Blick auf die Welt

Sehen und Erkennen / Bildsprache – Wortsprache

7. Mai 2017
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Kunsttour-Rückschau 2017 – Künstlerin Gertrud Schaefer

Kunsttour-Rückschau 2017 – Künstlerin Gertrud Schaefer

Gertrud Schaefer mit ihrem Kunstobjekt „Dedactulus“, Objekt einer exzellenten Technik der Tonverarbeitung.

Kreis Heinsberg. Bei der Kunsttour, dem Tag der offenen Ateliers und Galerien in der Freizeit-Region Heinsberg, werden in diesem Jahr auch einige „Neulinge“ dabei sein, sprich Künstlerinnen und Künstler, die zum ersten Mal teilnehmen. Eine von ihnen ist Gertrud Schaefer.

Auf ein abgeschlossenes Studium an der PH Aachen bei Professor Benno Werth im Lehramt für Kunst und Textilgestaltung blickt die Künstlerin zurück. Sie lebt und arbeitet in Heinsberg-Kempen. Schon im Studium macht sie erste Erfahrungen mit dem Material Ton. Bis zum heutigen Tag ist Ton das Ausgangsmaterial vieler ihrer Werke. Im eigenen Ofen werden ihre gestalteten Objekte bei bis zu 1240 Grad gebrannt. Neben dem Steingut sind Objekte aus Porzellan, deren Oberflächen als farbiges Dekor ausgelegt sind, ein weiteres Betätigungsfeld für ihre Experimentierfreude. Dabei lässt sie sich von der Formenfülle der Natur inspirieren.

„Ich bilde nicht nach oder ab, wenn ich arbeite. Im Umgang mit dem Material erfolgt eine Neugestaltung“, beschreibt sie im Gespräch ihr experimentelles Vorgehen beim künstlerischen Gestaltungsprozess. So habe sie eine große Erfahrung sammeln können, auch um die plastische Masse des weichen Tons in Formen zu bringen, die gerade ohne die sonstigen Hilfsmittel der Stützung auskommen und bei den Werkstücken ein Erstaunen beim Kenner aufkommen lassen.

Foto2: Objekt aus geschichtetem Ton, die Metamorphose zum Schmetterling durch Verpuppung der Raupe gleichend.

An eine große verpuppte Raupe, aus der in Kürze ein bunter Schmetterling sich herausarbeiten könnte, erinnert eine ihrer Skulpturen. Wie Antonio Gaudi die Stabilität der Pflanzenstruktur auf seine Architektur anwendete, so lässt Gertrud Schaefer die äußere Hülle ihres Kunstwesens entstehen. Eine fein strukturierte Oberfläche und doch feste Hülle entsteht, gebildet aus gerissen Tonplättchen, die das Innere verdeckt und der Fantasie überlasst. „Die äußere Form soll die Innenwelt nicht erkennen lassen“, beschreibt sie ihre Idee zu dieser Plastik.

Foto3: Objekt, bei dem das Innere schon nach außen dringt und doch noch verborgen bleibt.

Die verschiedenen Entwicklungsstufen sind an ihren Objekten nachvollziehbar. So dringt und wächst nach außen, was noch innerlich verborgen ist. Wie Fruchtkörper oder Wesen mit Tentakeln und kleinen Röhren präsentiert Schaefer verschiedene Oberflächen – von glatt bis rau, immer jedoch ein wenig an Wesen aus einer anderen Welt erinnernd. Im nächsten Entwicklungsschritt ermöglicht sie einen Einblick in die Innenwelt ihrer wesenhaften Objekte.

„Dedactulus – ein Kunstwort und aus verschiedenen Bedeutungen zusammengesetzt“, nennt sie eine dieser Kunstobjekte. Mit feinsten Details und bis zu den kleinsten Fruchtfäden geschichtet zusammengefügt, erscheint das Innere wie bei der aufgeschnittenen Hälfte eines Fruchtkörpers. „Es soll eine Entdeckungsreise von außen nach innen stattfinden“, erläutert sie diese Gestaltungsphase. Die Lust am Experimentieren ist auch beim nächsten Objekt erkennbar.

Foto4: Objekt, dem Schnitt durch die diffizile Architektur eines Insektennestes gleichend, die Schichtung und die Spannung beim Brennvorgang steuernd.

Wie bei einem Schnitt durch ein kunstvoll zusammengefügtes Insektennest wird sichtbar, wie die feinen, geschichteten Lagen zusammengefügt sind. „Hier kommen beim Brennen unterschiedliche Spannungen zum Tragen“, verweist sie auf handwerkliche Fertigkeiten und Kenntnisse, die jeder gelungenen Kunst vorausgehen.

Seit dem Jahr 2005 nimmt Gertrud Schaefer an Ausstellungen teil. So hat sie unter anderem ausgestellt im Künstlerforum Schloss Zweibrüggen, im Kunstverein Heinsberg und im Künstlertreff EESDRON. Die Motivation zur Teilnahme mit einer Einzelausstellung an der Kunsttour habe verschiedene Aspekte: „Ich wollte wissen, wo ich stehe mit meiner Kunst und mich der Bewerbung stellen. Und ich wollte mit meinen Objekten die Keramik aus dem Nischendasein der Kunstszene hervorholen“, lässt sie das Engagement zu ihrem Material erkennen. Gleichzeitig verbinde sie damit auch eine Botschaft und sehe ihre Kunst in gesellschaftlicher Funktion: Schaut genauer hin, was um euch herum geschieht, will sie ihre Mitmenschen wissen lassen. Ihre Kunst ist nicht provokant, sondern bleibt dabei  eher leise, aber umso beeindruckender.

