wird von Teilen der Gesellschaft eine Richtung eingeschlagen, in dem Denken und Handel aus dem verheimlichten Meinungsreservoirs und dem versteckenden Schweigen hervorgeholt werden. Und die „temporären Eindämmungsmaßnahmen“ wie die: „Stolpersteine, die Erinnerungskultur an den Holocaust, die  Parolen von „Nie wieder“ scheinen sich als porös und als „Damm“ wenig nachhaltig zu erweisen!

Die Bereitschaft bei den Wählern ihre Freiheit, vor allem aber ihre Verantwortung  – Europa und Welt weit – an ein System mit  „Führer-Modell“ abzugeben, sowie die Machtverteilung in Konzentration auf ein Individuum oder eine kleine Gruppe zu übertragen und der Willkür-Herrschaft (Trump, Erdogan, Orban, Putin, Höcke, Bollinger (*) und den fundamentalen Religionsführern) Tür und Tor zu öffnen, steigt nun in ganz Deutschland, wie an den letzten beiden Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz nachvollziehbar ist!

Begleitet wird diese unsägliche Richtungsänderung auch von den anderen politischen Parteien, die ihre Fähnchen in den Wind hängen und je nach Stimmungsbild ihren Beitrag dazu leisten, dass die Demokratie geschwächt wird und die Gefahr weiter wächst, in die Autokratie und rechtsextremistische Anti-Demokratie abzurutschen.

Während der Wahlabend im Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk und -TV mal wieder mit Triumphschreie, Schönreden und Pseudo-Analysen die Zuschauer ins „wahrlügende Bild“ setzten, lief parallel die Verleihung des Kleinkunstpreises 2026 des Senders 3Sat. Aufklärung und kabarettistisch- satirische Analyse der politischen Gegenwart waren Gegenstand eines sprachlich-musikalisch-kritischen Menüs.

Sprachgewaltig erfolgte schonungslos der Blick auf den Zustand unserer Gesellschaft. Ein Genuss, in dem der geschärfte Blick auf Fakten gelenkt wurde und mit nicht weniger Deutlichkeit die Beziehungsgeflechte von Politikversagen und Weltsichtsmodelle pointenreich aufgetischt und gereicht wurden, und somit  die Erkenntnisschmerzen mit Heiterkeit und herzhaftem Lachen gemildert wurden.  (Minute  05:05 bis 16:57) Auftritt des Preisträgers in der Sparte „Kabarett“ Claus von Wagner!

Sowohl die Moderation von Tobias Mann und die Auftritte der weiteren Preisträger William Wahl in der Kategorie Musik, Dr. Pop in der Kategorie Kleinkunst und Abdelkarim in der Sparte Stand-up-Comedy sowie die weiteren Auszeichnungen waren Beispiele für Kunst mit großer Bandbreite im Bereich „Unterhaltung mit Pfiff“. (Förderpreis der Stadt Mainz an Ana Lucía, oder den Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz, den Gardi Hutter erhalten hat).

(*) Jan Bollinger (AfD): und die schleichende Zustimmung zum Rechtsextremismus!

Vorläufiges Ergebnis der Landtagswahlen Rheinland Pfalz (c) dpa und Frankfurter Rundschau

 

21. März 2026
von JvHS
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„Supernatural“ – oder Carlos Santanas Reise und seine Musik von der jugendlichen Explosion zur Weisheit im Alter

(c) ARTE-Film „Carlos: Santanas Reise“

„Im Garten einen Baum mit unvorstellbarer Zahl an Monarch-Falter, als würde er diese ausbrüten. Die Erdenzeit sei eine Illusion und ehe ich mich versehe, werde ich bei ihnen sein.“ – Carlos Vater kurz vor seinem Tod.

Ich habe keine Angst mehr…“ (Minute 1:14:24 – 1:15:30) Carlos Santana

Carlos Santana ist in Mexiko 1947 geboren, aufgewachsen in einer Kultur und in einer Familie, in der Musik Teil ihrer Identität war und ist. Jede Kultur hat ihre eigene Entwicklungsgeschichte. Die mexikanische Kultur entwickelte sich über Jahrhunderte von den indigenen Einflüssen der Maya und Azteken als präkolumbianische Geschichte hin zu den kolonialen Beeinträchtigungen durch die spanischen Eroberungen.

