Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

Rechtsruck in den Gesellschaften – ein Umbruch mit dem Potential zur Zerstörung der Demokratie oder Chance zur Reformation

Leben
einzeln und frei wie ein Baum
Und brüderlich wie ein Wald,
das ist unser Begehren (Nazim Hikmet)

Vor 500 Jahren leitete Martin Luther einen Umbruch ein, der nicht nur die christliche Kirche reformierte und die Gesellschaften der nachfolgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte in eine kriegerische Zerstörung führte. Es war auch die Veränderung zu einer geistigen Auseinandersetzung mit der Frage: Wie wollen wir in Zukunft leben? Am Ende führte der von Luther begonnene Umbruch in neue, aufgeklärte und demokratische Gesellschaften.
Dass dieser Weg leider auch Umwege über Diktaturen, Weltkriege und Völkermorde einschlug, ist eine Erkenntnis, die auch heute wieder in das Bewusstsein der Menschen gehoben werden muss. Demokratie in der Verfassung des Grundgesetzes ist die Zusicherung für Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit. Sie ist jedoch immer und zu allen Zeiten gefährdet.

Der Neoliberalismus nagt an den Wurzeln der sozialen Gerechtigkeit und der Gleichheit vor den Steuerpflichten und damit letztlich auch an der Freiheit. Seine Lobby-Legionen sorgen für ein Ungleichgewicht in der Freiheit der besitzenden Schichten, vor allem der wirtschaftlichen Investitionen. Die Sicherung der Einkommen aus Vermögen wird höher gewertet, als das Arbeitseinkommen. Die  Beteiligung an der Finanzierung der Daseinsfürsorge wird – auch mit Hilfe der Politik – minimiert für die Reichen. Der praktizierte Verstoß gegen das Grundgesetz, dass Eigentum verpflichtet, wird zur Selbstverständlichkeit und zum Programm der Vermögenden.

Der Populismus nagt an der Menschenfreundlichkeit. Diejenigen, die sich seiner bedienen, sind ohne Skrupel, sind Verführer und verantwortungslos.

Menschenfeindlichkeit wird wieder hoffähig gemacht und mittels  Gewalt umgesetzt – die Kategorien dazu reichen von  Fremdenfeindlichkeit über Rassismus und Abwertung von gesellschaftlich diskriminierten Gruppen bis zu den Etablierten-Vorrechten. Menschenfeindlichkeit setzt im Kern die Emotionalität an die Stelle des rationalen Denkens. Gehandelt wird auf der Grundlage von voreiligen und verkürzten Urteilen.

Populismus nagt aber auch an der Demokratie, weil weder die Wege der Vereinfachung, noch die widerlichen Slogans einen Ausweg aus den tatsächlichen Problemen weisen, sondern oft sogar die Gewinner dieser Strategien des Krawallweges eine Polarisierung der Gesellschaft noch vertiefen. Es gibt mit den Nutzern und Anwendern der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit keinen Gewinn für die Sicherheitsbedürfnisse der Menschen. Vielmehr zeigen die ferneren und näheren geschichtlichen Ereignisse, dass Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit und die damit verbundene Polarisierung der Gesellschaft Tendenzen der Entsolidarisierung fördern.

Nur wo eine soziale Demokratie und eine soziale Marktwirtschaft bestehen, die Armut und ihre Ursachen beseitigen, kann die Zerstörung der demokratischen Gesellschaftsordnung aufgehalten werden.

Wie gefährdet die Demokratie in den westlichen Gesellschaften ist, zeigt sich an den Entwicklungen rund um den Globus. Einige lesenswerte Anregungen zum Nachdenken über die Entwicklung der Demokratien sind  hier  und hier zu finden.

Version vom 20. November 2016 – wieder eingestellt!

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