Ihre Kunstwerke sind in den Räumlichkeiten des atelier-k in der Hochstraße 45 in Heinsberg während der Kunsttour am Sonntag, dem 07. Mai 2017 zu sehen. Die Räumlichkeiten sind auch schon am Samstag, dem 06. Mai  von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.  (jwb)

Fotos: © JWB

Version vom 06. Mai 2017 – wieder eingestellt nach Serverumzug

21. April 2017
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Wer Luther sagt, muss auch Adenauer sagen…

Wer Luther sagt, muss auch Adenauer sagen…

Politiker verhalten sich so, als ob Politik ein Handlungsraum sei, in dem für Ethik und Moral kein Platz sei und diese wie Kleidungsstücke an der Garderobe der Parlamente abgelegt werden müssten. Die Bandbreite dieses Verhaltens reicht von Stillhalten oder Zustimmung bei unredlichen Vereinbarungen zum Nachteil der Bevölkerung, über Vorteilsannahmen in Form von Kungeleien und Positionen wie Aufsichtsratsposten und Zugehörigkeit zu Seilschaften bis zur Genehmigung von Geschäften in der Verantwortung als Ressort- und Ministeriumsleitung, die gegen die grundgesetzlichen Rahmenbedingungen verstoßen, wie etwa bei genehmigten Waffenlieferungen.

Dass weltweit zudem noch weit schlimmere Ausformungen zu beobachten sind, kann seit jeher beobachtet werden und reicht dort von Menschenrechtsverletzungen über diktatorische Entwicklungen bis zur Kriegsführung zur Erreichung der eigenen verwerflichen Ziele.

Heiner Geißler bemüht in seiner Kolumne in der Aachener Zeitung von Luther über das deutsche Kaiserreich, der Weimarer Republik und den niederträchtigsten zwölf Jahren der faschistischen Naziherrschaft bis zu Konrad Adenauer die Geschichte, um letzteren als Gründer und Verwirklicher der Unionsidee zu loben, der damit eine Volkspartei gegründet habe, die mit ihrer Westbindung „die Idee der Union Europas und der christlichen Demokratie umgesetzt habe. Beide sind – gerade wegen der universellen Probleme – das tragende ethische Fundament für die Humanisierung der globalen Politik.“ (Quelle: AZ)

Er spricht damit die Politik sowie die von den Regierungsverantwortlichen getroffenen Vereinbarungen über das Reglement in unserer Republik an, welche die Philosophen von Thomas Hobbes über Jean-Jacques Rousseau bis zu John Rawls den Gesellschaftsvertrag nannten. Den mitzugestalten haben sehr wohl alle Menschen in einer Gesellschaft die Pflicht und das Recht, nicht jedoch nur ein Kanzlerwahlverein namens CDU/CSU. Das aber hat Adenauer ebenso wenig zugelassen, wie die Abstimmung, ob Deutschland als neutrales Land gestaltet werden sollte. Dagegen ließ er aus rein machtpolitischen Erwägungen zu, dass Nazirichter, Nazierzieher, Naziverwaltungsbeamte wieder in Amt und Macht installiert wurden. Ihre Seilschaften wieder bis in die Finanz- und Unternehmenswelt Einfluss nehmen zu lassen, liegt ebenso in der Verantwortlichkeit des ersten Kanzlers. 

Dass diese sogenannte pragmatische Lösung – oder wie Adenauer es lapidar formulierte: „Sie können schmutziges Wasser nicht wegschütten, wenn sie kein sauberes haben“ – zu einer bigotten Haltung führte, lässt sich seitdem nachweisen. So fordern die aus diesem Geist entstandenen national-konservativen Schichten bis heute den Ausschluss der ehemaligen DDR-Elite und den Mitgliedern der Partei „Die Linke“ aus der Regierungsverantwortung. Zudem ist diese geistig-unmoralische Haltung die Basis der unseligen AfD, geboren aus der braunen Soße, die bis heute in den heimischen Gemächern brodelt. (Update hierzu: the guardian berichtet von Entscheidungen der Alliierten bei den Nürnberger-Prozesse in der frühen Nachkriegszeit 1946, statt Nazi-Bekämpfung den Schwerpunkt auf den kalten Krieg zu legen.) 

Das Lob Heiner Geißlers auf diese Entwicklung ist einerseits nur erklärbar und zustimmbar, wer beide – mit der parteiischen Blindheit geschlagenen – Augen zudrückt. Zudem sind Vorwahlzeiten, da wird Heiner Geißlers Text zusätzlich in seiner Glaubwürdigkeit beschädigt und bleibt einseitig.

Was Geißler vergisst zu erwähnen, ist, dass die Bindung an das atlantische Bündnis nur ein Weg war. Der allerdings heute in die neoliberale Wirklichkeit geführt hat, die laut Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung immer noch Kinderarmut in dieser reichen Republik produziert und etabliert. Und das mag die so gelobte Union des Konrad Adenauer ebenso wenig gerne zugeben. So wird politisches Handeln genutzt, eine geschönte Wirklichkeit zu verkaufen. Und da greift dann wieder die Bigotterie der „christlichen Demokratie“, statt nach einer Neuausrichtung des Gesellschaftsvertrages zu schauen, der in der Ära von Terrorismus, Nationalismus und Populismus mehr als vonnöten ist.

„Reicher Mann und armer Mann
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
»Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich«.“
Bertold Brecht

21. April 2017
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Fortschrittskonzeption der westlichen Welt als einzige Grundlage zum Verständnis menschlicher Geschichte?

Fortschrittskonzeption der westlichen Welt als einzige Grundlage zum Verständnis menschlicher Geschichte?

