„Wo die Männer (Menschen) versagen, da ruft man nach dem (starken) Mann (der Frau). Der Faschismus, der überall anders, überall in neuer nationaler Vermummung auftritt, weist in allen Ländern diesen einen gemeinsamen Wesenszug auf: Die Sehnsucht nach dem Diktator. Die erschlafften Völker suchen nach einem Hirn, das für sie denkt, nach einem Rücken, der für sie trägt.“ – Carl von Ossietzky
Nazis und Rechtsextreme muss man auch so benennen
Immer wieder hört und liest der aufmerksame Beobachter die Aussagen von Menschen, die der AfD ihre Stimme geben:
„Ich bin kein Nazi! „… „Ich bin ein ganz normaler Mensch mit Vaterlandsliebe“… „ich mache von meinem Recht auf Meinungsäußerung Gebrauch“… „ich bin patriotisch-nationalistischer Idealist“… „ich bin für >Deutschland den Deutschen<“… „Höcke hat Recht, die links-grün versifften müssen weg, notfalls mit durchsetzender und ordnender Gewalt“… „wo der gesunde Volksverstand hobelt, fallen eben bunte Späne…“.
Die selbst- und fremdtäuschende Aussage „Ich bin kein Nazi…“ weist auf mangelnde Selbstwahrnehmung und fehlende Selbstkritik hin. Die Weltsicht der AfD-Mitglieder und Unterstützer verinnerlicht die Ausgrenzung von Mitmenschen (– die Sachlichkeit schätzen, Kritik an nationalistischer Gewalt üben, Toleranz praktizieren, die Demokratie verteidigen und vor autokratischen und Terror-Staatsmodellen warnen – ) und zielt auf die Abschaffung der offenen und freien Gesellschaft.
Damals – im Hitlerterror-System und auch im DDR-Stasi-Unrechts-System – wie heute, genau die gleichen Denk- und Handlungs-Muster und der gleiche Hass und die gleiche Gewaltbereitschaft sind im Umfeld der AfD als um sich greifende Praxis zu beobachten!
Und die Empörung über die Unterstützung der Ziele und der Gesinnung der AfD durch Wähler und Sympathisanten dieser antidemokratischen Partei bleibt aus – in den anderen Parteien wie auch bei der Mehrheit der Bevölkerung!
Das Verhalten bei über 40% Zustimmung für die AfD im Bundesland Sachsen-Anhalt und bis 30% bundesweit muss als das bezeichnet werden, was es ist: völkisches (Blut-und Boden), antisemitisches und antidemokratisches Denken, das in Pamphleten und Programmen sprachlich zum Ausdruck gebracht wird.
Und bis hin zum Bundeskanzler Merz ist aus gesinnungsethisch-politischen Gründen das AfD-affine Denken und Handeln bei Teilen der rechtskonservativen und neoliberalen Unionsparteien CDU/CSU auf dem Vormarsch! Die Blockade des Partei-Verbotsverfahren gegen die AfD durch die CDU/CSU-Union ist ein Kardinalfehler und gefährdet die Demokratie. Verstrickungen der Unionsparteien zu gemeinsamen Abstimmungen mit der AfD auf den verschiedenen Ebenen der Politik – von der kommunalen Ebene, über die Landtags- bis zur Bundesebene – werden stillschweigend geduldet. Statt innerparteilich aufzuarbeiten, wird versucht, Aufklärung dazu durch NGOs zu unterbinden!
Zudem tragen der Sprachgebrauch der AfD und die Übernahme dieser Sprachmuster zum Rechtsruck in der Gesellschaft bei. In den Plakatschlagzeilen der AfD-Plakate „Deutschland. Aber normal!“ wird die Bedeutung des Wortes „normal“ verschoben, in dem die tolerante, freie und offene Gesellschaft als nicht mehr normal verortet wird! Weitere Beispiele für die Okkupation der Sprache sind der völkische (oder ethno-betonte) Nationalismus mit „Deutschland den Deutschen“, der in vielen Situationen (Fußball-Fans, Vereins-Stammtischen, Internet-Propaganda in den sozialen Medien) in die Köpfe gehämmert wird. Diese Sprachgebrauchsmuster weisen auf die sprachliche Nähe zum Nazi-Regime im Nationalsozialismus der 1933-1945er Jahre hin.
Sprachliche Gewalt wird im Umfeld der AfD und AfD-affinen Aktivitäten praktiziert und ist Vorstufe oder Ergänzung zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.
Die Linguistik (Sprachwissenschaft) Professorin Deborah Kämper untersucht in ihrem Buch »Die Sprache der Rechten. Wie sie reden und was sie sagen« (2025) die Auswirkungen der Sprache im Umfeld der rechtsextremistischen Teile in der AfD. Sie kommt zu folgenden Ergebnissen:
- Es zeigt sich zuerst und vor allem sprachlich, dass die AfD eine Gefahr für die Freiheit ist.
- Ihre Sprache lässt das sie prägende Menschenbild erkennen, sie negiert die in unserem Grundgesetz verbürgte Gleichheit der Menschen, spiegelt Aggression und Gewalttätigkeit in ihrem Denken – und ist zu großen Teilen dem Nationalsozialismus sehr nah.
- Dieser menschenfeindliche, aggressive Sprachgebrauch, der so viel aussagt über das Denken, Wollen und Sollen der Urheber, sollte als wesentliches, zentrales Kennzeichen in die Argumentation der Demokratinnen und Demokraten (auch im Zusammenhang mit einem Parteiverbot) aufgenommen werden.
- Es ist der Rechtsextremismus, der den starken Bezug zum NS (Nationalsozialismus) hat. Rechter Antisemitismus in Deutschland ist zudem von der Geschichte der Schoa nicht zu trennen.
- Menschenfeindlichkeit und Aggression, exterminatorische (auf völlige Vernichtung ausgerichtet) Vorstellungen und Hass sind mit sprachlichen Entsprechungen in Wortschatz und Formulierungen Kennzeichen rechtsextremer Sprache, insbesondere in den sozialen Medien. Subsummiert als sprachliche Gewalt, die Schwester der körperlichen Gewalt.
Merkmale des weltweit neu erstarkenden, menschenfeindlichen Faschismus