In jeder Kultur sind negative und positive Merkmale und Spuren zu finden. Welche Merkmale sich durchsetzen, bestimmen die Gegebenheiten für die Menschen, die nach dem Verständnis erfolgt: Das Sein bestimmt das Bewusstsein! Bei Carlos Santana hatte die Musik in der Familie eine innere Kraft entwickelt, die das positive Momentum der geschichtlichen Kulturen bündelte und – über die Rückschau von Carlos individueller Entwicklung – zu seiner Musik mit dem unverwechselbaren Stil geführt hat. Einer Musik – vor allem seiner Spätzeit –  die in seinen Zuhörern Empathie anstoßen kann und Mitmenschlichkeit zum Tragen bringt.

Carlos Santana generiert einen Mehrwert für die Mitmenschen, während in dem Unmenschen Donald Trump das Gegenteil wirksam wird. Trump ist der Prototyp des Negativen und das exemplarische Beispiel des Neoliberalismus, der für eine A-Kultur der Manipulation, Unterdrückung, Erpressung, Egoismus und Gier steht, welche die Welt ins Chaos und Leid führt. Am deutlichsten sichtbar geworden in seiner Aufputsch-Rede vor einem Mob am 06. Januar 2021, die zur „Erstürmung des Kapitols“ führte, um die Ernennung des gewählten neuen Präsidenten Joe Biden durch den Kongress zu verhindern. Eine Straftat, für die Trump unter anderem durch die Grand Jury vor Gericht gestellt werden sollte. Für weitere Straftaten wurde Trump am 30. Mai 2024 von den Geschworenen in allen 34 Anklagepunkten in erster Instanz schuldig gesprochen.

Legendär war Santanas Auftritt beim Woodstock Festival 1969, noch wild und explosiv (sein Beitrag: „Soul Sacrifice“) und doch enthielten seine Stücke schon wesentliche Elemente einer Musik, die später als „Latin Rock“ – eine Verbindung lateinamerikanischer Rhythmen mit Jazz, Blues und Rock´n`Roll –  kategorisiert wurde. Im Filmbeitrag „Carlos: Santanas Reise“ auf Arte fügen sich die persönlichen Aussagen und die seiner Familienmitglieder zu einem passenden Puzzle seiner musikalischen und charakterlichen Persönlichkeit.

Bei der Verleihung des Bill Board Century Awards 1996, sagte der Moderator: „Er ist ein Mensch, der Integrität, Würde und Mut gezeigt hat, wie man zu seinen Überzeugungen und sich selbst steht. Und das mit einer Familie, die bedingungslos hinter ihm steht.“

Die Aufnahme von Carlos Santana 1996 in die „Rock´n´Roll Hall of Fame“ war ein Höhepunkt für Santanas Musikkarriere: „Wir hörten Jimmy Hendrix, John Coltrane und Carlos Santana“… formulierte der Laudator.

1999 produzierte Santana sein Album „Supernatural“ mit anderen Musikern, für das er im Jahr 2000 acht Grammys erhielt. Für seine Musik, nun weiterentwickelt zu einem „runden, harmonischen und faszinierenden Gesamteindruck!“

Es war zudem noch „Rundfunk tauglich“ und verband in seiner Hörbarkeit die musikalischen Vorlieben der Generationen der letzten 50 Jahre! Die Verbindung des Musikstyle und der Spieltechnik Santanas erreicht die hedonistische Seite bei den Menschen, welche Freude, Genuss und Vergnügen auf der emotionalen Ebene auslöst. Alle Sinnenfreuden auszufüllen, das ist ein für die Menschen in der heutigen Zeit notwendiger Ausgleich zur Vernunft, um das Gleichgewicht herzustellen und um hinreichende Resilienz aufzubauen.

Carlos Santanas Musik – für den Autor dieser Zeilen besonders in seiner späten Musik gelungen – enthält diese Kraft zu überzeugen und den Menschen Mitmenschlichkeit zu vermitteln. Elemente seines Spiels, welche die Menschen berühren, benannte Carlos Santana mit:

„Wenn man ein Gitarren-Solo spielt, muss man Melodie, Rhythmus, Intonation, Tempo, Emotionen, Leidenschaft und Feuer in Einklang bringen!“ – Carlos Santana

Arte Film: Carlos: Santanas Reise (1:22:32)