Wohin wir gehen…

An den Stammtischen dieser westlichen Welt, am reichlich gedeckten Abendtisch des bürgerlichen Weltverständnisses sowie in den Hochschulzirkeln der Geschichtsphilosophie-Exkursionen herrscht das Bewusstsein vor, Fortschritt wird das Leben eines jeden, der sich in der Arbeit verdingt, zum besseren führen. Wer sich dagegen stellt, wer andere Forderungen erhebt, wie z.B. nach einem bedingungslosen Grundeinkommen, oder die Forderung formuliert, die gesellschaftliche Zukunft nicht mit Freihandelsverträgen á la CETA, TTIP und TiSA (*) mit den eingebauten Schiedsgerichtsbarkeiten und Entmachtungsstrukturen der Parlamente in die Hände der Wirtschaft zu geben, der wird mit Sanktionen auf die richtige Bahn gebracht. Wozu hat die Gesellschaft schließlich ein Jobcenter?

Für das Fortschreiten des Fortschritts sorgt schon die Parteien-Demokratie, notfalls bringt die Partei mit Konvent-Treffen die Mitglieder zur Zustimmung von Luftnummern á la CETA-Zusatzerklärungen. Und mit dem Janusgesicht der nachhaltigen Wirtschaft verwirrend die Begriffsbesetzung und Deutungshoheit nutzend, was nachhaltig zu sein hat, den Zweifler an dieser Botschaft zur Räson!

(*) Aus der Feder der Juristen…

Auch der Ansatz eines analysierenden Gedankens ist nicht neu, da schon Walter Benjamin das Hinterfragen der Fortschrittsgläubigkeit zum Kern seines Textes „Über den Begriff der Geschichte“ machte. Für Benjamin ist der Fortschritt in Wahrheit eine Ansammlung von Katastrophen und das Anhäufen eines Trümmerhaufens gesellschaftlicher Systeme – vom Neoliberalismus, den Walter Benjamin als globale Ausbeutung mit einhergehender Zerstörung beschrieb und damit den Blick schon 1940 auf unseren aktuellen globalen Zustand warf – bis hin zum „historischen Materialismus“, der ebenfalls dem Irrtum unterliegt, dass die Geschichte der Menschheit von einer Gesetzmäßigkeit und im determinierten Verlauf bestimmt sei.

Letztlich stellt sich für jeden Menschen in seiner geschichtlichen, subjektiven und von Zufälligkeiten geprägten Sozialisation die Frage, ist Geschichtswissen substanziell und was ist Geschichte überhaupt? Fortschritt oder ungeordnetes Chaos? Ist -im Sinne Benjamins gefragt – Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen dynamisch und offen in der Interpretation? Gibt es die Sicherheit eines Narrativs wie: „Wer weiß, woher er kommt, weiß er dann auch, wohin es gehen soll“? Immerhin sind die meisten Geschichtsbücher immer nur eine Ansammlung von erzählenden Berichten aus dem Blickwinkel der Mächtigen und der Sieger.  Zumindest ihre Weltsicht muss bekannt sein und vom Leser systemisch eingeordnete werden können, damit eine Einschätzung der
damit verbundenen Botschaften zur Dekonstruktion von Geschichte möglich wird. 

Dank Walter Benjamin wird ersichtlich, dass das lineare Fortschrittsdenken kaum erklären kann, warum jederzeit und zu jedem Zeitpunkt der Menschheit ein Rückfall in die Barbarei und die Ausbeutung der neoliberalen Weltsystematik mit den Folgen der Ausbreitung des Elends in der Welt weiterhin möglich und wirksam ist. Welterleben, Weltverstehen und Weltfüllen sind von Ungleichzeitigkeit geprägt und entlassen den Menschen nicht aus seiner Notwendigkeit, jene entgegen zu treten, die das „gute Leben für alle“ durch Kriege, Barbarei und Egoismus verhindern und die Menschenrechte (* *) aushebeln. 

[(**) siehe auch das unsägliche TV-Spiel „Terror“, in dem die Menschenrechte und das Grundgesetz außer Kraft gesetzt werden sollen – Schwächen der Weimarer Republik-Verfassung sollen wieder hoffähig gemacht werden!]  Dazu ein lesenswerter Artikel hier!

Ohne Titel

„Die Geschichte ist Gegenstand einer Konstruktion, deren Ort nicht die homogene und leere Zeit sondern die von Jetztzeit erfüllte bildet.“ (GS I, Abschnitt Über den Begriff der Geschichte, XIV – Walter Benjamin) Zum Denken gehört nicht nur die Bewegung der Gedanken sondern ebenso ihre Stillstellung. Wo das Denken in einer von Spannungen gesättigten Konstellation plötzlich einhält, da erteilt es derselben einen (S)Chock, durch den es sich als Monade kristallisiert. Der historische Materialist geht an einen geschichtlichen Gegenstand einzig und allein da heran, wo er ihm als Monade entgegentritt. In dieser Struktur erkennt er das Zeichen einer messianischen Stillstellung des Geschehens, anders gesagt, einer revolutionären Chance im Kampfe für die unterdrückte Vergangenheit. Er nimmt sie wahr, um eine bestimmte Epoche aus dem homogenen Verlauf der Geschichte herauszusprengen; so sprengt er ein bestimmtes Leben aus der Epoche, so ein bestimmtes Werk aus dem Lebenswerk. Der Ertrag seines Verfahrens besteht darin, daß im Werk das Lebenswerk, im Lebenswerk die Epoche und in der Epoche der gesamte Geschichtsverlauf aufbewahrt ist und aufgehoben. Die nahrhafte Frucht des historisch Begriffenen hat die Zeit als den kostbaren, aber des Geschmacks entratenden Samen in ihrem Innern. (GS I, Abschnitt Über den Begriff der Geschichte, XVII) 

