Der Tod eines Freundes oder eines Familienmitglieds erinnert uns an die Endlichkeit des eigenen Lebens. Das ist uns hinreichend bekannt. Im Abstand zu dem, was uns der Tod in direkter Nähe (ob Familienmitglied oder Freund) emotional abverlangt, ist die Betrachtung aus dem Blickwinkel der Vernunft und des Handelns anderer Menschen.
Um die emotionale Betroffenheit zu verarbeiten, dient die Trauer, die Menschen empfinden und vor allem zulassen dürfen.
Die Unfähigkeit zu trauern ( ) ist leider oft verbreitet, weil das Thema tabuisiert ist. Das führt gleichzeitig nicht selten zu psychischen Belastungen, die nicht nur den Einzelnen verändert, sondern ganze Gesellschaften. Das galt für Deutschland und viele Deutsche hinsichtlich der Schuld am WW 2 und des Holocaust. Die Verdrängung der Mittäterschaft und die sogenannte „Entnazifizierung“ waren eine unselige Entwicklung, die wahrscheinlich im privaten Bereich zu Traumata einerseits führten, und andererseits bis heute wirken und eine mögliche Ursache sind für die hohen Zustimmungszahlen zur AfD und den Zielen, die Demokratie abschaffen zu wollen.
Den Themenbereich der Endlichkeit des eigenen Lebens und den Umgang mit dem natürlichen Tod (nicht den durch Kriege und Verbrechen) Vernunft orientiert zu verarbeiten, bedeutet, sich der Frage nach dem „Sinn des Lebens“ zu stellen. Als Lebewesen haben die Menschen die Freiheit der Entscheidung, welches Leben sie führen wollen und auf welcher Grundlage sie sich ihren Sinn des Lebens geben. Es bleibt aber immer, dass jeder einzelne Mensch auch dafür Verantwortung trägt, soweit die Bedingungen des „Seins“ den Rahmen dafür geben.
Das haben Menschen schon immer gemacht. Daraus sind wohl auch Religionen entstanden. Es fängt mit dem Gilgamesch-Epos an, auf das die Bibel mit Alten und Neuen Testament als auch der Koran beruhen.
Philosophie-Entwürfe sind eine alternative Form, die Sinnfrage zu beantworten. Einige Philosophen sollen hier kurz angeführt werden, weil sie einen Ansatz für die eigene Beschäftigung mit dem Sinn des Lebens sein können.
Platon hat als Antwort darauf formuliert, dass des Sinn des Lebens darin bestehe, „Wahrheit“ erkennen zu können. Letztlich meint er damit, Erkenntnisfähigkeit zu entwickeln, um das, was wir mit den Sinnen aufnehmen, zu hinterfragen, zu prüfen und für die beste Formen des Zusammenlebens in der Gesellschaft zu wählen. (Das ist als Prinzip sinnvoll bis heute; seine konkreten Entscheidungen aber sind vom Erkenntnisstand damals zu betrachten.) Das Höhlengleichnis (durch sein Alter Ego
Sokrates erzählt) belegt, warum das Hinterfragen und das Erkennen können eine der wichtigsten Fähigkeiten des Menschen sind.

Höhlengleichnis Platons / frei nutzbar
Aristoteles stellt als Sinn des Lebens das „Glück“ in das Zentrum seiner Philosophie. Glück empfinden aufgrund der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse für die Gestaltung der Lebenskonzepte.
Die Kategorien seiner Erkenntnisfähigkeiten und Wissenschaft sind gleichzeitig auch die bis heute angewandten Philosophieschwerpunkte: praktische Philosophie (die Politik, Rhetorik und Ethik umfassen), sowie die theoretische Philosophie (Logik, Mathematik, Naturwissenschaften, Erkenntnistheorie). Grundlegende Ethiken, die bis heute gelten, dazu gehört auch die Nikomachische Ethik!
Kant dagegen entwickelt mit seinen Kategorien eine Philosophie der „Pflicht“. Seine wichtigsten Werke sind dagegen: Kritik der reinen Vernunft; Kritik der praktischen Vernunft und Kritik der Urteilskraft. Sein kategorischer Imperativ gibt den Kern seines Verständnisses wider, was der Sinn des Lebens sein soll. „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, daß sie ein allgemeines Gesetz werde.“
Hans Jonas legte den Schwerpunkt seiner Philosophie (Das Prinzip Verantwortung ) auf die Übernahme der Verantwortung für das eigene Handeln. Jonas erweiterte Kants kategorischen Imperativ mit dem Einbezug der Ökonomie/Wirtschaft und einer Ethik, die sich aus den neuen Herausforderungen für die menschliche Zivilisation und den modernen Technologien ergab:
„Handle so, daß die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ – Das Prinzip Verantwortung
Der Dalai Lama und sein Freund Erzbischof (anglikanische Kirche) Desmond Tutu sind praktische Vorbilder für die Menschen, weil sie ihre Erkenntnisse was der Sinn des Leben sein kann, gemeinsam in einem Buch (Das Buch der Freude, Heyne Verlag) vorgestellt haben. Sie sehen den Sinn des Lebens in der Freude am Leben, egal wie schwierig die Umstände sind. Es ist ein lesenswertes Buch, wie ich meine. Sie, die beiden Friedensnobelpreisträger, benennen dabei einen Weg für die Umsetzung:
1. Hindernisse auf dem Weg zur Freude
1.1 Ängste und Stress
1.2 Wut und Ärger
1.3 Traurigkeit und Kummer
1.4 Verzweiflung
1.5 Einsamkeit
1.6 Neid
1.7 Leid
1.8 Krankheit + Todesfurcht
2. Acht Säulen der Freude
2.1 Blickwinkel und Sichtweisen auf die Einflüsse durch die Welt
2.2 Bescheidenheit und Demut
2.3 Humor – Lachen und miteinander Scherzen
2.4 Akzeptanz: Die einzige Form, mit der Veränderung beginnen kann
2.5 Vergebung: Sich von der Vergangenheit befreien (durchaus auch mit professioneller
Hilfe)
2.6 Dankbarkeit: Ich habe ein Leben, das ist Glück, das ich selber füllen kann
2.7 Mitgefühl: Empathie und soziales Engagement
2.8 Großzügigkeit: eine praktische Umsetzung von Freude
3. Es ist die innere Freude, die dem Dasein Sinn verleiht und dabei ein Weg ist, Frieden in die
unsichere Welt zu bringen.