Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

Von Luftgeistern, falschen Propheten und der „Brot und Spiele-Ablenkung“ der Menschen

„Mein Ausgangspunkt ist nicht, daß alles böse ist, sondern daß alles gefährlich ist, was nicht dasselbe ist wie böse. Wenn alles gefährlich ist, haben wir immer etwas zu tun. Deshalb führt meine Position nicht zur Apathie, sondern zu einem Hyper- und pessimistischen Aktivismus.“ Michel Foucault

„Das Motiv, das mich getrieben hat, ist sehr einfach. Manchen, so hoffe ich, könnte es für sich selber genügen. Es war Neugier – die einzige Art Neugier, die die Mühe lohnt, mit einiger Hartnäckigkeit betrieben zu werden: nicht diejenige, die sich anzueignen sucht, was zu erkennen ist, sondern die, die es gestattet, sich von sich selber zu lösen.

Was sollte die Hartnäckigkeit des Wissens taugen, wenn sie nur den Erwerb von Erkenntnissen brächte und nicht in gewisser Weise und so weit wie möglich das Irregehen dessen, der erkennt? Es gibt im Leben Augenblicke, da die Frage, ob man anders denken kann, als man denkt, und anders wahrnehmen kann, als man sieht, zum Weiterschauen oder Weiterdenken unentbehrlich ist. 

Der ‚Versuch‘ – zu verstehen als eine verändernde Erprobung seiner selber und nicht als vereinfachende Aneignung des andern zu Zwecken der Kommunikation – ist der lebende Körper der Philosophie, sofern diese jetzt noch das ist, was sie einst war: eine Askese, eine Übung seiner selber, im Denken.“ Michel Foucault

Der schleichenden  Etablierung von Macht war  Foucault auf der Spur. Die Formate der Privat-TV-Anstalten mit ihren sinnentleerten Angeboten, gespickt mit dem Ziel der diskriminierenden und vernichtenden  Handlungen schreiben sich tief in die negative Formierung des Denkens der so abgelenkten passiven Menschen. Zugleich wird Mitmenschlichkeit verdrängt und solidarisches Handeln aus dem Bewusstsein entfernt.

Mit der Entwicklung der KI/AI braucht es für die Machtinhaber nicht mal mehr ein anonymer Stellvertreter, der heimlich agiert. Der wird unter den Bedingungen einer post-modernen Kontrollgesellschaft im Grunde nicht mehr benötigt. Es reicht hier die bloße Androhung, dass da ein anonymer Beobachter sein könnte, ohne dass da überhaupt noch jemand ist! Abgelenkt von unseligen Privat-TV-Angeboten und der Info-Flut der Chatgruppen vollziehen die Menschen  im vorauseilenden Gehorsam ihre Unterdrückung von ganz alleine, üben die Kontrolle durch suchtähnliche Abhängigkeiten über sich selber aus.

Die Welt der Arbeit zeigt sich insbesondere in all den Internet- und Softwarefirmen, sowie den wie Pilze aus dem Boden sprießenden Rechenzentren der KI/AI-Tech-Firmen, die menschliche Arbeit ersetzen. Oder wie in den diversen Agenturen und der Bankenwelt und der großen Konzerne das System der Internalisierung und Konditionierung sich ausbreitet, das uns steuert und kontrolliert.

All diese Aspekte einer kritischen Aufklärung, die den Menschen über sich selber aufzuklären vermag – siehe Kants Konzept von Aufklärung und Adornos/Horkheimers „Dialektik der Aufklärung“ – sind  in den Schriften Michel Foucaults nachvollziehbar! Sie umfassen immer die Themenbereiche: Wissen, Macht, Subjekt/Objekt-Verhältnis und was Wahrheit ausmachen kann.

„Ich bin nicht da, wo ihr mich sucht, sondern hier, von wo aus ich Euch lachend ansehe“ schrieb Foucault – der maskierte Philosoph, der sich nicht gerne festnageln oder festlegen ließ, und somit schwerlich vereinnahmt werden konnte für instrumentalisierte Absichten.

Daneben existiert manchmal Kunst als Korrektiv des lästigen Alltags und als Narkotikum einerseits, sowie anderseits als Flucht in eine individuelle Freiheit, die der herrschenden Regelhaftigkeit und Notwendigkeit der Regeleinhaltung in der rechtsstaatlich gestützten Demokratie eine lange Nase zeigt.

Man frage mich nicht, wer ich bin, und man sage mir nicht, ich solle der gleiche bleiben: das ist eine Moral des Personenstandes; sie beherrscht unsere Papiere. Sie soll uns frei lassen, wenn es sich darum handelt, zu schreiben Foucault (oder zu malen, gravieren und zu gestalten.)“

Doch wer die Freiheit ohne die Freiheit der Mitmenschen denkt und das eigene Tun aufgrund von ergaunerter Macht in Form der Verfügung über Vermögen einsetzt und Unterdrückung an die Stelle der Regeln á la Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit gewaltsam platziert (wie z.B. Elon Musk), dem ist Widerstand entgegen zu setzen.

Widerstand in Form von Konzepten ist immer wieder in der Geschichte nachvollziehbar, sei es jetzt aufgrund der Kapitalismuskritik Karl Marx (Neu: Thomas Piketty „Das Kapital im 21. Jahrhundert“) , der Arbeit Paulo Freire durch Bildung als Möglichkeit, die Unterdrückungsverhältnisse zu erkennen und zu verändern, oder durch Michel Foucaults Infragestellung der Macht als Methode, die jeweilig aktuellen Machtverhältnisse zu hinterfragen und zu verändern.

Widerstand muss nicht als revolutionärer Akt verstanden werden, wie Marx und Engels es in ihrem Manifest versuchten, sondern in dem Transparenz des politischen Handelns geschaffen wird und das Durchbrechen des „großen Schweigen der Mehrheit“ als Prozess vorangetrieben und in politisches Handeln transformiert wird. Aktuelle Formen finden sich im Handeln und den Konzepten der NGOs von „FragdenStaat“, „Mehr Demokratie“  (in NRW), „Gemeingut in Bürgerhand“ bis zu  „Lobby Control“!

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