Auf den Begriff einer Gegenwart, die nicht Übergang ist sondern in der die Zeit einsteht und zum Stillstand gekommen ist, kann der historische Materialist nicht verzichten. Denn dieser Begriff definiert eben die Gegenwart, in der er für seine Person Geschichte schreibt. Der Historismus stellt das >ewige< Bild der Vergangenheit, der historische Materialist eine Erfahrung mit ihr, die einzig da steht. Er überläßt es andern, bei der Hure >Es war einmal< im Bordell des Historismus sich auszugeben. Er bleibt seiner Kräfte Herr: Manns genug, das Kontinuum der Geschichte aufzusprengen. (GS I, Abschnitt Über den Begriff der Geschichte, XVI)

„Der Begriff des Fortschritts ist in der Idee der Katastrophe zu fundieren. Daß es ‚so weiter‘ geht, ist die Katastrophe. Sie ist nicht das jeweils Bevorstehende sondern das jeweils Gegebene. “ (GS V, S. 592)

Wahrheit tritt nie in eine Relation und insbesondere in keine intentionale. Der Gegenstand der Erkenntnis als ein in der Begriffsintention bestimmter ist nicht die Wahrheit. Die Wahrheit ist ein aus Ideen gebildetes intentionsloses Sein. Das ihr gemäße Verhalten ist demnach nicht ein Meinen im Erkennen, sondern ein in sie Eingehen und Verschwinden. Die Wahrheit ist der Tod der Intention.“ (Ursprung des deutschen Trauerspiels, GS I, S. 216)

Wo ich herkomme, kann nicht alleine mit der Leere angesammelter Fakten bestimmt werden, sondern ist immer auch dem Brennglas von Menschenrecht, Freiheit, Gerechtigkeit, Mitbestimmung, mehr Demokratie und Friedenserhalt unterworfen. Eine Wissenschaft, die nicht neutral, sondern als Dienstmagd der Drittmittel-Verdingung agiert, hat das Recht verwirkt, dass ihre Ergebnisse zur Grundlage von politischen Entscheidungen gemacht werden . Sie muss allerdings ihrer verheerenden Wirkung gegen die o.g. Brennglas-Eigenschaften wegen durchaus ernstgenommen werden. 

Version vom 21. April 2017

20. April 2017
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Bertold Brecht – Kinderhymne

Bertold Brecht – Kinderhymne

Die Aggressionen und die  Arroganz á la Trump, der Jargon der Doppelzüngigkeit á la Schäuble, die Unfähigkeit zur Empathie – wir erleben es täglich. Da mag das Geschwätz der Heimatideologen á la Reichsbürger und „Gauländer-AfD“ belächelt werden, die Ruchlosigkeit weitet sich aus und der Hass überschreitet jede rote Linie.

Da mag die Kinderhymne Bertold Brechts doch nochmals in Erinnerung gerufen werden:


Anmut sparet nicht noch Mühe
Leidenschaft nicht noch Verstand
Daß ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.
Daß die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.
Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern wolln wir sein
Von der See bis zu den Alpen
Von der Oder bis zum Rhein.
Und weil wir dies Land verbessern
Lieben und beschirmen wir’s
Und das Liebsten mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihrs.

Bertolt Brecht

25. Dezember 2016
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Brot und Spiele statt Aufklärung und Transparenz – Einstellung der Plattform Lobby-Radar durch das ZDF

Brot und Spiele statt Aufklärung und Transparenz – Einstellung der Plattform Lobby-Radar durch das ZDF

Eine Beerdigung erster Klasse, heißt, schnell und möglichst im kleinen Kreise erledigen, so soll die Plattform ZDF-Lobbyradar geschlossen werden.

Brot und Spiele sind den Beeinflussern und Entscheidern wichtiger statt Aufklärung und Transparenz!

ZDF-Lobbyradar wird voraussichtlich zum 01.01.2016 eingestellt! Seit dem 25.12.2015 hat das ZDF diesen Transparenzdienst eingestellt. Die Beeinflussung der Politik auf das ZDF und der vorauseilende Gehorsam bestimmter Funktionsträger in dieser öffentlich-rechtlichen Anstalt ist den Interessenvertretungen der Lobbyisten gefolgt! 

Was dem Sender wichtiger erscheint: Brot und Spiele – anstatt Aufklärung und Transparenz!

Zitat:
Den Quellen der „Die
Zeit“ zufolge habe sich ZDF-Intendant Thomas Bellut gegen die Weiterführung entschieden, weil andere Großereignisse wie eine Fußball-EM sowie der gemeinsame Jugendkanal mit der ARD Mittel beanspruchten. Laut dem Bericht sprachen Insider aber auch von großem Druck aus dem überwiegend mit Politikern besetzten ZDF-Rundfunkrat sowie aus weiteren Politkreisen. Das ZDF wies solche Einflussnahme zurück. Zwar seien kritische Stimmen laut geworden, die positiven Reaktionen hätten aber überwogen. 
Zitatende: (
Quelle : hier)

Lobbyisten-Liste des Bundestages vom 04.12.2015
Anmerkung: Wer sich die Fülle der Verbände anschaut, dem müssen Zweifel aufkommen, ob ein Abgeordneter noch – frei von ständigen Beeinflussungen – seiner Aufgabe nachkommen kann. Diese Meinungs-Schattenwirtschaft mit ihren Vorständen, Hauptgeschäftsführern und ihrer Meinungsmaschinerie hat doch nicht das Wohl der Bevölkerung im Sinn?! Hier geht es um das Wohl ihrer Mitglieder, ihrer Mandanten und der Mitarbeiter. Jeweils also einer kleinen Anzahl von Betroffenen. 

Lobbyisten mit Hausausweisen des Bundestages werden hier dargestellt. 

Fazit dieser Vorgehensweise: Da scheint doch der Ruf nach direkter Demokratie ein berechtigter zu sein.

12. Dezember 2016
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Das radikal Böse und Dumme… und die ursächliche Bedingung durch den Neoliberalismus

Das radikal Böse und Dumme… und die ursächliche Bedingung durch den Neoliberalismus

Das radikal Böse ist affin zum radikal Dummen – und umgekehrt. Beispiele dafür zeigen sich in verschiedenen Ausformungen

„Die Philosophie ist der Kampf gegen die Verhexung unsres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.“ (Ludwig Wittgenstein)

„AdG“ oder „AdF“ sind Kürzel für den Sammelplatz der marktschreierisch verbreiteten Phrasen des national-ökologischen und national-konservativen Gedankenguts. Sie dienen als „Dünger“ für das Neoliberale und Rechtsradikale, sind nicht selten auch der ideologische Kompost für das faschistische Weltbild – vom Fehlschluss bis zur Abwesenheit von Vernunft.

Faktisch sind sie die Zusammenrottung derjenigen, die auf der Suche nach Halt in Zeiten der Veränderung sind und dabei die Methoden des Voreiligen und der Selbst- und Fremdtäuschung nutzen. Diejenigen, die auf dem virtuellen Marktplatz der „AdG“ sich  schreibend äußern, verraten in der diskriminierenden Nutzung von Sprache ihre Phobien ebenso, wie diejenigen, die auf dem von einer Partei strukturierten Sammelplatz der „Armseligkeit für Deutschland“ sich vom „Ich“ zum „Wir“ einfinden und die Definition des „Wir“ den ideologischen Hetzern á la Höcke und Konsorten überlassen. 

Bei beiden Sammelbewegungen ist der Eindruck nicht zu vermeiden, dass der im dunklen Haus verlorene „Schlüssel der Vernunft“ auf dem Marktplatz gesucht wird, weil dort das Licht der Brandstifter und Feuerleger mit ihren Brandherden und offenen Feuern mehr „Helligkeit“ verspricht. 

Warum die Menschen in die Fänge der Ideologen geraten, hat nicht selten damit zu tun, dass das Regierungshandeln an den Bedürfnissen eines großen Teils der Menschen vorbei geschieht. Die Fragestunden der Plenarsitzungen im Bundestag sind ein exemplarisches Beispiel für die sprachlich basierte Abwehr und Vernebelung zu den Versäumnissen der Regierung durch falsches Regierungshandeln. Wer nur die Antworten der parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter, Parl. Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit sich anschaut, (siehe hier! ), weiß um die zutreffende Belegführung hinsichtlich der Bedrohung durch die Kernkraftwerke an den deutsch-belgischen und deutsch- französischen Grenzen, dass die für die Menschen schützenden und notwendigen Maßnahmen zu spät, zu wenig nachdrücklich, zu uninspiriert und aus Unwissenheit vernachlässigend gearbeitet wurde. 

Welches Ausgeliefertsein den Menschen umgibt, wird an der Verbalabwehr der Staatssekretärin sichtbar. Wenn zur Begründung auf rechtsstaatliche Normen als Hemmnis für das Handeln verwiesen wird, scheint die Durchsetzung notwendiger Veränderungen durch die Rechtsstaatlichkeit innerhalb der EU unter Konstruktionsfehler zu leiden. Oder es ist schlicht und einfach „kein Wollen“ gemeint.

Das Beharren auf den Föderalismus ist durchschaubar und verkümmert zum Mittel der einseitigen Umsetzung der wirtschaftlichen Interessen des Kernkraftbetreibers. Die Personalunion durch das ehemalige Vorstandsmitglied der Betreiberfirma als Vertreter der Regulierungsbehörde einerseits und die Interessensvertretung seiner weltanschaulichen Verbundenheit zur Atomkraft andererseits, reduzieren das Gefährdungspotential nicht. In einer solchen Situation muss es Handlungsbefugnisse von außerhalb geben (z.B. der EU-Gerichtshof als übergeordnete Einheit), die das Interesse der gefährdeten Bevölkerung über die Unternehmensinteressen stellt und zur schnellen Aktion führt. Im Falle von Aixtron demonstrierte die USA als Staat dies zur Genüge, obwohl diese Interessensvertretung und Einflussnahme sicherlich andere Inhalte hat. 

Die Begriffe „dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen“ bedürfen einer Neuausrichtung. Sie sind neu zu bewerten, wobei der Schutz des Menschen als wichtigstes Kriterium zu beachten ist und das daraus resultierende Ergebnis diesbezüglich zu gestalten ist.
Diese Aufgabe ist eine vordergründige der Regierung und – soweit das Parlament seine Kontrollfunktion noch ernst und wahr nimmt – auch die der Abgeordneten. Erst recht jener, die diese Region NRWs als Abgeordnete vertreten. Die fehlende Moralität ist in die Phase der realen Mortalität übergegangen. 

„Politik ist das Einlullen unseres Verstandes durch die Verbalabwehr berechtigter Forderungen innerhalb der parlamentarischen Gewohnheiten.“ (jwb) 

Update vom 14.12.2016
Ein Hinweis und eine Sichtweise, die auf die Sprache der Schreiberlinge dieses Sammelplatzes eingeht. Scholz & Friends (Werbeagentur) waren wohl das Schlagloch, an dem sich die „Achse des Guten“ („AdG“) einen Achsenbruch holte. 

Wieder Einstellung des Beitrags vom 12.12.2016

 

20. November 2016
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Rechtsruck in den Gesellschaften – ein Umbruch mit dem Potential zur Zerstörung der Demokratie oder Chance zur Reformation

Rechtsruck in den Gesellschaften – ein Umbruch mit dem Potential zur Zerstörung der Demokratie oder Chance zur Reformation

Leben
einzeln und frei wie ein Baum
Und brüderlich wie ein Wald,
das ist unser Begehren (Nazim Hikmet)

Vor 500 Jahren leitete Martin Luther einen Umbruch ein, der nicht nur die christliche Kirche reformierte und die Gesellschaften der nachfolgenden Jahrzehnte und Jahrhunderte in eine kriegerische Zerstörung führte. Es war auch die Veränderung zu einer geistigen Auseinandersetzung mit der Frage: Wie wollen wir in Zukunft leben? Am Ende führte der von Luther begonnene Umbruch in neue, aufgeklärte und demokratische Gesellschaften.
Dass dieser Weg leider auch Umwege über Diktaturen, Weltkriege und Völkermorde einschlug, ist eine Erkenntnis, die auch heute wieder in das Bewusstsein der Menschen gehoben werden muss. Demokratie in der Verfassung des Grundgesetzes ist die Zusicherung für Freiheit, Gleichheit und soziale Gerechtigkeit. Sie ist jedoch immer und zu allen Zeiten gefährdet.

Der Neoliberalismus nagt an den Wurzeln der sozialen Gerechtigkeit und der Gleichheit vor den Steuerpflichten und damit letztlich auch an der Freiheit. Seine Lobby-Legionen sorgen für ein Ungleichgewicht in der Freiheit der besitzenden Schichten, vor allem der wirtschaftlichen Investitionen. Die Sicherung der Einkommen aus Vermögen wird höher gewertet, als das Arbeitseinkommen. Die  Beteiligung an der Finanzierung der Daseinsfürsorge wird – auch mit Hilfe der Politik – minimiert für die Reichen. Der praktizierte Verstoß gegen das Grundgesetz, dass Eigentum verpflichtet, wird zur Selbstverständlichkeit und zum Programm der Vermögenden.

Der Populismus nagt an der Menschenfreundlichkeit. Diejenigen, die sich seiner bedienen, sind ohne Skrupel, sind Verführer und verantwortungslos.

Menschenfeindlichkeit wird wieder hoffähig gemacht und mittels  Gewalt umgesetzt – die Kategorien dazu reichen von  Fremdenfeindlichkeit über Rassismus und Abwertung von gesellschaftlich diskriminierten Gruppen bis zu den Etablierten-Vorrechten. Menschenfeindlichkeit setzt im Kern die Emotionalität an die Stelle des rationalen Denkens. Gehandelt wird auf der Grundlage von voreiligen und verkürzten Urteilen.

Populismus nagt aber auch an der Demokratie, weil weder die Wege der Vereinfachung, noch die widerlichen Slogans einen Ausweg aus den tatsächlichen Problemen weisen, sondern oft sogar die Gewinner dieser Strategien des Krawallweges eine Polarisierung der Gesellschaft noch vertiefen. Es gibt mit den Nutzern und Anwendern der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit keinen Gewinn für die Sicherheitsbedürfnisse der Menschen. Vielmehr zeigen die ferneren und näheren geschichtlichen Ereignisse, dass Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit und die damit verbundene Polarisierung der Gesellschaft Tendenzen der Entsolidarisierung fördern.

Nur wo eine soziale Demokratie und eine soziale Marktwirtschaft bestehen, die Armut und ihre Ursachen beseitigen, kann die Zerstörung der demokratischen Gesellschaftsordnung aufgehalten werden.

Wie gefährdet die Demokratie in den westlichen Gesellschaften ist, zeigt sich an den Entwicklungen rund um den Globus. Einige lesenswerte Anregungen zum Nachdenken über die Entwicklung der Demokratien sind  hier  und hier zu finden.

Version vom 20. November 2016 – wieder eingestellt!

20. Mai 2016
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Drei Künstler in der Schriefersmühle – Ausstellung „Kunst in der Mühle“

Drei Künstler in der Schriefersmühle – Ausstellung „Kunst in der Mühle“

Drei Künstler in der Schriefersmühle – (c) Foto Ingo Kalauz Bildzitat-Quelle: HS-Zeitung vom 20. Mai 2016

„Kunst ist mehr wert als die Wahrheit“ (Nietzsche) 

Die Schriefersmühle war für 10 Tage Ausstellungsraum für die gemeinsame Ausstellung der drei Künstler: Dettmar Fischer, Gert Jäger und Michel Saran. Im runden Raum einer restaurierten Mühle gelang auf zwei Ebenen eine Verbindung verschiedener Wirklichkeitserfassungen und ihrer technisch und materialmäßig verschiedenen interpretativen Verarbeitung.

Auf- und Abstieg in der Kunstmühle

Der Fotograf Dettmar Fischer, dessen Fotos auf den ersten Blick von einer unaufgeregten, stillen Zurückhaltung geprägt sind, doch dessen Motive durchaus von einem auch auf den zweiten Blick nicht leicht erkennbaren satirischen Humor zehren, wirken unscheinbar und leise. Und sie werben mit ihrer dokumentierten Belegführung – real eine eins zu eins Positiv-Kopie des großformatigen Negativs  –  für eine technische Wahrheit. Die vorhandene Unschärfe als Gestaltungsmittel bedeutet gleichsam auch, für Toleranz und individuelle Sicht auf die Welt zu argumentieren. Fischers Bilder stehen für Anregung zur Fantasie und Geschichten im Kopf zu initiieren.

Ausstellung: Fotografie Dettmar Fischer

Ausstellung: Fotografie Dettmar Fischer

Von den Grautönen der Fotografie zur Farbigkeit Malerei, dafür ist der malende Künstler zuständig. Michel Saran ist vertreten mit einigen verschieden großen Formaten abstrakter Malerei. Farbklänge, Formen und Flächen ergeben Rhythmus und „Musik für die Augen“. Die in ihren Rahmen eingepassten Werke sind Einblicke wie sie ebenso abstrakte Ausblicke mit Anklang an Fenstern sind. Mit Bezug auf das Letzteren mag sowohl der Eindruck von Butzenscheiben mit dem Spiel der goldenen Sonne erscheinen, wie auch die vom Wind gebogenen Pflanzen. 

Ausstellung: Michel Saran

Michel Saran

Ausstellung: Michel Saran

Das verbindende Element unter den drei Künstlern stellt Gert Jäger dar. Seine Skulpturen ergänzen die ausgestellten Werke in der bildenden Kunst als dreidimensionale Objekte wie sie auch den Raum der Mühle füllen und als Environment die gesamten Werke verknüpfen.

Gert Jäger – „Traum des Ikarus“

Eine Einheit der Ausstellung, trotz verschiedener Techniken und Gestaltungsmittel, gelingt besonders durch Jägers Objekte und ihre Aufstellung im gesamten Raum. 

Gert Jäger – „Mühlenflieger“

Aus den insgesamt vierzehn interessanten Objekten ragen der „Traum des Ikarus“ – Bronze und Edelstahl auf Blausteinsockel –  sowie der „Mühlenflieger“ aus Papier, Jute und Acryl auf Holz Stele heraus. 

 

25. April 2016
von JvHS
Kommentare deaktiviert für „Kunst ist das sinnliche Scheinen der Idee“ – Georg Wilhelm Friedrich Hegel über Ästhetik

„Kunst ist das sinnliche Scheinen der Idee“ – Georg Wilhelm Friedrich Hegel über Ästhetik

Beim Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch: Monika Ortmanns Rauminstallationen sind in der Ausstellung im Horster Hof zu sehen. Foto: (c) J.W. Bindels 24.04.2016

„Ausstellung mit Rauminstallationen beim Kunstverein Region Heinsberg“ hieß der Titel der Heinsberger Zeitung vom 25.04.2016

Kunst ist das sinnliche Scheinen der Idee“, schrieb der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel in einer seiner Vorlesungen über die Ästhetik. In den Rauminstallationen von Monika Ortmann beim Kunstverein Region Heinsberg im Horster Hof in Unterbruch wird nachempfindbar, was Hegel damit meinte.  

Mit diesen ersten Zeilen führte der Autor die Leserschaft in die Thematik der Ausstellung im Kunstverein Region Heinsberg e.V. ein. (Der Kunstverein Region Heinsberg e.V. ist für seine kuratierten Ausstellungen weit über die regionalen Grenzen hinaus bekannt.) 

25.04.2016 von jwb

Was mit der Überschrift „Von Strumpfhosen und der Eroberung des Raumes“ über dem Text der erkrankt verhinderten Laudatorin Eva Maria Schöning gemeint war, erfuhr das Publikum zur Ausstellungseröffnung durch die Kuratorin des Kunstvereins, Ingrid Trantenroth-Scholz.

Wer die Ausstellungsräume betritt, sieht sich gleich einem Netzwerk an waagerecht oder diagonal gespannten, verknüpften und hängenden den gesamten Raum durchwirkenden Gegenständen und Materialien gegenüber.

Was zunächst wie ein undifferenziertes Gespinst und Labyrinth wirkt, erweist sich beim Durchschlängeln des Raumes als sehr wohl strukturiert und rhythmisch gegliedert. Insgesamt fünf auch farblich differenzierte Formgruppen vereinnahmen den Raum und bestätigen zutreffend den Ausstellungstitel „Turn the tension from one to five“.

Strumpfhosen sind das Material, mit dem Monika Ortmann ihre Raumstrukturen gestaltet. Durch Verdrehen, Verspannen, Verknüpfen und Dehnung nutzt sie den vorhandenen Raum in Breite, Länge und Höhe und lässt ihre so gestalteten Formen an den Wänden auch flächig auslaufen. Einige der Strumpfhosen sind mit Schuhen gefüllt. Ihre Installation nimmt nicht nur den Raum in Anspruch. Im Laufe der Zeit verändert sich durch das Gewicht der Schuhe auch die Länge, und einzelne Schuhe berühren wie im Ballett den Boden. Monika Ortmanns Kunst durchwirkt Raum und Zeit.

Die Stofflichkeit des Strumpfmaterials und seine Netzstrukturen erzeugen unterschiedliche Erscheinungsweisen zwischen dicht und transparent, offen und geschlossen, Licht und Dunkel, Farbigkeit und Unbuntem“, hatte Eva Maria Schöning in ihrer Laudatio formuliert. 

„Die von ihr in den Installationen gestalteten Netzwerke spiegelten die neuronalen Netze, aber auch Sternenstrukturen wider und seien Entsprechungen des Mikrokosmos und des Makrokosmos“, beschrieb Ortmann selber ihre Gestaltungsidee. 

„Ich erhalte meine Materialien als ausrangierte Teile aus dem Fundus eines Theaters oder von Tango-Tanzschulen“, verriet die Künstlerin im persönlichen Gespräch. Diese färbe sie gezielt oder bearbeite sie. So wie die abgelegten Strumpfhosen eine Allegorie der Vergänglichkeit darstellen, von ihr auch „Treibholz der Gesellschaft“ genannt, und doch noch als Sinnlichkeitszeichen und
weibliches Zubehör erkennbar sind, so vergänglich sind die Installationen ebenfalls. 

Am Ende baue sie ihr Werk wieder ab, das gehöre zu ihrem Kunstprozess. Nur manchmal imprägniere sie ihre Werke, so wie in der Edition, die als kleine Materialcollagen beim Kunstverein erworben werden kann. 

Die Ausstellung „Turn the tension from one to five“ mit Rauminstallationen von Monika Ortmann ist beim Kunstverein Region Heinsberg in Unterbruch (Horster Hof) bis zum 15. Mai zu sehen — also auch zur Kunsttour am kommenden – Wochenende.

Die Öffnungszeiten sind samstags von 15 bis 18 Uhr sowie sonntags von 11 bis 17 Uhr. 

Version vom 25.04.2016 – wieder eingestellt nach Serverumzug

 

 

 

28. Februar 2016
von JvHS
Kommentare deaktiviert für Für die Freiheit der Kunst und Kultur – Rolf Mallat ein exemplarisches Beispiel

Für die Freiheit der Kunst und Kultur – Rolf Mallat ein exemplarisches Beispiel

Im Spannungsfeld von kunstgeschichtlicher Vergangenheit und Gegenwart präsentiert der Kunstverein Region Heinsberg den Künstler Rolf Mallat und seine neueren Werke. In der Eröffnung zur Ausstellung „Zeit-Räume“ hielt Ingrid Trantenroth-Scholz die Laudatio, in der sie den künstlerischen Werdegang für das Publikum nachvollziehbar machte. Im Dialog mit dem Künstler betonte Trantenroth-Scholz die kunsttheoretischen und ästhetischen Positionen und erläuterte diese anhand zweier großformatiger Werke. Rolf Mallat ließ die Zuhörer ergänzend Einblick in seine künstlerische Weltsicht nehmen. 

Rolf Mallat vor Bild mit Otto Dix und Frau im roten Mantel

Rolf Mallat, der in Bonn geborene und in Troisdorf lebende und arbeitende Künstler, habe in Köln bei Prof. Strack Kunst studiert, stellte die Laudatorin Trantenroth-Scholz den Künstler vor. „Ausgehend von der naturalistischen Gegenstandsmalerei und der expressiven Abstraktion bis hin zur ungegenständlichen Malerei reicht das künstlerische Repertoire“, beschrieb Trantenroth-Scholz den Beginn und den künstlerischen Weg Mallats. 

Zwischenzeitlich sei Mallat aber wieder zurückgekehrt zu den Anfängen der gegenständlichen Darstellungen. „Wie sehr der Mensch im Mittelpunkt steht, sieht man an den neueren Motiven“, verwies die Laudatorin auf einzelne ausgestellte Bilder wie die, in denen Otto Dix und Edward Hopper – einem deutschen und amerikanischen Vertreter der Neuen Sachlichkeit – Bildbestandteile sind. Die kunsthistorischen Persönlichkeiten habe Mallat als Verweise in seine Werke eingeflochten. Elemente der Bildsprache Otto Dix fänden sich in Mallats Werk wieder. Während Dix jedoch seine Frauengestalt in rotem Outfit und bekannt als „Silvia von Harden“ fast karikaturenhaft dargestellt habe, anonymisiere und stereotypisiere Mallat seine Frauendarstellung auch als Anklang an das unpersönliche und austauschbare Bild der heutigen Model-Frauen.

Rolf Mallat vor Bild mit Edward Hopper

Mallats Bilder seien ruhige Schilderungen der uns umgebenden Welt. Die Alltagsszenen in den typischen collageartigen Bildern gäben einerseits einen leichten Einstieg in die Bildgeschichten. Gleichzeitig sei die Bild- und Formensprache differenziert und komplex, um über den ersten Anschein des Erzählerischen hinauszugehen. Form – und Bildsprache lassen einen entdeckenden Weg zu, der dem Betrachter Raum und Zeit gäben für eigene Erinnerungen und Wahrnehmungen. 

„Ich nutze meine künstlerischen Erfahrungen als Freiheit, um die verschiedenen Techniken zur Gestaltung zu nutzen“, ließ Rolf Mallat sein Publikum wissen. „Mich von der reinen abstrakten Malerei abzuwenden, geschah auch, weil ich mich als Maler nicht mehr in meinen Bildern wiederfand“, beschrieb er einen Teil seines Werdeganges. Der habe nun zu einem Punkt geführt, kunsthistorisch sehr bewusst als Künstler zu agieren. 

Im persönlichen Gespräch verriet Mallat auf die Frage, was für ihn Motivation zum Malen sei, dass er darüber nie nachgedacht habe. „Als Junge von elf, zwölf Jahren hat mir die gegenständliche Malerei einfach schon Spaß gemacht. Nach dem Abitur war für mich klar, dass ich Künstler werde wollte“, ließ Mallat keinen Zweifel an der frühen Entscheidung für ein Künstler Leben aufkommen. 

Rolf Mallat mit Laudatorin Ingrid Trantenroth- Scholz

„Es gibt keine einfachen Wahrheiten und der Mensch lebt nicht nur im Hier und Jetzt, sondern hat seine geschichtlichen Erfahrungen und Umstände, die ihn prägen“, betonte Mallat den Einfluss der Sozialisation auf den einzelnen Menschen. Sein so geprägtes Weltbild sei nicht vordergründig politisch, wie dies bei Otto Dix noch der Fall sei. „Ich bin offen für die Assoziationen, die das Leben bietet“, beschrieb er seine Menschen zugewandte Sichtweise. 

Seine Bilder sind von sympathischer Wirkung und Ausstrahlung, wie dies vor allem in seiner Portraitgalerie nachvollziehbar wird. In ihnen spiegelt sich das offene Wesen des Künstlers wider. Die Ausstellung ist noch bis zum 20. März 2016 geöffnet. (Johannes W. Bindels)

Veröffentlichung unter: Heinsberger Zeitung / Geilenkirchener Zeitung / Heinsberger Nachrichten im Zeitungsverlag Aachen